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Erster Sieg bei einer WM seit 1994

Saudi-Arabien hat am Montag bei der Fußball-WM in Russland einen überraschenden Sieg in Wolgograd gefeiert. Die Mannschaft von Teamchef Juan Antonio Pizzi setzte sich im bedeutungslosen Parallelspiel von Gruppe A gegen Ägypten mit 2:1 durch. Den Gruppensieg sicherte sich Uruguay mit einem 3:0-Erfolg über Gastgeber Russland.

Für die Mannschaft aus dem Nahen Osten war es der erste Sieg in einer WM-Partie seit 1994. Saudi-Arabien beendet die Vorrunde in Pool A damit an der dritten Stelle, Ägypten blieb ohne Punkt. Vor 36.823 Zuschauern in der Wolgograd Arena brachte Liverpool-Star Mohammed Salah die Nordafrikaner in der 22. Minute in Führung. Noch in der Nachspielzeit der ersten Hälfte gelang Salman al-Farradsch (45.+6) aus einem Foulelfer der Ausgleich, Salem al-Dausari schoss Saudi-Arabien in der 95. Minute noch zum Sieg.

Saudi-Arabien siegt in der Nachspielzeit

In letzter Minute gelingt Saudi-Arabien ein zweites Tor, die Mannschaft besiegt Ägypten dadurch mit 2:1.

Altersrekord von Ägypten-Goalie Hadari

Ägyptens erstmals bei dieser Endrunde eingesetzter Teamtorhüter Essam al-Hadari, der in der 41. Minute gegen Fahad al-Muwallad parierte, schrieb in der Partie WM-Geschichte: Mit 45 Jahren und 161 Tagen ist der Goalie nun der älteste WM-Spieler in der Geschichte. Kolumbiens Keeper Faryd Mondragon war 2014 bei seinem letzten WM-Einsatz 43 Jahre und drei Tage. Aufruhr hatte es kurz vor dem Match rund um Salah gegeben, der Gerüchte um einen möglichen Rücktritt aus dem Nationalteam wegen politischer Instrumentalisierung dementierte.

Auf dem Platz ließ sich der Liverpool-Stürmer davon aber nicht beirren. In einem anfangs chancenarmen Match brachte Salah die in der Anfangsphase aktiveren Ägypter mit einem schönen Heber von der Strafraumgrenze in Führung. Dem Abschluss war ein langer Pass von der Mittellinie aus vorangegangen. Für den Hoffnungsträger der Afrikaner war es das 50. Tor in der laufenden Saison, Treffer in Verein und Nationalteam zusammengezählt.

Hadari hälft umstrittenen Elfer

Nach dem 1:0 fand Saudi-Arabien häufiger den Weg vor das Tor, besondere Gefahr konnten sie aber zunächst nicht erzeugen. Ein scharfer Schuss von Farradsch wurde geblockt (37.). In der 41. Minute schlug dann die Stunde des nunmehrigen ältesten WM-Spielers der Geschichte. Ägyptens Goalie Hadari parierte den Elfer von Muwallad sehenswert. Der Strafstoß war nicht unumstritten, Ahmed Fathi hatte den Ball unglücklich an die Hand bekommen. Zwar wurde der Videobeweis bemüht, das änderte aber nichts an der Entscheidung des kolumbianischen Referees Wilmar Roldan.

Essam El Hadary (EGY)

APA/AFP/Mark Ralston

Der älteste Spieler bei einer WM zeichnete sich mit einer sehenswerten Parade aus

Der Referee meinte es jedoch gut mit Saudi-Arabien und entschied vor dem Seitenwechsel erneut auf Elfmeter, nachdem Muwallad leicht zu Boden gegangen war. Erneut bestätigten die Videoassistenten die Entscheidung Roldans - nach minutenlangem Studium. Farradsch verwertete in der sechsten Minute der Nachspielzeit sicher.

Siegestor kurz vor Schlusspfiff

Nach der Pause war es die Mannschaft aus dem Nahen Osten, die mehr Spielanteile hatte. Mit Mahmud Ibrahim Hassan, der einen wuchtigen Kopfball knapp rechts am Tor vorbei setzte, fand dennoch ein Ägypter die gefährlichere Chance vor. Die Afrikaner waren in der zweiten Halbzeit über weite Strecken ideenlos. In der 69. Minute hatte Saudi-Arabien in Person von Hussein al-Moghawi per Kopfball eine gute Chance auf den Führungstreffer, er fand aber in Hadari seinen Meister. Den nicht unverdienten Siegestreffer erzielte Dausari kurz vor dem Schlusspfiff.

Spieler von Saudi Arabien jubeln

APA/AFP/Philippe Desmazes

24 Jahre dauerte es, ehe Saudi-Arabien bei einer WM wieder einen Sieg bejubeln durfte

Trainer Pizzi vermied nach dem Match eine klare Aussage zu seiner weiteren Zukunft als Teamchef Saudi-Arabiens. „Der Verband wird entscheiden müssen, was er machen wird. Das hängt nicht von mir ab. Wir werden sehen, was in den nächsten Tagen passiert“, sagte der spanische Coach. Der 50-Jährige trainiert Saudi-Arabien seit dem vergangenen Jahr.

Stimmen zum Spiel:

Juan Antonio Pizzi (Trainer Saudi-Arabien): „Wir haben keine Lücken offenbart, nach dem Gegentor durch Salah haben wir ein wenig die Ordnung verloren. In der zweiten Halbzeit wurde es wieder besser.“

Hector Cuper (Trainer Ägypten): „Salah hat ein großartiges Spiel gemacht, selbst wenn er vielleicht nicht so gespielt hat, wie er es kann. Er braucht Unterstützung von seiner Mannschaft.“

Salem al-Dausari (Torschütze Saudi-Arabien): „Wir haben ein großes Spiel gemacht und damit Geschichte geschrieben. Das war ein ehrenvoller Sieg. Ich war in der Lage, meinen Namen in jener Liste an Spielern zu verewigen, die bei einer Weltmeisterschaft treffen konnten, das macht mich stolz.“

Gruppe A, dritter Spieltag

Montag:

Saudi-Arabien - Ägypten 2:1 (1:1)

Wolgograd Arena, 36.823 Zuschauer, SR Roldan (COL)

Torfolge:
0:1 Salah (22.)
1:1 Farradsch (45.+6/Elfmeter)
2:1 Dausari (95.)

Saudi-Arabien: Mossailem - Buraik, O. Hausawi, M. Hausawi, Schahrani - Bahbir (65./Assiri), Farradsch, Atif, Moghawi, Dausari - Muwallad (79./Schahri)

Ägypten: Hadari - Fathi, Gabr, Hegasi, Abdel Schafi - Neni, Hamid - Salah, Said (52./Warda), Hassan (81./Kahraba) - Mohsen (64./Sobhi)

Anmerkung: Muwallad (41.) vergibt einen Elfmeter

Gelbe Karten: keine bzw. Gabr, Fathi

Die Besten: Farradsch bzw. Salah, Hadari

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