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„Three Lions“ stehen im Viertelfinale

England hat am Dienstag das Viertelfinale bei der WM in Russland komplettiert. Die „Three Lions“ setzten sich im Spartak-Stadion in Moskau gegen Kolumbien nach einem 1:1 nach Verlängerung im Elferschießen mit 4:3 durch und entschieden damit erstmals seit zwölf Jahren wieder einmal ein K.-o.-Spiel für sich. In der nächsten Runde spielen die Engländer nun am Samstag in Samara gegen Schweden um den Einzug ins Halbfinale.

In einem nicht hochklassigen, aber emotional geführten und am Ende dramatischen Achtelfinale brachte Harry Kane England mit einem Elfmeter (57.) und seinem insgesamt sechsten Treffer bei dieser WM in Führung. Kolumbien rettete sich dank eines späten Kopfballtores von Yerry Mina (93.) in die Verlängerung.

Im Elferschießen lagen die Engländer schon zurück, ehe sich das Blatt noch wendete und Eric Dier den entscheidenden Versuch versenkte. Damit beendeten die „Three Lions“ auch ihr Trauma und gewannen das erste Elferschießen seit dem EM-Viertelfinale 1996 gegen Spanien. Zuletzt hatten die Engländer fünfmal in Serie und insgesamt sechs von sieben Entscheidungen vom Punkt verloren.

England bricht den Elfmeterfluch

Nach einem 1:1 nach 120 Minuten setzte sich England gegen Kolumbien erstmals in einem WM-Elferschießen durch und steht im Viertelfinale.

Kolumbien ohne Superstar Rodriguez

Kolumbien ging mit einer erheblichen personellen Schwächung in die Partie. Spielmacher James Rodriguez, der gegen Senegal einen Bluterguss in der Wade erlitten hatte, wurde nicht rechtzeitig fit und saß nicht einmal auf der Bank. Coach Jose Pekerman stellte deshalb im Mittelfeld um. Im Zentrum spielte Wilmar Barrios und Jefferson Lerma auf dem linken Flügel. Bei England kehrte Delli Alli, der die letzten zwei Spiele verletzt verpasst hatte, zurück in die Startelf.

Kolumbiens James Rodriguez auf der Tribüne

APA/AFP/Yuri Cortez

Für James Rodriguez, dem Torschützenkönig der WM 2014, blieb im Viertelfinale nur die Zuschauerrolle

Ansonsten brachte Teamchef Gareth Southgate acht weitere zuletzt gegen Belgien geschonte Spieler wieder in die Anfangsformation, darunter natürlich auch Torjäger Kane. Wirklich zum Zug kam der Kapitän vorerst nicht, der Beginn diente der Orientierung. Nach knapp fünf Minuten erhöhte England aber schon etwas den Druck und holte mehrere Standardsituationen raus. Die Kolumbianer setzten ihrerseits bei Balleroberung auf schnelle Gegenstöße.

England sucht die kolumbianische Lücke

Die erste Chance war dann Kane vorbehalten. Nach einer Flanke von Kieran Trippier landete der schwierige Kopfball des Starstürmers auf dem Tor (16.). Ansonsten hatte Kane wenig Raum für Aktionen und ließ sich immer wieder zurückfallen. Kolumbien beschränkte sich ohne Rodriguez auf die Defensivarbeit, die sie sehr konzentriert verrichteten. Erst nach knapp 20 Minuten kamen die Südamerikaner mehr in Ballbesitz, konnten daraus aber kein Kapital schlagen.

Ein Kopfball von Harry Kane (England) geht über das Tor

Reuters/Carl Recine

Harry Kane konnte seinem Kopfball nicht ganz die richtige Richtung geben

Die „Thress Lions“ hatten einen durchaus gepflegten Spielaufbau und spielten sich immer wieder in die gegnerische Hälfte, im letzten Drittel war dann aber meistens Endstation. Kane holte einen Freistoß an der Strafraumgrenze raus. Die Ausführung dauerte drei Minuten, denn in der Mauer kam es zu Tumulten. Barrios sah wegen einer Unsportlichkeit an Jordan Henderson Gelb. Der Versuch von Trippier ging vorbei (42.). In der hitzigen Schlussphase der ersten Hälfte gab Juan Quintero Kolumbiens ersten Schuss auf Englands Tor ab (45.+2).

Kane trifft per Elfmeter

Nach der Pause wurde Fußball zum Abgewöhnen gezeigt. Beide Teams hatten wenig Bewegung und agierten ohne Mut zum Risiko. Aufregung gab es nur bei englischen Standardsituationen, bei denen es immer wieder zu Rangeleien im Strafraum kam. Bei einer dieser „Wrestling-Einlagen“ riss Carlos Sanchez Kane nieder. Schiedsrichter Mark Geiger gab Elfmeter, bis zur Ausführung dauerte es aufgrund von Diskussionen mehrere Minuten. Kane blieb aber cool und verwandelte den Strafstoß halbhoch in die Mitte (57.).

Kane trifft per Elfer für England

Carlos Sanchez nimmt Harry Kane in die Mangel. Schiedsrichter Mark Geiger gibt Elfer. Der Gefoulte selbst tritt an und verwandelt zum 1:0 für England.

