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Ehrenvoller Abschied des Iran

Portugal ist glanzlos ins Achtelfinale der Fußball-WM in Russland eingezogen. Nach einer überaus mäßigen Leistung reichte dem Europameister am Montagabend im letzten Spiel der Gruppe B in Saransk ein 1:1 (1:0) gegen den Iran zwar für den Achtelfinal-Einzug, der Gruppensieg ging allerdings an Spanien nach einem 2:2 (1:1) gegen Marokko.

Vor 41.685 Zuschauern in der Mordovia Arena brachte Besiktas-Star Ricardo Quaresma die Portugiesen per Traumtor in der 45. Minute in Führung, die Karim Ansarifard (90.+3) per Handelfmeter ausglich. Die Portugiesen treffen nun als Gruppenzweite am Samstag (20.00 Uhr, live in ORF eins und im Livestream) auf Uruguay, Ronaldo vergab per Elfmeter die Chance auf sein fünftes WM-Tor.

Karim Ansari Fard (IRN) jubelt mit seinen Mitspielern

APA/AFP/Filippo Monteforte

Jubel beim iranischen Team nach dem Ausgleich, für den notwendigen Sieg sollte es nicht mehr reichen

Dabei schien es im Vorfeld klar: Es würde an Superstar Ronaldo liegen, die letzten Zweifel am Einzug ins Achtelfinale zu beseitigen. Der vierfache WM-Torschütze war das Um und Auf im Spiel des Europameisters im bisherigen Turnierverlauf und auch diesmal besonders angespornt, weil der Engländer Harry Kane mit seinem Dreierpack gegen Panama und nun fünf Treffern in der Torjägerliste an ihm vorbeigezogen war. Umso größer dürfte sein Ärger später gewesen sein.

Dass Ronaldo zu entschärfen der Schlüssel zu einem möglichen Erfolg sein würde, wusste freilich Iran-Teamchef Carlos Queiroz, der bei der WM 2010 in Südafrika noch Portugal trainiert hatte. Zu ungewöhnlichen Mitteln griffen zu diesem Zweck iranische Fans, die in der Nacht vor dem Spiel mit Gesang und Trommeln vor dem Hotel in Saransk die Portugiesen aus dem Bett geholt hatten. Um Ruhe bat Ronaldo höchstpersönlich.

Munterer Beginn der Portugiesen

Auf dem Spielfeld war der Eklat vergessen. Die Portugiesen und auch Ronaldo gaben sich durchaus ausgeschlafen und munter, diktierten das Geschehen. Sie drängten von der ersten Minute an auf das Tor von Iran-Goalie Aliresa Beiranwand, der bald warm geschossen war. Erstmals bei einer Weltmeisterschaft hätte der Iran in die K.-o.-Phase vorstoßen können, der Traum drohte jäh zu platzen.

Ronaldo hatte in der dritten Minute seinen ersten Auftritt, als er im Strafraum mit rechts abzog, aber in Beiranwand seinen Meister fand. Sechs Minuten später zirkelte Joao Mario den Ball nach einem Abwehrfehler über die Latte. Als Beiranwand der Ball nach einer Flanke von Quaresma (13.) durch die Hände rutschte, durfte der Tormann tief durchatmen - gleich noch einmal beim ersten Freistoß aus guter Distanz, den Ronaldo in die Mauer setzte (17.).

Ronaldo mit erster Chance

Der erste Schuss in diesem Spiel ist der erste Torschuss von Ronaldo in diesem Turnier, der nicht ins Tor geht.

Iraner halten aggressiv dagegen

Der Iran hielten mit aggressivem Forechecking dagegen, versuchte mitzuspielen. Die schnellen Gegenstöße wurden zumeist allerdings vor dem Strafraum gestoppt. Knapp mehr als 20 Minuten sollte die Partie alt sein, als sich der portugiesische Tormann Rui Patricio nach einem Freistoß von Ramin Resaeian erstmals streckte - der Ball zischte über das Tor. Kurz darauf schnappte er dem gefährlich im Strafraum aufgetauchten Wahid Amiri den Ball vom Fuß (22.).

Mit Fortdauer des Spiels konnte sich der Iran vom Druck befreien, versuchte das Spiel zu beruhigen. Dass die Portugiesen im gegnerischen Strafraum die letzte Konsequenz vorerst vermissen ließen, war kein Nachteil für den Iran, der nach 34 Minuten seine bis dahin beste Chance vorfand: Ein Kopfball von Saeid Essatolahi vom Elfmeterpunkt nach einem Freistoß von Aliresa Dschahanbachsch war allerdings zu zentral ausgefallen und zur sicheren Beute Patricios geworden.

Führung kurz vor Pausenpfiff

Auf der Gegenseite holte Beirawand einen Distanzschuss Ronaldos noch problemlos aus der Luft (40.). Wenige Minuten später, Schiedsrichter Enrique Caceres (PAR) blickte schon auf die Uhr zum Pausenpfiff, war der iranische Schlussmann nach einer sehenswerten Aktion der Portugiesen doch geschlagen. Nach einem Doppelpass mit Andre Silva und Zuspiel mit der Ferse knallte Quaresma die Kugel mit dem rechten Außenrist unhaltbar für Beiranwand ins rechte Kreuzeck (45.).

Traumtor von Quaresma

Ricardo Quaresma ließ knapp vor der Pause seine Klasse aufblitzen. Er traf sehenswert ins Kreuzeck zur Führung der Portugiesen.

