Ski alpin

Mayer rast erneut zu Gold im Super-G

Der Olympiasieger im Super-G von Peking 2022 heißt so wie jener 2018 in Pyeongchang: Matthias Mayer wiederholte einen Tag nach Bronze in der Abfahrt am Dienstag seinen Triumph von vor vier Jahren, bescherte Österreich damit die erste Goldmedaille in China und schrieb gleichzeitig rot-weiß-rote Sportgeschichte. Mayer hielt mit einem furiosen Finish den US-Amerikaner Ryan Cochran-Siegle um vier Hundertstelsekunden auf Distanz. Der dreifache Saisonsieger Aleksander Aamodt Kilde aus Norwegen sicherte sich Bronze.

Mayer, der am Start beinahe die Zeitnehmung zu früh ausgelöst hatte, nachdem sich sein Stock verhakt hatte, lag bis zur letzten Zwischenzeit noch klar hinter seinen Konkurrenten Cochran-Siegle und Kilde, erwischte aber in den letzten Kurven die ideale Linie und setzte sich an die Spitze. Der 31-Jährige holte sich nach Abfahrtsgold 2014 in Sotschi und dem Triumph im Super-G von 2018 auch bei seinen dritten olympischen Spielen einen Sieg. Er ist damit der erste Skifahrer der Olympiageschichte, dem dieser Coup gelang.

Dank Bronze am Vortag in der Abfahrt löste Mayer auch Toni Sailer als erfolgreichsten österreichischen Alpinen bei Olympia ab. Der 2009 verstorbene „Schwarze Blitz aus Kitz“ hatte 1956 in Cortina d’Ampezzo dreimal Gold gewonnen. Überhaupt haben nur noch der Norweger Kjetil Andre Aamodt (viermal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze) und Alberto Tomba (3/2/0) aus Italien mehr alpine Olympiamedaillen als Mayer zu Hause. In der Liste der erfolgreichsten Österreicher bei Winterspielen ist der Kärntner hinter Felix Gottwald (3/1/3) und Thomas Morgenstern (3/1/0) die Nummer drei.

Cochran-Siegle um Hauch geschlagen

Der US-Amerikaner liegt bei der letzten Zwischenzeit noch voran, muss sich am Ende aber um einen Hauch geschlagen geben.

„Bin sehr viel Risiko gegangen“

„Ich war sehr gut drauf, ich habe mich nur auf mein Rennen konzentriert. Es hat ganz gut gepasst, es ist eine knappe Geschichte. Es ist ein schwieriger Lauf, man muss extrem attackieren, und es muss alles zusammenpassen“, sagte Mayer im ORF-Interview. Mit seiner Goldmedaille erhöhte der Kärntner die österreichische Ausbeute am vierten Tag auf fünf. Neben seiner Bronzemedaille in der Abfahrt stehen noch zwei Silbermedaillen und eine weitere „Bronzene“ für das rot-weiß-rote Team zu Buche.

Gold: Matthias Mayer (AUT)
Silber: Ryan Cochran-Siegle (USA)
Bronze: Aleksander A. Kilde (NOR)

Mayer setzte auf der selektiven Strecke alles auf eine Karte und wurde dafür belohnt. „Ich bin sehr viel Risiko eingegangen, das tue ich im Weltcup selten. Ich fahre immer solide und sehr konstant. Bei Olympia zählt nur dieses Rennen. Mein Paket ist gut, ich bin körperlich gut drauf, und das Material passt. Ich muss auch noch meinen Konkurrenten gratulieren“, sagte der nun dreifache Olympiasieger, dem diesmal die Startnummer 13 Glück brachte.

Nur noch Kriechmayr im Klassement

Für die restlichen drei Österreicher lief es nur bedingt nach Wunsch. Vincent Kriechmayr, im Vorjahr bei der Weltmeisterschaft in Cortina d’Ampezzo noch strahlender Sieger in Abfahrt und Super-G, musste sich mit 0,76 Sek. Rückstand auf seinen Teamkollegen mit Rang fünf begnügen und ging diesmal in beiden Speed-Bewerben leer aus. Für Debütanten Raphael Haaser und Max Franz endete der olympische Super-G 2022 ohne Ergebnis. Das Duo schied im oberen Teil aus.

„Im Steilen habe ich zwei Zehntel verloren, oben vielleicht eines, aber unten war es zu viel. Ich bin bis zur Mittelstation ein ganz gutes Rennen gefahren, in Summe war es unten zu viel. Es waren meine zweiten Spiele, man muss komplett am Limit sein, da dürfen keine Fehler passieren“, sagte Kriechmayr im ORF. Der Oberösterreicher zog gleichzeitig seinen Hut vor dem nun dreifachen Olympiasieger Mayer: „Er ist ein hervorragender Athlet mit einem super Charakter. Ich freue mich für ihn.“

Groß war die Enttäuschung bei Mayers Kärntner Landsmann Franz nach seinem Ausfall im oberen Teil. „Der Frust ist sehr groß, ich habe mich heute sehr gut gefühlt. Es war brutal schnell vorbei, das ist bitter. Es ist sehr schade“, sagte der 32-Jährige. Ähnlich wie Kriechmayr verneigte sich Franz vor dem Triumph seines Teamkollegen. „Er fährt sehr konstant, er ist der Mr. Olympia“, sagte der Kärntner. Ähnlich sah es Haaser nach seinem Debüt: „Der Frust ist schon sehr groß. Ich habe mich gefreut, dass ich rausstarten darf. Ich habe leider den Ski nicht so gekriegt, dann war es brutal schnell vorbei. Es hat einfach nicht funktioniert, sehr schade.“

Erste Medaillen für Duo

Über ihre Premiere auf einem olympischen Podest durften sich hingegen der Zweitplatzierte Cochran-Siegle und Kilde auf Platz drei freuen. Sowohl für den US-Amerikaner, der mit dem Super-G 2020 in Bormio einen Weltcup-Sieg zu Buche stehen hat, als auch für den Gesamtweltcup-Sieger der Saison 2019/20 aus Norwegen war es zudem das erste Edelmetall bei einem Großereignis überhaupt. Detail am Rande: Für Cochran-Siegles Familie ist es die zweite olympische Medaille. Mutter Barbara Ann Cochran hatte 1972 in Sapporo Slalom-Gold gewonnen.

„Als ich im Ziel war, war ich zufrieden. Es war cool. Mayer ist blitzschnell gewesen, Cochran auch“, sagte Kilde, der die Freude über seine erste Medaille über den Frust, als Favorit Gold zu verpassen, stellte: „Ich bin mit der Medaille zufrieden. Es war ein großes Ziel von mir. Ich bin als Favorit hergekommen. Es war viel Druck auf den Schultern, und ich war die ganze Woche nervös“, sagte der 29-Jährige, der heuer bisher drei von fünf Super-G-Rennen im Weltcup für sich entscheiden konnte und bei der letzten Zwischenzeit noch 0,23 Sek. vor Mayer gelegen war.

Schweizer Niederlage

Einen Tag nach dem Olympiasieg von Beat Feuz in der Abfahrt mussten die Schweizer diesmal eine schwere Niederlage einstecken. Marco Odermatt, zweifacher Saisonsieger im Super-G, vermied kurz vor dem Ziel einen Sturz und schied ebenso wie Feuz aus – und das auf einem von ihrem Trainer gesteckten Kurs. Stefan Rogentin als 14. und Gino Caviezel als 15. hatten diesmal mit der Medaillenentscheidung nichts zu tun. Das Rennen war generell von Ausfällen geprägt: von 47 Startern kamen 34 in die Wertung.