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Fair-Play-Wertung gibt den Aussschlag

Japan ist am Donnerstag bei der Fußball-WM in Russland trotz einer 0:1-Niederlage in Wolgograd gegen Polen ins Achtelfinale aufgestiegen. Sie profitierten vom Sieg Kolumbiens gegen Senegal im Parallelspiel (1:0). Die Japaner waren bei Punkten und Toren mit den Afrikanern gleichauf, hatten aber zwei Gelbe Karten weniger auf ihrem Konto und holten damit dank der Fair-Play-Wertung, die erstmals bei einer WM herangezogen werden musste, Rang zwei in Gruppe H.

Japan trifft am Montag (16.00 Uhr) in Rostow am Don auf Belgien. Gruppensieger Kolumbien bekommt es am Dienstag (20.00 Uhr, jeweils live in ORF eins und im Livestream) im Moskauer Spartak-Stadion mit England zu tun. Das Match gegen Polen war arm an Höhepunkten. 36 Grad Celsius in der Wolgograd Arena machten den Spielern zu schaffen. Den Siegestreffer erzielte Jan Bednarek (59.) aus einem Freistoß. Die Schlussphase erinnerte an die „Schande von Gijon“.

Spieler der japanischen Nationalmannschaft

AP/Andrew Medichini

Japan jubelte trotz der Niederlage gegen Polen über den Aufstieg ins Achtelfinale

Japan begann erstmals bei der WM ohne seinen Star Shinji Kagawa und auch ohne Kapitän Makoto Hasebe. Insgesamt nahm Coach Akira Nishino sechs Änderungen in der Startaufstellung vor. Bei den Polen, die ohne Aufstiegschance waren, stellte Teamchef Adam Nawalka auf fünf Positionen um.

Japan nach zwölf Minuten erstmals gefährlich

Die erste gefährliche Aktion in der Partie kam von Japan. Yoshinori Muto fing einen Fehlpass von Bednarek am gegnerischen Strafraum ab, lief an der Linie auf die linke Seite und legte zum nach vorne laufenden Yuto Nagatomo ab, der in die Mitte flankte. Shinji Okazakis Kopfball ging links am Tor vorbei (12.). Nur eine Minute später prüfte Muto Polens Tormann mit einem Weitschuss.

Auf der Gegenseite wurde ein Schuss von Robert Lewandowski geblockt (15.), ehe Fabiansiki bei einem Distanzschuss von Gotoku Sakai erneut eingreifen musste (16.). Nach einem Eckball der Polen wurde auch Japans Eiji Kawashima erstmals gefordert (21.). Der Goalie bekam Kamil Gliks Kopfball aufs kurze Eck erst hinter der Linie zu fassen. Da sich Glik bei einem Verteidiger abgestützt hatte, gab es aber Freistoß für Japan.

Beste Chance Polens durch Grosicki

Nach etwas mehr als einer halben Stunde hatten die Polen ihre bis dahin beste Chance. Nach einer Flanke von rechts setzte Kamil Grosicki einen Kopfball vom Elfmeterpunkt ins linke Eck. Kawashima musste sich ordentlich strecken, konnte den Ball aber noch auf der Linie mit einer Hand abwehren (32.). Lewandowski stürmte zum Nachschuss, doch die Japaner klärten vorher zur Ecke. Auf der Gegenseite konnte Fabianski den Ball nach einem Schuss von Takashi Usami im Nachfassen unter Kontrolle bringen (35.).

Der japanische Teamtormann Eiji Kawashima greift nach dem Ball

AP/Themba Hadebe

Den Kopfball von Grosicki konnte Kawashima auf der Linie abwehren

Damit ging eine ereignisarme erste Spielhälfte zu Ende. In den letzten fünf Minuten vor dem Pausenpfiff wollten weder Japan noch Polen Akzente setzen und schoben den Ball im Mittelfeld nur noch hin und her. Dafür wurden sie vom Publikum in der mit 42.189 Zuschauern gefüllten Wolgograd Arena mit Pfiffen bedacht.