In unveränderter Formation standen die Iraner nach Wiederanpfiff mit dem Rücken zur Wand, sie wussten: Für den Achtelfinal-Aufstieg musste ein Sieg und also zumindest zwei Treffer her. Das Tempo gab weiter Portugal vor. Die vorzeitige Entscheidung vergab in der Folge ausgerechnet der Superstar. Nach einem Foul von Essatolahi an Ronaldo entschied Caceres nach Videoansicht auf Elfmeter. Der Gefoulte trat selbst an, schoss gar nicht schlecht in die rechte untere Ecke. Doch Beiranwand war instinktiv zur Stelle und sicherte den Ball mühelos.

Ronaldo vergibt Elfmeter

Nach dem Einsatz des Videobeweises gibt der Schiedsrichter Elfmeter. Ronaldo tritt an und vergibt.

Die Gunst des Moments nutzten die Iraner zu einer Gegenoffensive, die nicht fruchtete. Mehr als ein Eckball, der keinen Abnehmer fand, schaute dabei nicht raus. Gegenüber baute Ronaldo seinen Frust mit einem Weitschuss ab, der klar am rechten Pfosten vorbeizog (66.). Bei einem weiteren Distanzversuch schoss Adrien Silva (71.) hoch über das Tor. Beim folgenden Gegenstoß hatten die Portugiesen Glück, dass der eingewechselte Saman Ghoddos die linke Ecke um Millimeter verfehlte.

Zittern in den Schlussminuten

Der Iran mobilisierte seine letzten Kräfte, griff verzweifelt an. Sogar Elfmeteralarm gab es nach einem Zweikampf zwischen William Carvalho und Mahdi Taremi im portugiesischen Strafraum (75.). Der Videobeweis gab den heftig protestierenden Iranern letztlich nicht recht. Nach erneutem Videobeweis kurz darauf war Ronaldo gut bedient, als er nach einer Tätlichkeit nur die Gelbe Karte sah.

Sein Ellbogencheck gegen den Hals von Mortesa Pouraligandschi wäre Rot wert gewesen. Gegebenenfalls hätte Ronaldo nur mehr von der Bank aus gesehen, wie es Karim Ansarifard besser machte, als er und mit einem sehenswerten Elfer ins rechte Kreuzeck zum Ausgleich in der 93. Minute traf. Unmittelbar darauf vergab Taremi sogar noch den Matchball für den Iran, der sich erhobenen Hauptes aus Russland verabschiedete.

Später Elfer bringt Ausgleich

Nach einem Handspiel von Cedric Soares nützte Karim Ansarifard den folgenden Elfmeter zum Ausgleich für den Iran.

Stimmen zum Spiel:

Carlos Queiroz (Iran-Trainer): „Das war ein Fußballspiel, das der WM Prestige gebracht hat. Es war ein sehr hartes Match, von Minute zu Minute und von Duell zu Duell. Wir haben gegen eines der besten Teams der Welt gespielt. Gäbe es Gerechtigkeit im Fußball, wäre der Iran zweifelsohne mit seiner Disziplin, der Einstellung und der Art und Weise, wie wir das Spiel kontrolliert haben, als Sieger aus der Partie gegangen.“

Aliresa Dschahanbachsch (Iran-Offensivspieler): „Das ist eine Riesenenttäuschung für uns. Wir haben einige Chancen herausgespielt, aber unglücklicherweise nicht getroffen. Wir hatten eine Riesenchance am Ende des Spiels, hätten treffen und gewinnen können. Jeder hat gesehen, dass wir unser Bestes gegeben haben.“

Fernando Santos (Portugal-Trainer): „Wichtig ist, dass wir uns jetzt gut auf den Achtelfinal-Gegner einstellen und uns mental und physisch gut darauf vorbereiten. Uruguay hat eine hohe Qualität und Topspieler. Sie sind exzellent, aber Portugal auch. Wir haben unsere Waffen und werden versuchen, das Spiel zu gewinnen.“

Ricardo Quaresma (Portugal-Torschütze): „Ich glaube, wir haben das sehr gut gemacht. Wir haben unser Ziel erreicht. Wir wissen um die Schwierigkeiten, die auf uns gegen Uruguay warten. Sie haben eine große Mannschaft mit sehr großen Spielern, aber das Wichtigste ist für uns jetzt einmal, zu regenerieren.“

Gruppe B, dritter Spieltag

Montag:

Iran - Portugal 1:1 (0:1)

Saransk, Mordowia Arena, SR Caceres (PAR)

Torfolge:
0:1 Quaresma (45.)
1:1 Ansarifard (93./Handelfmeter)

Iran: Beiranvand - Rezaeian, Pouraliganji, Hosseini, Hajsafi (56./Mohammadi) - Taremi, Ebrahimi, Ezatolahi (76./Ansarifard), Amiri - Jahanbakhsh (70./Ghoddos), Azmoun

Portugal: Rui Patricio - Cedric Soares, Pepe, J. Fonte, Guerreiro - William Carvalho, Adrien Silva, Joao Mario (84./Joao Moutinho) - Quaresma (70./Bernardo Silva), Cristiano Ronaldo, A. Silva (96./Guedes)

Gelbe Karten: Hajsafi, Azmoun bzw. Guerreiro, Quaresma, Ronaldo, Cedric Soares

Die Besten: Beiranvand bzw. Quaresma, William Carvalho

Anm.: Ronaldo scheiterte mit einem Foulelfer an Beiranvand (52.)

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