Nun musste Kolumbien zeigen, dass es auch ohne Rodriguez offensiv werden kann. Pekerman brachte mit Carlos Bacca für Lerma einen zweiten Stürmer. Kolumbien war aber weiter mehr mit Diskussionen mit dem Referee beschäftigt, als mit dem Kreieren von Torchancen. Von der 52. bis zur 64. Minute sahen gleich vier Südamerikaner die Gelbe Karte. Für England setzte Alli einen Kopfball über das Tor (63.).

Schock für England in der Nachspielzeit

Es brachen die letzten 20 Minuten an, in denen Kolumbien bisher drei Tore erzielen konnte. Von einem dringend benötigten vierten waren „Los Cafeteros“ vorerst meilenweit entfernt. Die englische Abwehr wurde nicht in Verlegenheit gebracht. England-Coach Southgate ging trotzdem auf Nummer sicher und bracht mit Eric Dier statt Alli einen robusteren Mittelfeldspieler.

In Minute 82 bot sich Kolumbien die Chance zum Ausgleich. Nach einem leichten Ballverlust von Walker an Bacca hatten die Kolumbianer eine Überzahlsituation, doch Cuadrado knallte den Ball weit über das Tor (82.). Es brach die fünfminütige Nachspielzeit an, die den Schock für England brachte. Kolumbien holte seinen ersten Eckball heraus. Mina setzte seinen Kopfball kurz vor dem Tor auf. Trippiers Klärungsversuch ging schief, das 1:1 war perfekt (93.).

Kolumbiens Yerry Mina erzielt ein Kopfballtor gegen England

APA/AP/Antonio Calanni

Der späte Treffer von Yerry Mina brachte Kolumbien zurück ins Spiel

Kein Tor in der Verlängerung

Damit ging es zum dritten Mal im Achtelfinale in eine Verlängerung, in der sich den Fans nun eine offene Partie bot. Torchancen gab es zunächst aber für kein Team. Bei den Engländern schlichen sich im Spielaufbau Fehler ein, der späte Ausgleich zeigte seine Wirkung. Offensiv ging nichts mehr. Für Kolumbien setzte Falcao einen Kopfball daneben (104.). Die ersten zusätzlichen 15 Minuten gingen ohne Treffer, aber mit Vorteilen für die Südamerikaner zu Ende.

In der zweiten Hälfte der Overtime zeigten sich die Engländer ein wenig konsolidiert. Die eingewechselten Jamie Vardy (108./Schuss geblockt) und Danny Rose (112./am langen Eck vorbei) kamen zu Chancen. Dier köpfelte nach einem Eckball aus aussichtsreicher Position über das Tor (115.). Bei England kam mit Marcus Rashford noch ein Stürmer. Vielleicht auch schon für das Elferschießen, das unweigerlich näher rückte - und dann zur Gewissheit wurde.

England dreht Elferschießen

Die Engländer waren mit einer Situation konfrontiert, die sie wohl vermeiden hätten wollen. Beide Teams schworen sich auf das Elferschießen ein. In den Mittelpunkt rückten nun die Goalies Jordan Pickford und David Ospina. Für England war es bereits das achte Elferschießen bei einem großen Turnier, für Kolumbien indes eine Premiere. Mit Falcao, Cuadrado und Muriel (Kolumbien) bzw. Kane und Rashford (England) trafen die ersten fünf Schützen souverän.

Danach scheiterte Henderson an Ospina, für England schien wieder einmal ein Elferschießen kein gutes Ende zu nehmen. Uribe hämmerte seinen Versuch aber an die Latte. Die „Three Lions“ waren wieder im Spiel, denn Trippier sorgte für das 3:3. Goalie Pickford hielt den Elfmeter von Bacca und ermöglichte Dier, den Sieg zu fixieren. Der Tottenham-Spieler traf und erlöste sein Team.

Jubel von Englands Spielern

APA/AFP/Alexander Nemenov

Die Begeisterung der Engländer kannte nach dem Elferschießen keine Grenzen

Fußball-WM, Achtelfinale

Dienstag:

Kolumbien – England 1:1 n.V. 3:4 i.E. (0:0 / 1:1)

Moskau, Spartak-Stadion, 44.200 Zuschauer, SR Geiger (USA)

Torfolge:
0:1 Kane (57./Elfmeter)
1:1 Mina (93.)

Elfmeterschießen:
1:0 - Falcao trifft
1:1 - Kane trifft
2:1 - Cuadrado trifft
2:2 - Rashford trifft
3:2 - Muriel trifft
3:2 - Henderson vergibt
3:2 - Uribe vergibt
3:3 - Trippier trifft
3:3 - Bacca vergibt
3:4 - Dier trifft

Kolumbien: Ospina - Arias (116./Zapata), Mina, D. Sanchez, Mojica - Barrios, C. Sanchez (79./Uribe), Lerma (61./Bacca) - Cuadrado, Quintero (88./Muriel) - Falcao

England: Pickford - Walker (113./Rashford), Stones, Maguire - Henderson - Trippier, Alli (81./Dier), Lingard, Young (102./Rose) - Sterling (88./Vardy), Kane

Gelbe Karten: Barrios, Arias, Sanchez, Falcao, Bacca, Cuadrado bzw. Henderson, Lingard

Beste Spieler: Mina bzw. Trippier, Kane

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