Polen führt nach Freistoß

Auch in der zweiten Spielhälfte begannen beide Mannschaften verhalten. Halbchancen gab es bei einem schnellen Konter der Polen (54.) und bei einem Fallrückzieher ins Außennetz der Japaner nach einem Eckball (58.). Das Tor fiel aus einem Freistoß: Rafal Kurzawa flankte in den Strafraum, und Bednarek schloss volley ins kurze Eck ab (59.).

Tor von Jan Bednarek (Polen) gegen Japan

AP/Themba Hadebe

Nach Bednareks Tor mussten die Japaner ihre Offensivbemühungen erhöhen

Die Partie nahm für kurze Zeit etwas an Fahrt auf, denn Japan brauchte zumindest einen Punkt zum fixen Aufstieg ins Achtelfinale. Die Mannschaft von Teamchef Nishino erhöhte daher seine Offensivbemühungen, blieb aber immer wieder hängen. Dadurch öffneten sich Räume für Polen. Einen Konter von Kamil Grosicki schloss Lewandowski nach Querpass im Fallen ab, der Ball ging aber über das Tor (74.). Danach konnte Kawashima nach einem Grosicki-Stanglpass ein Eigentor von Tomoaki Makino verhindern (81.).

Schlussphase erinnert an Gijon

In der Schlussphase spielten die Japaner auf Zeit. Da Kolumbien seit dem Tor von Yerry Mina in der 74. Minute im Parallelspiel gegen Senegal führte, reichte dem sechsfachen Asienmeister auch das 0:1 zum Aufstieg. Bei einem weiteren Treffer Polens hätten sie allerdings die Heimreise aus Russland antreten müssen. Auch Polen zeigte sich mit dem Spielstand zufrieden und verzichtete auf ernsthafte Angriffe.

Das Ganze erinnerte an 1982, als sich Österreich und Deutschland im Match um den Aufstieg eine Spielhälfte lang auf einen Nichtangriffspakt geeinigt hatten, da beiden Mannschaften auf Kosten Algeriens das 0:1 reichte. Nach der „Schande von Gijon“ wurden die Parallelspiele eingeführt. Nach Schlusspfiff in Wolgograd folgte der bange Blick nach Samara. Als auch dort das Match zu Ende ging, erfolgte der kollektive Jubel Japans.

Stimmen zum Spiel:

Akira Nishino (Japan-Trainer): „Wir haben sehr aggressiv gespielt in den ersten beiden Spielen. Das ist uns heute nicht so gelungen. Wir haben uns das Achtelfinale verdient.“

Adam Nawalka (Polen-Trainer): „Es war ein schwieriges Spiel für meine Mannschaft nach den beiden Niederlagen zum Auftakt. Wir wussten, dass es nicht einfach werden würde. Es war ein versöhnlicher Abschluss, auch wenn wir uns ein anderes Abschneiden gewünscht hätten. Wir schauen jetzt nach vorne.“

Fußball-WM, dritter Spieltag Gruppe H

Donnerstag:

Japan - Polen 0:1 (0:0)

Wolgograd, 42.189 Zuschauer, SR Sikazwe (ZAM)

Tor: Bednarek (59.)

Japan: Kawashima - H. Sakai, Yoshida, Makino, Nagatomo - Yamaguchi, Shibasaki - G. Sakai, Okazaki (47./Osako), Usami (65./Inui) - Muto (82./Hasebe)

Polen: Fabianski - Bereszynski, Glik, Bednarek - Kurzawa (80./Peszko), Krychowiak, Goralski, Jedrzejczyk - Zielinski (79./Teodorczyk), Lewandowski, Grosicki

Gelbe Karten: Makino bzw. keine

Die Besten: Usami bzw. Grosicki

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