Doping

Walijewa will Unschuld beweisen

In der Dopingaffäre um Kamila Walijewa will die russische Eiskunstläuferin mit Hilfe der B-Probe ihre Unschuld beweisen. Die 15-Jährige werde die Untersuchung der B-Probe beantragen, da unter anderem ein technischer Fehler des Stockholmer Anti-Doping-Labors bei der Analyse ihres Dopingtests vorgelegen sein könne, erklärten Walijewas Anwälte am Donnerstag. Kritik am Umfeld der jungen Athletin kam indes vom Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

In ihrer Verteidigung verwiesen Walijewas Rechtsbeistände auf die „extrem niedrige Konzentration“ des gemäß Anti-Doping-Regeln verbotenen Herzmittels Trimetazidin, das in der A-Probe nachgewiesen worden war. Detailliert ist in dem Antrag der Versuch der Anwälte nachzulesen, den positiven Test mit dem Kontakt Walijewas zu ihrem herzkranken Großvater zu begründen. Dabei sei die verbotene Substanz durch eine Verunreinigung unabsichtlich in den Körper der Athletin gekommen.

Walijewas Großvater habe sie oft zum Training gefahren und viel Zeit mit ihr verbracht. Nach einer Herztransplantation nehme er regelmäßig Trimetazidin ein und trage die Medizin meist bei sich. Als Beweismittel diente auch ein Video, das den Großvater in seinem Auto mit einer Packung des Medikaments zeigen soll.

Kamila Walijewa
Reuters/Phil Noble
Die 15-Jährige zollte dem Stress der vergangenen Tage in der Kür ihren Tribut und verpasste am Ende eine Medaille

Der positive Dopingtest der 15-jährigen Europameisterin vom 25. Dezember war erst während der Winterspiele in Peking bekannt geworden. Die Ad-hoc-Kammer des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) entschied dennoch, mit Blick auf ihren Status als Minderjährige und das nicht abgeschlossene Dopingverfahren einen Start im olympischen Damen-Einzel zu erlauben. Walijewa verpasste nach dem Dopingwirbel mit einer fehlerhaften Kür am Donnerstag als Vierte eine Medaille.

WADA kritisiert CAS

Für die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) ist die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs ein „gefährlicher Präzedenzfall“. Die WADA wirft den Sportrichtern vor, die „unmissverständlichen Bestimmungen“ des WADA-Kodex bei der Aufhebung einer vorläufigen Suspendierung ignoriert zu haben, hieß es in der Stellungnahme zu der am Freitag veröffentlichten Urteilsbegründung.

Es sei „überraschend“ und für die WADA sehr „besorgniserregend“, dass ein CAS-Gremium es für angebracht hält, „von den klaren Bestimmungen des Codes abzuweichen“, hieß es in der Mitteilung. Schließlich habe der Code über einen Zeitraum von zwei Jahren drei Konsultationsphasen unter Einbeziehung aller Anti-Doping-Akteure durchlaufen. Im November 2019 sei er einstimmig angenommen worden. Die WADA hoffe und erwarte, dass der CAS-Entscheid von Peking „von künftigen CAS-Panels korrigiert wird“.

Bach: „Enorme Kälte“ im Umfeld

IOC-Präsident Thomas Bach kritisierte hingegen nicht den Sportgerichtshof, sondern äußerte Mitgefühl für Walijewa nach deren bitterem Olympiafinale und zeigte Unverständnis für das Team Walijewas rund um Trainerin Eteri Tutberidse. „Als ich gesehen habe, wie sie von ihrem Umfeld empfangen wurde, mit etwas, was mir wie eine enorme Kälte vorkam – mir lief es kalt über den Rücken, zu sehen, was da geschah“, sagte Bach.

Kamila Walijewa
Reuters/Aleksandra Szmigiel
Der Umgang von Trainerin Tutberidse (r.) mit ihrer Sportlerin stieß IOC-Boss Bach sauer auf

„Statt sie zu trösten, statt ihr zu helfen, nachdem, was geschehen war, konnte man spüren, wie eiskalt die Atmosphäre war“, fuhr der Deutsche fort. Nach dem tagelangen Dopingwirbel und einer Führung aus dem Kurzprogramm hatte Goldfavoritin Kamila Walijewa am Donnerstagabend mehrere Fehler in ihrer Kür gemacht und war Vierte geworden. Von ihrer Trainerin Eteri Tutberidse erhielt die 15-Jährige daraufhin keinen Trost, sondern harsche Worte.

Verstörende Reaktionen

Er sei „sehr enttäuscht und verstört“ gewesen, als er die Kür im Fernsehen verfolgt habe, berichtete Bach und sprach von einer „herablassenden Geste“. „Kann man denn so gefühlskalt sein gegenüber den eigenen Sportlern?“ Er habe sich seine Gedanken gemacht, sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees. „Alles das vermittelt bei mir kein besonderes Vertrauen in dieses Umfeld von Kamila – weder in Bezug auf die Situation, die in der Vergangenheit sich abgespielt hat, noch die Zukunft.“

Bach stellte die Frage, wie man mit minderjährigen Athleten im Alter von 15 Jahren zukünftig umgehen werde und sprach die Situation von Walijewa noch einmal konkret an. „Ich kann mir für sie nur wünschen, dass sie die Unterstützung bekommt, die Unterstützung ihrer Familie, die Unterstützung von Freunden und schlussendlich von Menschen, die ihr helfen, diese enorm schwierige Situation hinter sich zu lassen.“