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Die „Sbornaja“ steht im Viertelfinale

Russland hat am Sonntag überraschend den Einzug ins Viertelfinale geschafft und seinen Erfolgslauf bei der Heim-WM fortgesetzt. Der Gastgeber setzte sich im Achtelfinale in Moskau gegen Spanien im Elferschießen mit 4:3 durch. Nach 120 Minuten war es im Luschniki-Stadion 1:1 gestanden. Im Kampf um den Einzug ins Semifinale trifft die „Sbornaja“ nun auf Kroatien.

Die Spanier waren durch ein Eigentor von Sergej Ignasewitsch früh in Führung gegangen (12.). Noch vor der Pause sorgte jedoch Artjom Dsjuba mit einem verwandelten Elfmeter für den Ausgleich (41.). Russland lieferte danach eine Abwehrschlacht gegen dominierende Spanier und rettete sich in der Verlängerung ins Elferschießen. Dort avancierte Igor Akinfejew zum Helden. Der russische Kapitän hielt die Penaltys von Koke und Iago Aspas und sorgte für riesigen Jubel.

Das entscheidende Elfmeterschießen

Russland steht im Viertelfinale der Weltmeisterschaft. Nach 120 Minuten ging es mit 1:1 ins Elfmeterschießen, das der Gastgeber mit 4:3 für sich entschied.

Während Russland weiter von der Sensation im eigenen Land träumen darf, endete die Weltmeisterschaft für Spanien wie schon vor vier Jahren beim Aus in der Gruppenphase mit einer herben Enttäuschung. Dem Titelträger von 2010, der in der Passstatistik mit 1.140:285 voranlag und mehr als 70 Prozent Ballbesitz hatte, aber wenige Chancen kreieren konnte, gelang damit auch im fünften Versuch kein Sieg gegen einen WM-Gastgeber.

Enttäuschung bei Spanien

AP/Antonio Calanni

Die spanischen Teamspieler waren nach dem Scheitern am Boden zerstört

Spanien von Beginn an dominierend

Spanien-Coach Fernando Hierro zog aus dem Last-Minute-Remis im letzten Gruppenspiel gegen Marokko die Konsequenzen. Andres Iniesta und Thiago Alcantara waren nur Ersatz. Im defensiven Mittelfeld kamen Sergio Busquets und Koke zum Zug. Offensiv sollte hinter Solospitze Diego Costa das Trio Isco, Marco Asensio und David Silva für Druck sorgen. Russland-Trainer Stanislaw Tschertschessow setzte auf Defensive und ließ Denis Tscheryschew auf der Bank.

Die Mehrzahl der 78.000 Fans im Luschniki-Stadion stand natürlich im Lager des Gastgebers, der von Beginn an mit viel Ballbesitz der Spanier konfrontiert war. Die Taktik wurde dabei schnell ersichtlich. Nach Balleroberungen sollten Konter gegen die im Umschaltspiel anfälligen Spanier gefahren werden. War das einmal der Fall, ging der Lärmpegel der russischen Fans sprunghaft nach oben.

Kurioses Führungstor für Spanien

Nach nur zwölf Minuten hörte man dann aber nur die Anhänger der „Furia Roja“, die durch einen kuriosen Treffer in Führung gingen. Nach einem Foul von Juri Schirkow an Nacho gab es Freistoß von der rechten Seite. Asensio gab den Ball zur Mitte. Ignaschewitsch und Sergio Ramos lieferten sich einen Zweikampf, in dem beide zu Boden gingen. Im Fallen prallte dem Russen der Ball an die Wade und ging von dort am verdutzten Igor Akinfejew vorbei ins Tor.

Ignaschewitsch-Eigentor zum 1:0 (12. Minute)

Sergej Ignaschewitsch konzentriert sich bei einem Asensio-Freistoß zu sehr auf Sergio Ramos - der Ball segelt auf seine Wade und von dort ins eigene Tor.

