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Xhaka und Shaqiri treffen bei 2:1-Sieg

Die Schweiz hat am Freitag bei der WM in Russland einen Last-Minute-Sieg errungen. Die Eidgenossen setzten sich in Kaliningrad nach einem 0:1-Pausenrückstand noch mit 2:1 durch und nahmen damit Kurs in Richtung Achtelfinale. Vor dem abschließenden Spieltag in Gruppe E am Mittwoch halten Brasilien und die Schweiz mit je vier Punkten alle Trümpfe in der Hand. Die Serben blieben bei ihren drei Zählern.

Aleksandar Mitrovic hatte die Serben bereits in der fünften Minute in Führung gebracht (5.). Nach der Pause sorgte Granit Xhaka mit einem sehenswerten Tor für den Ausgleich (52.), ehe der stark spielende Xherdan Shaqiri nach einem Konter in der 90. Minute den umjubelten Siegestreffer erzielte. Erstmals bei dieser WM konnte ein Team einen Rückstand noch in einen Sieg verwandeln. Die Serben benötigen nun im letzten Spiel wohl einen Sieg gegen Brasilien, der gleichbedeutend mit dem Aus für den Rekordweltmeister wäre. Die Schweiz trifft auf das bereits ausgeschiedene Costa Rica.

Der späte Siegestreffer von Shaqiri

Nach einem langen Sprint schiebt Xherdan Shaqiri den Ball an Vladimir Stojkovic vorbei zum 2:1 (90.) und lässt danach die Muskeln spielen.

Blitzstart von Serbien

Nachdem die Auftaktspiele mit dem 1:0 gegen Costa Rica bzw. dem 1:1 gegen Brasilien erfolgreich gestaltet worden waren, sahen sich beide Teamchefs nicht dazu veranlasst, personelle Änderungen vorzunehmen. Serbien-Trainer Mladen Krstajic ersetzte nur Adem Ljajic mit HSV-Stürmer Filip Kostic, Schweiz-Coach Vladimir Petkovic vertraute überhaupt derselben Startelf. Die taktische Ausrichtung war mit einem 4-2-3-1-System ebenfalls ident.

Am Spielstand änderte sich jedoch früh etwas, und zwar zugunsten der Serben. Mitrovic scheiterte zunächst mit einem Kopfball an Schweiz-Goalie Yann Sommer. Nur Sekunden danach bekam der Fulham-Legionär nach einer Flanke von Dusan Tadic eine zweite Chance und nutzte diese zur schnellen Führung (5.). Den schnellen Ausgleich hatte Blerim Dzemaili auf dem Fuß. Nach einem Stanglpass von Ricardo Rodriguez schoss er aber deutlich neben das Tor (10.).

Mitrovic trifft zum schnellen 1:0

Kurz nach seiner Glanztat muss sich Yann Sommer geschlagen geben: Aleksandar Mitrovic köpfelt aus kurzer Distanz zum 1:0 für Serbien ein (5.).

Schweiz übernimmt das Kommando

Den Fans wurde ein flotter Beginn geboten - mit Vorteilen für die Serben. Der Sieger in Österreichs Qualigruppe kam über die Seite und sorgte mit Flanken für Hochbetrieb im Schweizer Strafraum. Ein Schuss von Sergej Milinkovic-Savic (16.) und ein Fallrückzieher von Mitrovic (19.) gingen am Tor vorbei. Waren die Schweizer im Ballbesitz, den sie vermehrt hatten, standen die Serben kompakt. Die „Nati“ kam aber durchaus in die Nähe des Strafraums.

In Minute 30 gelang dann auch einmal der finale Pass. Steven Zuber fand die Lücke und setzte Dzemaili ideal ein. Der Mittelfeldspieler spitzelte den Ball Richtung Tor, doch Goalie Vladimir Stojkovic verhinderte das 1:1. Die Schweizer, die nach dem Fehlstart eine stete Steigerung verzeichneten, hatten zu diesem Zeitpunkt das Heft in der Hand, blieben aber anfällig bei hohen Bällen. Nach einem Eckball verpasste Dusko Tosic ungedeckt einen Flugkopfball haarscharf (44.).

Serbischer Torhüter Vladimir Stojkovic stoppt den Schuss von Blerim Dzemaili

AP/Antonio Calanni

Blerim Dzemaili vergibt vor der Pause die größte Chance für die Schweizer

Traumtor bringt Schweiz Ausgleich

Für die zweite Halbzeit brachte Schweiz-Teamchef Petkovic mit Mario Gavranovic für den unauffällig gebliebenen Haris Seferovic einen neuen Stürmer. Im Mittelpunkt stand mit Xhaka aber ein anderer Schweizer. Aleksander Kolarov blockte zunächst einen scharfen Schuss von Xherdan Shaqiri. Der Ball kam zum Arsenal-Legionär, der aus dem Rückraum abzog und knallhart ins lange Eck traf. Stojkovic hatte nicht einmal Zeit zu reagieren, so scharf war der Schuss (52.).

Xhaka gleicht für Schweiz aus

Granit Xhaka stürmt aus dem Rückraum heran, donnert den Ball zum 1:1 ins Tor der Serben (52.).

