Katharina Innerhofer
Reuters/Hannah McKay
Biathlon

ÖSV-Träume platzen erneut am Schießstand

Der Medaillentraum von Österreichs Biathletinnen hat sich auch im letzten Bewerb der Spiele von Peking, dem Massenstart über 12,5 km, nicht erfüllt. Einmal mehr wurde der Schießstand den ÖSV-Läuferinnen zum Verhängnis. Weltmeisterin Lisa Theresa Hauser landete am Freitag nach vier Fehlern auf dem elften Platz, Katharina Innerhofer musste sich trotz starker Laufleistung nach sechs Strafrunden mit Platz 14 zufriedengeben. Gold ging an Justine Braisaz-Bouchet, die sich dank starker Stehendanschläge vor den Norwegerinnen Tiril Eckhoff und Marte Olsbu Röiseland durchsetzte.

Braisaz-Bouchet leistete sich bei unberechenbaren Windböen zwar liegend drei Fehlschüsse, musste aber bei den zwei Stehendübungen im Vergleich zur Konkurrenz nur einmal in die Strafrunde und setzte sich am Ende klar mit 15,3 Sekunden vor Eckhoff und 34,9 Sekunden vor Röiseland durch. Für Röiseland war es die bereits fünfte Medaille in China. Die 31-Jährige nimmt dreimal Gold und zweimal Bronze mit nach Hause.

Die beiden Norwegerinnen lagen zur Halbzeit noch klar voran, mit je vier Strafrunden nach dem Stehendschießen servierten sie Braisaz-Bouchet den Sieg auf dem Silbertablett. Die 25-Jährige durfte sich damit nach Bronze mit der Staffel 2018 nun über ihre erste Einzelmedaille bei einem Großereignis freuen – und die glänzte gleich in Gold.

Justine Braisaz-Bouchet
Reuters/Kai Pfaffenbach
Braisaz-Bouchet nutzte die Gunst der Stunde zum bisher größten Erfolg ihrer Karriere

Hauser stürzt aus Medaillenrennen

Die Österreicherinnen hielten zwar diesmal in der Loipe mit, leisteten sich aber am Schießstand zu viele Fehler, um in den Kampf um die Medaillen eingreifen zu können. Hauser blieb zwar beim ersten Liegendschießen fehlerfrei, kam aber danach auf der zweiten Runde zu Sturz und setzte den Bewerb gehandicapt fort. Die Tirolerin konnte damit ihren Sensationscoup von der WM im Vorjahr nicht wiederholen. Auf die Top Ten fehlten der Tirolerin am Ende rund zehn Sekunden.

Im Ziel wurde dann auch noch eine mögliche Ellbogenverletzung als Folge des Sturzes abgeklärt. Laut ersten Informationen konnte sie den betroffenen Arm nicht mehr bewegen und wurde von Teamarzt Bernhard Unterkofler im Olympischen Dorf erstversorgt. Allen Anschein nach dürfte sich die 28-Jährige eine schwere Prellung am Ellbogen zugezogen haben.

„Ich habe das Rennen noch irgendwie durchgebracht, auch wenn ich Schmerzen hatte, aber im Ziel ist dann alles ein bisschen zu viel geworden“, sagte Hauser in einer ersten Reaktion. „Es wird alles wieder, es ist nur eine Prellung. Ich hoffe, dass ich zu den nächsten drei Weltcup-Stationen anreisen kann.“

Innerhofer bestätigt Aufwärtstrend

Innerhofer lag nach nur einem Fehler im Liegendschießen noch in den Top Fünf, konnte aber ihre Schwäche beim Stehendschießen bei den schwierigen Verhältnissen nicht ablegen. Der vierte Platz von Hauser im Sprint bleibt damit das beste Ergebnis in Peking – und auch in der Geschichte des heimischen Damen-Biathlons. Innerhofer bestätigte mit einem weiteren Topergebnis jedoch ihren Aufwärtstrend.

Katharina Innerhofer
Reuters/Athit Perawongmetha
Innerhofer zeigte bei schwierigsten Bedingungen, dass ihre Formkurve nach oben zeigt

Die 31-jährige Salzburgerin war nach dem turbulenten Rennen sichtlich gezeichnet. „Die erste Runde war Chaos pur: so viele Stürze, so viele Stecken, die da auf der Strecke gelegen sind. So etwas habe ich noch nie erlebt. Die Abfahrten waren sehr schwierig und glatt. Es war heute einfach brutal“, sagte Innerhofer im ORF-Interview.

Beim Schießen sei der böige Wind, der mit bis zu acht Metern in der Sekunde daherpfiff, nicht zu bändigen gewesen: „Es war so windig, dass ich keine Chance hatte, die Schüsse rauszubringen, ich habe gewartet und gewartet, und es ist nicht besser geworden. Du glaubst, du bist selber eine Windfahne, so sehr weht es dich um.“ Trotzdem bilanzierte Innerhofer zufrieden: „Die Spiele haben mir richtig Spaß gemacht. Mir sind meine besten Saisonergebnisse hier gelungen, das ist schon cool“, sagte die Salzburgerin.

Braisaz-Bouchet dreht ohne Druck auf

An der Spitze nutzte Braisaz-Bouchet die Gunst der Stunde und meisterte die Windböen bei den entscheidenden beiden Schießübungen am besten. Die 25-Jährige bescherte ihrem Olympiaabenteuer ein Happy End, nachdem es davor mit Platz 40 im Einzel-Rennen und einem 48. Platz im Sprint überhaupt nicht gelaufen war. „Es war das erste Rennen, in dem ich nicht an Medaillen oder das Resultat gedacht habe. Ich war einfach nur froh, dass ich im Massenstart dabei sein konnte“, sagte die Französin, „aber ich habe an meine Chance geglaubt und sie mit einem Lächeln genutzt.“

Biathlon-Bewerbe, Damen

Freitag:

Massenstart (12,5 km):
1. Justine Braisaz-Bouchet FRA 40:18,0 4*
2. Tiril Eckhoff NOR + 15,3 4
3. Marte Olsbu Röiseland NOR 34,9 4
4. Marketa Davidova CZE 53,4 4
5. Kristina Reszowa RUS 1:11,0 6
6. Julia Simon FRA 1:22,6 6
7. Julia Dschima UKR 1:25,7 3
8. Franziska Preuß GER 1,26,4 4
9. Elvira Öberg SWE 1:37,7 4
10. Hanna Sola BLR 1:39,2 8
11. Lisa Theresa Hauser AUT 1:49,6 4
14. Katharina Innerhofer AUT 2:24,7 6
* Schießfehler = Strafrunden