Damit war die Taktik der Russen schnell obsolet geworden. Sie mussten nun eigentlich mehr für das Spiel tun, nur mit der Umstellung klappte es nicht so recht. Spanien ließ den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren. Mit Flanken und aus Standardsituationen versuchte die „Sbornaja“ Gefahr zu erzeugen. Es blieb aber beim Versuch, weil die Spanier bei hohen Bällen sehr sicher agierten.

Spanien passt herum, Russland gleicht aus

Spanien nahm vor den Augen von König Felipe VI. das Tempo aus der Partie und hatte es im Spielaufbau nicht gerade eilig. Die Russen standen ein wenig höher, liefen aber meistens nur hinterher. Nach einer halben Stunde hatte Spanien 74 Prozent Ballbesitz. Kein Wunder, wenn der Risikopass keine Option war. Tschertschessow forderte mehr Aktivität gegen den Ball, und die Spieler gehorchten.

Zunächst ging ein Schlenzer von Jungstar Alexander Golowin am langen Eck vorbei (36.). Koke klärte mit dem Knie zu einem folgenschweren Corner. Dsjuba köpfelte Gerard Pique den Ball an die Hand, die in dieser Höhe nichts verloren hat. Schiedsrichter Björn Kuipers zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Dsjuba trat an, ohne Nerven zu zeigen, und verwandelte den Penalty ganz sicher ins rechte Eck zum Ausgleich (41.) und jubelte über seinen dritten WM-Treffer.

Dsjuba per Elfer zum Ausgleich (41. Minute)

Ein Kopfball von Artjom Dsjuba wird im Strafraum von Gerard Piques Hand geblockt. Dsjuba tritt zum Elfmeter an und verwandelt zum 1:1.

Spanien findet die Lücke nicht

Bereits nach dem Ausgleich hatte Spanien wieder den Vorwärtsgang eingelegt und kam durch Costa zu einer guten Chance (45.+1). Auch nach dem Seitenwechsel verliehen die Spanier ihrem Offensivspiel mehr Nachdruck. Eine Asensio-Flanke brachte Jordia Alba aber nur mit dem Oberschenkel auf das gegnerische Tor (47.). Ein Kopfball von Costa ging drüber (51.). Die Russen hatten in der Defensive alle Hände voll zu tun, hielten aber im Verbund tapfer dagegen.

Entlastungsangriffe des Gastgebers fanden so gut wie nicht statt. Tschertschessow wollte etwas mehr und brachte nun den dreifachen Turniertorschützen Tscheryschew für Alexander Samedow (61.). Das hohe Laufpensum der Russen forderte ihren Tribut. Dsjuba konnte nicht mehr und wurde durch Fjodor Smolow ersetzt (65.). Nachdem bereits zur Pause Wladimir Granat für Schirkow gekommen war, war das Wechselkontingent in der regulären Spielzeit schon erschöpft.

Spielszene zwischen Russland und Spanien

AP/Vincent Michel

Die Russen machten den spanischen Kreativspielern wie Isco das Leben schwer

Geduldsspiel geht in die Verlängerung

Auch für den unauffälligen Silva war das Spiel zu Ende. Für den ManCity-Legionär kam Iniesta (67.), der dem Offensivspiel mehr Kreativität verleihen sollte. Das Publikum bejubelte jeden Ansatz eines russischen Angriffs - mit Betonung auf Ansatz. In Ballbesitz war nur noch Spanien, der Output an Chancen war mager. Der Zug zum Tor fehlte, denn die Gefahr in einen Konter zu laufen, war präsent.