Die Schweizer blieben am Drücker und hätten beinahe über die Führung jubeln dürfen. Ein gefinkelter Schuss von Shaqiri aus halbrechter Position streifte das linke Lattenkreuz (58.). Die Partie war nun völlig offen. Beide Teams wollten die drei Punkte, wirkliche Chancen darauf ergaben sich vorerst nicht. Ein Pass von Serbien-Kapitän Kolarov ging an Freund und Feind vorbei, da Mitrovic mit etwas Abstand zum Tor wieder auf den Kopfball gelauert hat (68.).

Schweiz jubelt in spannender Schlussphase

Das Partie stand auf des Messers Schneide. Mehr zu verlieren hatten aber die Eidgenossen, denn eine Niederlage hätte die Chancen auf das Achtelfinale dramatisch sinken lassen. Coach Petkovic stärkte trotzdem noch einmal die Offensive und brachte Breel Embolo für den in der zweiten Hälfte unauffälligen Dzemaili. Aber auch Krstajic wechselte mit Nemanja Radonjic eine frische Offensivkraft ein.

Die Partie ging in die spannende Schlussphase. Routinier Branislav Ivanovic unterlief mit einem unkontrollierten Rückpass beinahe ein Eigentor (82.). Gavrilovic schoss daneben, ein möglicher Treffer hätte spätestens nach dem Videobeweis nicht gezählt, denn der Schweizer war im Abseits gestanden (84.).

Regulär fiel dann die Entscheidung. Die Serben waren bei einer Ivanovic-Flanke sehr weit aufgerückt und liefen prompt in einen Konter. Xhaka überwand mit einem Pass die entblößte Abwehr. Verfolgt von Tosic sprintete Shaqiri in Richtung Tor. Der Serbe kam nicht heran, um vielleicht doch noch ein Foul anzubringen. Shaqiri behielt die Nerven und schob den Ball vorbei an Stojkovic ins Tor (90.). Den Vorsprung brachten die Schweizer über die Nachspielzeit und durften im Regen von Kaliningrad feiern.

Stimmen zum Spiel:

Vladimir Petkovic (Teamchef Schweiz): „Wir wussten, dass wir physisch nicht so gut mithalten würden, aber mit unseren spielerischen Mitteln sehr wohl. Das 2:1 war die pure Erleichterung, nach der ersten Halbzeit haben wenige geglaubt, dass wir zurückkommen würden. Ich bin stolz auf die Reaktion. Unser Teamgeist muss immer da sein. Heute feiern wir, aber ab morgen wollen wir den ersten Platz.“

Mladen Krstajic (Teamchef Serbien): „Natürlich hat uns der Schweizer Ausgleich aus dem Konzept gebracht. Wir waren auf Augenhöhe, vielleicht haben sie mehr Ballbesitz gehabt, aber bei 1:1 sind wir wieder in den Angriff gegangen. Leider haben wir in der 90. Minute aus einem Konter das Tor bekommen. Das ist Fußball. Ich denke, die Jungs haben alles gegeben. Wir sind in einer Situation, wo wir einen Sieg gegen Brasilien im letzten Spiel brauchen. Wir werden alles versuchen, um zu gewinnen.“

Xherdan Shaqiri (Siegestorschütze Schweiz): „Das war sehr wichtig. Wir sind in Rückstand geraten, haben aber dann Moral gezeigt und verdient gewonnen. Ich bin zufrieden mit meiner Leistung und froh, dass ich meiner Mannschaft mit meinem Tor helfen konnte. Bei großen Spielen muss man da sein - und das waren wir. Es geht hier nicht um Politik, es geht um Fußball“

Granit Xhaka (Torschütze Schweiz): „Das war Emotion pur! Die ersten 15 Minuten waren wir überhaupt nicht im Spiel. Die Serben haben Dampf gemacht und hatten viele Chancen. In der Halbzeit haben wir in der Garderobe herumgeschrien, waren überhaupt nicht zufrieden. Diese Mannschaft hat mental einen Riesenschritt nach vorne gemacht. Wir können gegen jeden Gegner reagieren.“

Aleksandar Mitrovic (Torschütze Serbien): „Ich habe keine Ahnung, was hier passiert ist. Wir haben gespielt wie Kinder. Wir haben so dumm agiert, anstatt das Ergebnis zu verteidigen und zu verwalten. Ich finde gar keine Worte - ich bin so enttäuscht.“

Fußball-WM, Gruppe E

Freitag:

Serbien - Schweiz 1:2 (1:0)

Kaliningrad, 33.100 Zuschauer, SR Brych (GER)

Torfolge:
1:0 Mitrovic (5.)
1:1 Xhaka (52.)
1:2 Shaqiri (90.)

Serbien: Stojkovic - Ivanovic, Milenkovic, Tosic, Kolarov - Milivojevic (81./Radonjic), Matic - Tadic, Milinkovic-Savic, Kostic (65./Ljajic) - Mitrovic

Schweiz: Sommer - Lichtsteiner, Akanji, Schär, Rodriguez - Xhaka, Behrami - Shaqiri, Dzemaili (73./Embolo), Zuber (94./Zuber) - Seferovic (46./Gavranovic)

Gelbe Karten: Milinkovic-Savic, Milivojevic, Matic, Mitrovic bzw. Shaqiri

Die Besten: Tadic, Mitrovic bzw. Shaqiri, Xhaka

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