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Erstmals seit 2006 im Halbfinale

Frankreich hat sich am Freitag im ersten Viertelfinale vor 43.319 Zuschauern in Nischni-Nowgorod mit 2:0 (1:0) gegen Uruguay durchgesetzt und den Südamerikanern damit die erste Niederlage heuer zugefügt. Der souverän spielende Vizeeuropameister steht damit erstmals seit 2006 wieder im Halbfinale einer Fußball-WM. Gegner im Semifinale ist am Dienstag (20.00 Uhr, live in ORF eins) in St. Petersburg Belgien, das Brasilien am Abend mit 2:1 bezwang.

Während „Les Bleus“ mit schönen Kombinationen aufwarteten, führte Uruguays Kontertaktik nicht zum Erfolg, und das sonst so starke Abwehrbollwerk der „Celeste“ musste die Gegentreffer Nummer zwei und drei im Turnierverlauf hinnehmen. Ein Kopfball von Raphael Varane (41.) und ein schrecklicher Patzer von Tormann Fernando Muslera nach einem Schuss von Antoine Griezmann (61.) besiegelten das vorzeitige Aus der enttäuschenden Südamerikaner.

Muslera-Patzer führt zum 2:0 (61. Minute)

Bei einem Distanzschuss von Antoine Griezmann macht Uruguay-Goalie Fernando Muslera gar keine gute Figur und beschert den Franzosen mit seinem Missgeschick das 2:0.

Uruguay ohne Stürmerstar Cavani

Beide Mannschaften warteten mit genau einer personellen Veränderung im Vergleich zum Achtelfinale auf. Frankreich-Coach Didier Deschamps stellte statt des gesperrten Blaise Matuidi Corentin Tolisso an der linken Flanke auf, der beim 4:3-Schlagabtausch gegen Argentinien schon in der Endphase für den Juventus-Legionär gekommen war. Vorne sollten Jungstar Kylian Mbappe, Griezmann und an vorderster Front Oliver Giroud für Tore sorgen.

Schwerstarbeit war garantiert, veränderte Uruguay doch an seiner Weltklasseabwehr rund um Diego Godin nichts. Eine starke Schwächung stellte aber der befürchtete Ausfall von Torjäger Edison Cavani dar, der die Südamerikaner mit seinen zwei Treffern gegen Portugal ins Viertelfinale geschossen hatte. Statt des PSG-Angreifers stürmte Cristhian Stuani von Girona.

Mbappe vergibt frühe Führung

Stuani stand auch gleich bei der ersten gefährlichen Szene im Mittelpunkt. Nach einem Fehler von Raphael Varane verpasste der Uruguayer aber sowohl die Hereingaben von Diego Laxalt als auch Nahitan Nandez. Auch der erste Schuss in der fünften Minute ging auf das Konto des Girona-Stürmers. Danach wagte sich auch Frankreich an Offensivaktionen, Giroud war aber trotz 1,93 m Körpergröße bei einem Stanglpass zu kurz.

Die „Grande Nation“ hatte jetzt mehr vom Spiel, gefährlicher war vorerst noch Uruguay: Einen Kopfball von Jose Gimenez faustete Tormann Hugo Lloris aber weg. In der 15. Minute vergab Frankreich dann die Riesenchance: Giroud köpfelte mustergültig für den freistehenden Mbappe auf, der PSG-Jungstar verschätzte sich aber mit dem Timing beim Absprung und köpfelte statt dem 1:0 den Ball aus fünf Metern übers Tor. Er hätte sich den Ball sogar in aller Seelenruhe runterstoppen können.

Varane trifft - Caceres und Godin nicht

Die Franzosen versuchten, mit gepflegtem Kombinationsfußball - darunter auch einige Wechselpasses - zum Torerfolg zu kommen. Uruguay agierte jedoch enorm bissig und lauerte auf jeden Fehler des Gegners. Nennenswerte Strafraumszenen folgten in den nächsten 20 Minuten nicht. Und wenn einmal der schnelle Mbappe durchstartete, dann war kein Abnehmer für seinen Querpass da. Auf der Gegenseite hätte sich Matias Vecino bei seinem Schuss auch lieber einen anderen Abnehmer als Lloris gewünscht.

Am Spielgeschehen änderte sich bis zur 40. Minute nichts. Dann ging es jedoch rund: Rodrigo Bentancur foulte Tolisso hart und wurde gleich darauf bestraft. Nicht nur mit einer Gelben Karte, sondern auch mit einem in den Strafraum gezirkelten Freistoß von Griezmann, den Varane mit dem Kopf zur nicht unverdienten Führung ins lange Eck verlängerte.