Zehn Minuten vor dem Ende war dann auch für Costa, der kaum brauchbare Bälle bekam, Schluss. Der dreifache Torschütze wurde durch Iago Aspas von Celta de Vigo ersetzt. Und beinahe wäre auch ein Tor durch eine „Joker-Produktion“ gefallen. Aspas legte mit der Brust zurück auf Iniesta. Den platzierten Schuss konnte Russland-Goalie Akinfejew mit einer Parade ebenso entschärfen wie den Aspas-Nachschuss (86.). Da auch eine spanische Eckballserie und ein Schuss von Smolov (93.) nichts einbrachte, ging es in die Overtime.

Spielszene zwischen Russland und Spanien

Reuters/Kai Pfaffenbach

Die russische Verteidigung um Sergej Ignaschewitsch wehrte sich mit allen Mitteln

Russland rettet sich ins Elferschießen

In den zusätzlichen 30 Minuten wurde auch die Kraft zum Faktor, schließlich mussten die Russen viel mehr laufen. Die Russen war stehend k. o., hielten aber den Laden dicht. Tschertschessow nahm den erlaubten vierten Wechsel in Anspruch. Alexander Jerochin kam für Daler Kusjajew. An der Charakteristik des Spiels änderte sich nichts. Ein Schuss von Asensio (100.) landete ebenso sicher bei Goalie Akinfejew wie ein Pique-Kopfball (105.).

Hierro brachte mit Rodrigo Moreno statt Asensio eine frische Offensivkraft. Der Valencia-Stürmer hatte in der 109. Minute eine Chance. Nach einem Vorstoß in den Strafraum scheiterte er an Akinfejew, den Nachschuss blockte Ilja Kutepow. Nach einer Ecke wollten die Spanier Elfmeter, der Videoreferee lehnte ab, obwohl Ramos und Pique gehalten worden waren (113.). Die russische Ersatzbank forderte Unterstützung von den Rängen, der zwölfte Mann sollte die „Sbornaja“ ins Elferschießen retten.

Goalie Akinfejew wird zum Helden

Und so kam es bei strömendem Regen dann auch. Die Entscheidung musste vom Punkt fallen. Iniesta und Pique trafen für die Spanier, Smolow und Ignasewitsch für Russland. Danach scheiterte Koke an Akinfejew und brachte die Spanier in die Bredouille. Ramos, Golowin und Tscheryschew verwandelten ihre Elfmeter. Der ganze Druck lag nun bei Aspas, der treffen musste. Doch Akinfejew wehrte den zu zentralen Schuss mit der Zehenspitze ab. Damit stand für Russlands Nationalteam der erstmalige Einzug in ein WM-Viertelfinale seit 48 Jahren (damals noch als Sowjetunion) fest.

Fußball-WM, Achtelfinale

Sonntag:

Spanien - Russland 3:4 i. E, 1:1 n. V.

Moskau, Luschniki-Stadion, 78.011 Zuschauer, SR Kuipers (NED)

Torfolge:
1:0 Ignaschewitsch (12./Eigentor)
1:1 Dsjuba (41./Elfmeter)

Elfmeterschießen:

1:0 - Iniesta trifft
1:1 - Smolow trifft
2:1 - Pique trifft
2:2 - Ignaschewitsch trifft
2:2 - Koke scheitert an Akinfejew
2:3 - Golowin trifft
3:3 - Ramos trifft
3:4 - Tscheryschew trifft
3:4 - Aspas scheitert an Akinfejew

Spanien: De Gea - Nacho (70./Carvajal), Pique, Ramos, Alba - Koke, Busquets - Silva (67./Iniesta), Isco, Asensio (104./Rodrigo) - Diego Costa (80./Aspas)

Russland: Akinfejew - Fernandes, Kutepow, Ignaschewitsch, Kudriaschow, Schirkow (46./Granat) - Samedow (61./Tscheryschew), Kusjajew (97./Jerochin), Sobnin, Golowin - Dsjuba (65./Smolow)

Gelbe Karten: Pique bzw. Kutepow, Sobnin

Die Besten: Isco, Asensio, Iniesta bzw. Kutepow, Kudriaschow, Akinfejew

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