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„Freistoßkönig“ auf Wolke sieben

Der SK Rapid fühlt sich dieser Tage im fußballerischen Dauerhoch. Der zweite Derby-Sieg binnen vier Tagen versetzte die Grün-Weißen am Mittwochabend mit ihren Fans in Feierlaune. Beim 2:1-Erfolg im ÖFB-Cup-Achtelfinale gegen den Erzrivalen Austria schoss erneut Philipp Schobesberger per Traumfreistoß den entscheidenden Treffer. Die Austria indes leckt nach der vierten Pflichtspielpleite in Serie ihre Wunden.

„Es passiert nicht oft, dass man in so kurzer Zeit zwei Derbys gewinnt. Natürlich bin ich überglücklich, dass ich zweimal das Siegestor erzielt habe“, sagte Schobesberger nach der Partie. In der 78. Minute hatte der Flügelspieler Maß genommen und den Ball exakt im Kreuzeck versenkt. Schon beim 1:0 durch Thomas Murg (41.) hatte Schobesberger in der Entstehung entscheidend mitgewirkt. Dass die Austria ein ebenbürtiger, in der zweiten Spielhälfte überlegener Gegner war, war ihm wohl auch bewusst.

Austria in der Krise

Das Achtelfinal-Aus im ÖFB-Cup gegen Rapid hat die Krise der Wiener Austria verschärft. Nach der vierten Niederlage in Serie herrscht Alarmstufe Rot bei den Violetten.

„Im Cup zählt nur das Weiterkommen. Gegen die Austria ist es noch schöner“, so der 23-Jährige, der von den Violetten vehementer als noch beim 1:0 am Sonntag abgeschirmt wurde. Schobesberger betrieb dennoch Werbung in eigener Sache. Der Vertrag des Teamspielers bei Rapid läuft kommenden Sommer bekanntlich aus, seine sportliche Zukunft scheint offen.

„Glücklicher Sieg“

Rapid-Trainer Goran Djuricin wirkte trotz des sechsten Pflichtspielsiegs in Serie gar nicht so euphorisch. Nüchtern analysierte er die Partie, in der die Austria seiner Elf „alles, alles abverlangt“ habe und sprach von einem „glücklichen Sieg“. „Aber die Mannschaft hat so viel Selbstvertrauen und Reserven, dass wir am Schluss noch einmal angreifen können“, betonte Djuricin den Unterschied zur vergangenen Saison. Über das Freistoßtor seines formstärksten Spielers wunderte sich der Rapid-Coach nicht.

Jubelnde Rapid-Spieler

GEPA/Christian Ort

Wieder grün-weißer Jubel im Happel-Stadion

„Er kann das wirklich sehr gut. Unser Freistoßkönig ist eigentlich Steffen (Hofmann), aber jetzt haben wir einen Nachfolger“, sagte Djuricin über Schobesberger. Auch Murg betonte, dass Schobesberger seine diesbezüglichen Qualitäten bereits im Training gezeigt habe. „Unser Ziel ist wieder Klagenfurt, dem sind wir einen Schritt näher gekommen“, sagte der Torschütze. Die Auslosung des Viertelfinales erfolgt am 5. November.

Austria hadert mit Fehlentscheidungen

Anders als der Finalist der Vorsaison wird der Rekord-Cupsieger dabei Zuschauer sein. Die Austria investierte viel, stand aber trotz eines ihrer besseren Saisonspiele am Ende mit leeren Händen da. Nach dem Ausgleich durch Ibrahim Alhassan Abdullahi (51.) waren die „Veilchen“ der Führung näher, haderten in dieser Phase aber auch mit einem nicht gegebenen Handspiel von Rapids Stephan Auer im eigenen Strafraum (64.). Schon am Sonntag hatte die Austria bei einem Handspiel von Stefan Schwab vergeblich Elfmeter reklamiert.

Thorsten Fink und Felipe Pires (Austria)

GEPA/Philipp Brem

Trost von Fink für Felipe Pires

Fink eilte am Mittwoch nach dem Schlusspfiff schnurstracks in Richtung Referee Harald Lechner, um diesem seine Meinung über die Szene zu sagen. „Wenn man zwei Spiele gegen den Erzrivalen verliert und drei Elfmeter nicht bekommt, darf man dem Schiedsrichter auch einmal etwas sagen. Es darf aber nie unter der Gürtellinie sein“, erklärte der Austria-Trainer. Nach seiner Belehrung fasste sich Fink aber schnell wieder.

Der Deutsche analysierte die Szenen im Rapid-Strafraum - auch im Cupspiel hatte Schwab einen Freistoß an den Ellbogen bekommen - ohne große Emotion. „Irgendwann wird sich das ausgleichen. Wir haben im letzten Jahr einen Elfer gegen Rapid bekommen, der fragwürdig war“, meinte Fink, der nach elf Derbys als Trainer der Violetten nun bei sechs Niederlagen und drei (Auswärts-)Siegen hält. „Auch wenn es in dieser Phase natürlich bitter ist.“

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Vier Niederlagen in Folge in elf Tagen lassen das violette Selbstvertrauen nicht gerade anwachsen. Am Samstag wartet auf die ersatzgeschwächten Favoritner auswärts der Ligaauftritt beim LASK, dann in der Europa League erneut in der Ferne HNK Rijeka. Fink erinnerte an das Frühjahr. Auch da erwischte die Austria einen Negativlauf samt dem Aus im Cup-Viertelfinale gegen die Admira - ehe sie die entscheidenden Schritte zum Vizemeistertitel tat.

„Wir hatten eine ähnlich Situation, haben uns danach aber erfangen. Ich denke, dass die Mannschaft es drauf hat, den Schalter wieder umzulegen“, sagte Fink. Rapid habe den Schwung eben ausgenutzt. „Wir sind im Moment nicht in bester Verfassung, obwohl wir ein hervorragendes Spiel gemacht haben. Das ist eigentlich verwunderlich.“

Wieder Ausschreitungen, aber laut Polizei ruhiger

Verwunderlich war auch einmal mehr das Verhalten einiger Fans auf beiden Seiten. So kam es nach den Zwischenfällen am Sonntag und im Regionalliga-Derby der Zweiermannschaften auch diesmal wieder zu Ausschreitungen. Auf den Tribünen des Happel-Stadions musste die Polizei das eine oder andere Mal dazwischengehen bzw. für Ordnung sorgen. Dennoch resümierte die Polizei relativ positiv.

Fanausschreitungen auf den Rängen

APA/EXPA/Thomas Haumer

Die Polizei bekam es erneut mit einigen unverbesserlichen Chaoten zu tun

Hatte es im Rahmen des Sonntagsderbys noch vier Festnahmen und zahlreiche Anzeigen gegeben, wäre es diesmal vergleichsweise recht ruhig geblieben. „Kleinere Provokationen“ seien durch rasches Einschreiten unterbunden worden, hieß es in einer Aussendung der Polizeipressestelle nach dem zweiten Teil im großen Derby.

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