Varane köpfelt das 1:0 (40. Minute)

Innenverteidiger Raphael Varane ist nach einem Griezmann-Freistoß mit dem Kopf zur Stelle und bringt „Les Bleus“ mit 1:0 in Führung.

Plötzlich war wieder Feuer in der Partie, denn Uruguay schlug mit einem Kopfball von Martin Caceres zurück, den Lloris mit einer Riesentat aus der unteren Ecke fischte. Beim Nachschuss aus einem halben Meter konnte dann Godin seine gelernte Position als Abwehrchef nicht verleugnen und drosch den Ball am Tor vorbei. Es war die mit Abstand beste Ausgleichschance, somit ging es mit einer 1:0-Führung für „Les Bleus“ in die Pause.

Tormannpatzer besiegelt Niederlage

Frankreich hatte nichts von seinem Elan eingebüßt, Griezmann setzte nach einem Rückpass nach und sprintete in den Klärungsversuch von Tormann Fernando Muslera. Der Ball ging aber neben das Tor. Nach einem Schnitzer von Samuel Umtiti kam auch Uruguay durch Betancur zu seiner ersten Chance nach dem Wechsel. Zwei weitere Strafraumszenen folgten, für die angestrebte Aufholjagd war das aber zu wenig. Teamchef Oscar Tabarez wollte nach fast einer Stunde Spielzeit mit einem Doppeltausch für mehr Nachdruck sorgen: Maxi Gomez und Cristian Rodriguez kamen für Stuani bzw. Bentancur.

Frankreichs Antoine Griezmann erzielt ein Weitschusstor gegen Uruguay

APA/AP/Ricardo Mazalan

Griezmann hat aus rund 20 Metern freie Schussbahn, ohne den Patzer von Muslera wäre es aber kein Tor geworden

Angriff war umso mehr gefordert, denn die „Bleus“ erhöhten auf 2:0. Griezmann zog aus 20 Metern ab und Tormann Muslera rutschte in seinem 102. Länderspiel der Flatterball über die Hände ins Tor. Angesichts des haarsträubenden Schnitzers verzichtete der Torjäger von Atletico Madrid, der sich auch als großer Uruguay-Fan geoutet hatte, demonstrativ auf einen Jubel und konnte sich sogar das Grinsen verkneifen. Dieses fand sich in den Tausenden Gesichtern der französischen Fans im Stadion, die nun immer verzweifeltere Angriffe der Uruguayer beobachteten.

Nerven liegen blank

Wie angespannt die Situation war, zeigte sich auch wenige Minuten später. Mbappe ging nach einem wohl versteckten Faustschlag von Rodriguez in die Magengegend zu Boden. Godin vermutete Schauspielerei und wollte den Jungstar erbost wieder aufziehen. Mehr brauchte es nicht, um eine mehrminütige Rudelbildung zu produzieren. Referee Nestor Pitana löste die Situation mit Gelb für Rodriguez und Mbappe.

Es war wertvolle Zeit, die Uruguay abging, um ein 0:2 aufzuholen. Auch mit seinem schönen Passspiel ließ Frankreich die Uhr weiter herunterlaufen, der Abschluss von Tolisso ging aber knapp über das Tor. Zwar waren noch knapp 20 Minuten zu spielen, es ging aber gar nichts mehr. Es schien fast, als ob die Südamerikaner weiter bei ihrer Kontertaktik blieben. Schlussoffensive? Fehlanzeige! Chancen? Ebenfalls nicht. Die Spieler der „Celeste“ resignierten, Gimenez liefen schon Minuten vor dem Schlusspfiff die Tränen über das Gesicht. Frankreich hatte keinerlei Probleme, den Sieg über die Zeit zu bringen.

Fußball-WM, Viertelfinale

Freitag:

Uruguay – Frankreich 0:2 (0:1)

Nischni Nowgorod, 43.319 Zuschauer, SR Pitana (ARG)

Torfolge:
0:1 Varane (40.)
0:2 Griezmann (61.)

Uruguay: Muslera - Caceres, Gimenez, Godin, Laxalt - Nandez (73./Arrascaeta), Torreira, Vecino, Bentancur (59./Rodriguez) - Suarez, Stuani (59./Gomez)

Frankreich: Lloris - Pavard, Varane, Umtiti, Hernandez - Kante, Pogba - Mbappe (88./Dembele), Griezmann (83./Fekir), Tolisso (80./Nzonzi) – Giroud

Gelbe Karten: Bentancur, Rodriguez bzw. Hernandez, Mbappe

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