Themenüberblick

Südkorea schickt den Weltmeister heim

Der letzte Spieltag in Gruppe F hat für Deutschland eine historische Schmach gebracht. Der regierende Weltmeister musste sich am Mittwoch in Kasan Südkorea mit 0:2 (0:0) geschlagen geben und schied damit erstmals in der Geschichte bereits in der Vorrunde aus. Statt mit einem Sieg ins Achtelfinale einzuziehen, rutschte das Team von Joachim Löw durch die Pleite gegen die Asiaten sogar auf den letzten Gruppenplatz zurück.

Deutschland zeigte über weite Strecken eine blutleere Leistung gegen Südkorea und wurde in der Nachspielzeit dafür bestraft. Kim Young Gwon (93.) und Son Heung Min (96.) sorgten im dritten WM-Duell gegen Deutschland für den ersten Sieg der Asiaten. Vier Jahre nach dem Triumph in Brasilien ist die WM für Deutschland vorzeitig zu Ende. Damit setzte Deutschland auch eine Serie fort. Mit Italien (2010) und Spanien (2014) scheiterten die jüngsten beiden Titelverteidiger jeweils bei der nächsten Weltmeisterschaft.

Son besiegelt Deutschlands Aus

Deutschland wirft noch einmal alles nach vorne, auch Manuel Neuer spielt in der gegnerischen Hälfte. Südkorea erobert den Ball, und Son Heung Min muss nur noch ins leere Tor zum 2:0-Endstand einschieben (96.).

Fünf Änderungen bei Deutschland und Südkorea

DFB-Coach Löw nahm überraschende und notgedrungene Umstellungen vor. Überraschend war, dass Leon Goretzka statt Thomas Müller sein WM-Debüt gab. Niklas Süle ersetzte in der Innenverteidigung den gesperrten Jerome Boateng. Der zuletzt rekonvaleszente Mats Hummels kehrte ebenso in die Startelf zurück wie Mesut Özil und Sami Khedira, die gegen Schweden eine Pause erhalten hatten. Bei Südkorea kamen ebenfalls fünf Neue in die Anfangsformation, auf Kosten des Salzburgers Hwang Hee Chan.

Deutschlands Ausgangslage war klar: Gewinnt der Weltmeister mit zwei Toren Unterschied, ist der Aufstieg ins Achtelfinale fix. Auch Südkorea hatte theoretische Chancen, brauchte für einen Aufstieg aber auch einen Sieg mit zwei Toren Differenz und Schützenhilfe von Mexiko. Mit offenem Visier begegneten sich beide Teams zu Beginn nicht. Deutschland wollte mit Ballbesitz das Spiel einmal unter Kontrolle zu bringen. Die Asiaten hielten mit viel Laufarbeit und Aggressivität dagegen. Gefährlich wurden beide Teams vorerst nicht.

Außenseiter kratzt an der Führung

Bis zur ersten Großchance dauerte es bis zur 19. Minute. Da wurde es aber im deutschen Strafraum so richtig brenzlig. Jung Woo Young brachte einen Freistoß aus 27 Metern eigentlich zu zentral auf das Tor. DFB-Goalie Manuel Neuer konnte den Ball nicht kontrollieren. Son Heung Min ging auf den Abpraller, doch mit letztem Risiko und in höchster Not faustete Neuer den Ball gerade noch vor Südkoreas Kapitän weg. Nur fünf Minuten später war es neuerlich Son, dessen Schuss aus aussichtsreicher Position allerdings vorbeiging.

Manuel Neuer (GER) und Son Heung-min (KOR)

Reuters/Dylan Martinez

Deutschland-Goalie Manuel Neuer konnte seinen Fehler gerade noch ausbessern

Deutschland lieferte indes eine enttäuschende Vorstellung ab. Leichte Ballverluste, ungenaue Pässe und wenig Kreativität im Aufbau prägten das Spiel des ohne Selbstvertrauen agierenden Weltmeisters. Bis auf geblockte Schüsse von Marco Reus (33.), Timo Werner (39.) und Özil (45.+2) sowie ein Getümmel im Strafraum, in dem Hummels nicht richtig zum Abschluss kam (40.), gab es keine nennenswerten Chancen. Die Südkoreaner hatten bis zur Pause kaum Probleme, die deutsche Offensive in Schach zu halten.

Parallelspiel erhöht Druck auf Deutschland

Löw sah sich nicht genötigt, einen Wechsel vorzunehmen. Nach einem Ballverlust des schwachen Özil ging ein Schuss von Jun Woo Young in die Arme von Neuer (46.). Unmittelbar darauf verzeichnete Deutschland seine mit Abstand beste Chance in dieser Partie. Nach Flanke von Joshua Kimmich kam Goretzka aus fünf Metern völlig frei zum Kopfball. Doch Südkorea-Goalie Joo Hyeon Woo verhinderte mit einer starken Reaktion auf der Linie den Rückstand (48.).

Goretzka mit der Topchance

Ähnlich wie gegen die Schweden haben die Deutschen zu Beginn der zweiten Halbzeit die Riesenmöglichkeit auf die Führung. Leon Goretzka bringt den Kopfball aber nicht im Tor unter (48.).

