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Pogbas bittere Erinnerungen

Frankreich steht am Sonntag bei der Weltmeisterschaft in Russland gegen Kroatien (17.00 Uhr, live in ORF eins) zum zweiten Mal in Folge im Endspiel eines großen Turniers. Vor zwei Jahren spielten „Les Bleus“ im eigenen Land um den Europameistertitel, zogen aber gegen Portugal mit 0:1 in der Verlängerung den Kürzeren. Im Luschniki-Stadion von Moskau sollen die Fehler von 2016 vermieden werden.

Vor zwei Jahren im Stade de France beendete Ederzito Antonio Macedo Lopes, kurz Eder, mit seinem Weitschuss in der 109. Minute den Traum der Franzosen vom EM-Titel im eigenen Land und bescherte Portugal die europäische Krone. Am Sonntag, einen Tag nach dem französischen Nationalfeiertag, soll sich die Geschichte in Moskau nun nicht wiederholen. „Wir wollen nicht die gleichen Fehler wie vor zwei Jahren machen. Ich weiß, wie es schmeckt, ein Finale zu verlieren. Dass soll mir nicht passieren“, sagte Paul Pogba, der damals bereits in der Startelf stand.

Ähnliche Ausgangslage

Die Ausgangslage vor dem EM-Finale 2016 war für Frankreich ähnlich wie diesmal. So wie gegen Portugal gilt die „Equipe Tricolore“ auch diesmal gegen Kroatien als Favorit. Vor allem, weil die Franzosen nicht nur einen Ruhetag mehr, sondern mehr oder weniger auch ein Spiel weniger absolviert haben. Während Frankreich in allen Spielen nach 90 Minuten fertig war, musste Kroatien in der K.-o.-Runde dreimal in die je dreißigminütige Verlängerung - zusammengerechnet eine ganze Partie.

Paul Pogba

Reuters/Carl Recine

Nach seinem ersten großen Finale flossen bei Pogba und den Franzosen Tränen

Trotzdem schiebt man im französischen Lager die Favoritenrolle so weit wie möglich weg. Vor allem, weil man mit ihr schon 2016 nicht umgehen konnte. Der Sieg gegen Deutschland im Semifinale habe laut Pogba damals der Konzentration der Mannschaft nicht gutgetan. „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, wir hätten damals nicht geglaubt, dass das bereits das Finale war“, so der Mann von Manchester United, „wir haben schon vor dem Anpfiff gegen Portugal gedacht, wir hätten gewonnen. Das passiert uns diesmal sicher nicht mehr.“

Kroatien ist mehr als Modric

Bisher waren die Franzosen im Turnier äußerst konzentriert, besonders in der K.-o.-Phase. Anders als die Kroaten kam die Mannschaft von Trainer Didier Deschamps bisher nie in die Nähe einer Verlängerung. Dass Kroatien regelmäßig Überstunden schieben musste, ist zumindest für Pogba aber kein Zeichen eines schwächelnden Teams. Denn gegen England drehten die Männer mit dem Schachbrettmuster auf dem Trikot einen 0:1-Rückstand mit einem Kraftakt noch um. „Sie sind mental sehr stark“, sagte Pogba.

Dazu verfüge Kroatien über viele Einzelkönner, nicht etwa nur Kapitän Luka Modric, der nach dem neuerlichen Champions-League-Sieg mit Real Madrid den zweiten großen Titel in diesem Jahr holen könnte. „Kroatien ist nicht nur Modric, sie haben auch (Mario, Anm.) Mandzukic, (Ivan) Rakitic and (Ivan) Perisic. Auch ihre Verteidiger sind herausragend“, sagte Pogba, „sie haben sicher keinen Plan nur für Modric. Ihr Plan wird es sein, das Spiel zu gewinnen.“

Pogba will „eigenen Stern“

Daher sei die Favoritenrolle für sein Team auch unangebracht, so der 25-jährige Offensivstar. „Es sind zwei Teams im Finale, ein Pokal, und es gibt noch 90 Minuten zu spielen“, so Pogba. Frankreich gehe an das Finale so wie bisher an jedes Spiel in Russland heran: „Wir zweifeln nicht an uns und arbeiten zusammen. Das ist unsere Stärke. Wir haben alle ein gemeinsames Ziel und werden alles dafür tun, um es zu erreichen.“

Dass die Kroaten mit der Aussicht auf ihren ersten großen Titel mehr motiviert als die Franzosen sein könnten, glaubt Pogba nicht. „Sicher wollen die Kroaten ihren ersten Stern (für den Gewinn der WM, Anm.), aber ich habe auch noch keinen, obwohl einer auf meinem Trikot ist. Ich will meinen eigenen.“ Jenen einen Stern auf dem Trikot verdanken die Franzosen dem Sieg 1998 bei der Heim-WM. Pogba war beim 3:0-Sieg über Brasilien am 12. Juli gerade einmal fünf Jahre alt.

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