Im Parallelspiel in Jekaterinenburg ging Schweden gegen Mexiko in Führung. Nun brauchten die Deutschen unbedingt einen Sieg, um nicht auszuscheiden. Werner setzte einen Volleyschuss neben das Tor (51.). Der Weltmeister musste angesichts der prekären Lage deutlich den Druck erhöhen, was allerdings nicht gelang. Löw reagierte und brachte mit Mario Gomez statt des unauffälligen Khedira einen Offensivspieler (58.). Auch Müller wurde vor Goretzka eingewechselt (63.). Bei Südkorea war kurz zuvor Hwang ins Spiel gekommen.

Deutschland braucht einen Treffer

Im Parallelspiel erzielte Schweden einen weiteren Treffer und nahm Kurs auf das Achtelfinale. Ein Ziel, von dem Deutschland weiter ein Tor entfernt blieb. Die Führung hatte aber einmal mehr Südkorea auf dem Fuß. Statt eines Torschusses übertrieb es Moon Seon Min im Strafraum aber mit seinem Dribbling, Hummels konnte die Situation klären (66.). Auf der Gegenseite köpfelte Gomez direkt in die Arme von Joo (68.) und verpasste deinen Stanglpass von Kimmich (71.).

Die Lage für Deutschland spitzte sich immer mehr zu. Das Scheitern des Weltmeisters in der Gruppenphase lag in der Luft. Die Deutschen standen zwar nun höher, die Mittel, mit denen das Löw-Team versuchte, das Match zu gewinnen, waren aber weiter unbrauchbar. Südkorea hatte Raum für Konter. Einmal kam Neuer aus seinem Tor geeilt (76.), einmal spielten die Koreaner einfach schlecht, und Süle konnte klären (80.). Davor hatte Son das Tor knapp verfehlt (78.).

Hummels vergibt die Führung

Es ging in die letzten zehn Minuten, in denen auch wieder Julian Brandt zum Einsatz kam. Löw versuchte an der Seitenlinie, letzte Anweisungen zu geben, wie das Spiel doch noch gewonnen werden könnte. Die Südkoreaner machten hinten längst dicht. Ihre Chancen auf das Achtelfinale waren längst dahin, nun sollte mit dem Remis gegen Deutschland ein Achtungserfolg her. Schüsse von Reus (83.) und Kroos (85.) gingen über das Tor. Die Uhr tickte unerbittlich für den Weltmeister in Richtung 90 Minuten.

In der 87. Minute hatte Hummels den Führungstreffer vor Augen. Nach einer Flanke von Özil ging sein Kopfball aber neben das Tor. Die deutsche Bank konnte es nicht fassen und sprang im Kollektiv auf. Danach parierte Joo einen Schuss von Kroos (88.).

Hummels hat die Führung vor Augen

Der sonst so kopfballstarke Mats Hummels hat die Möglichkeit, ungehindert einzuköpfeln, trifft den Ball aber nur mit der Schulter (87.).

Deutscher Super-GAU in der Verlängerung

Die Nachspielzeit brach an, Deutschland bekam sechs zusätzliche Minuten, die für den Weltmeister den Super-GAU parat hatten. Kim schoss ein und jubelte schon über den Treffer. Zunächst wurde aber Abseits gegeben. Die Überprüfung ergab, dass der Ball allerdings von Kroos zum Südkoreaner gekommen war. Das 1:0 zählte (93.). Die Deutschen brauchten nun zwei Treffer.

Kim trifft zur Führung

Zu Beginn der Nachspielzeit trifft Kim Young Gwon zum 1:0 für Südkorea und bringt Deutschland damit in die Bredouille (93.).

Goalie Neuer betätigte sich als zusätzlicher Feldspieler und verlor in der Hälfte der Südkoreaner den Ball an Ju Se Jong. Es folgte ein weiter Pass. Son startete aus der eigenen Hälfte und musste nur noch einschieben (96.). Schiedsrichter Mark Geiger beendete die Partie. Die deutschen Fans fielen in ein Tal der Tränen und konnten das Scheitern nicht fassen. Die Spieler saßen auf dem Rasen oder schüttelten die Köpfe. Die Südkoreaner feierten hingegen ihren historischen Sieg überschwänglich.

Fußball-WM, Gruppe F

Mittwoch:

Südkorea - Deutschland 2:0 (0:0)

Kasan Arena, 41.830 Zuschauer, SR Geiger (USA)

Torfolge:
1:0 Kim (93.)
2:0 Son (96.)

Südkorea: Joo - Lee Y., Yun, Kim Y. G., Jang, Hong - Lee J. S., Jung, Jang, Moon (69./Ju) – Koo (56./Hwang, 79./Ko), Son

Deutschland: Neuer - Kimmich, Süle, Hummels, Hector (78./Brandt) – Khedira (58./Gomez) – Goretzka (63./Müller), Kroos - Özil, Werner, Reus

Gelbe Karten: Jung, Lee, Moon, Son bzw. keine

Die besten Spieler: Joo, Son bzw. Süle

Links: