Themenüberblick

Poulsen als Matchwinner

Dänemark hat einen erfolgreichen Einstand bei der WM-Endrunde in Russland gefeiert. Die Mannschaft von Trainer Age Hareide holte am Samstag in Saransk im zweiten Spiel der Gruppe C einen 1:0 (0:0)-Erfolg gegen Peru. Für den Siegestreffer der Dänen sorgte Yussuf Poulsen in der 59. Spielminute.

Vor 40.500 Zuschauern in der Mordowia Arena traf Poulsen nach Vorarbeit von Tottenham-Star Christian Eriksen und stellte damit den Spielverlauf völlig auf den Kopf. Die Südamerikaner bestimmten über weite Strecken die Partie, vergaben allerdings die besten Chancen - in der ersten Halbzeit hatte Christian Cueva sogar einen Elfmeter (45.+1) verschossen.

„Das Tor war schön herausgespielt, ein perfekter Konter. Ich habe das souverän und abgebrüht, mit viel Übersicht gemacht. Aber es war kein guter Auftritt von uns. Was zählt, sind schließlich die drei Punkte“, sagte Poulsen, der den Peruanern Respekt zollte. „Sie waren frech, haben körperbetont gespielt. Wir hatten Glück, dass wir nicht den Ausgleich bekommen haben. Da müssen wir uns bei unserem Torhüter bedanken.“

Däne Yussuf Poulsen schießt Tor

Reuters/Max Rossi

Poulsen stellte in der 59. Minute mit seinem Führungstreffer den Spielverlauf auf den Kopf

Überraschung vor Anpfiff

Perus Teamchef Ricardo Gareca hatte im ersten WM-Match seit 36 Jahren auf Jefferson Farfan überraschend als Solospitze gesetzt. Sein Sturmpartner und etatmäßigee Kapitän Paolo Guerrero, dessen Dopingsperre kurzfristig ausgesetzt worden war, saß zunächst nur auf der Bank, obwohl er so verbissen und mit allen Mitteln um seinen WM-Start gekämpft hatte.

Die Dänen boten drei Stürmer auf und hofften auf einen spielfreudigen Regisseur Eriksen - 22 Treffer im Team untermauern zudem seinen Torriecher. Wobei Coach Hareide vor allem auf das starke dänische Kollektiv setzte, um Perus Abwehr zu knacken. Nur einen Gegentreffer hatten die Südamerikaner in den vergangenen sieben Spielen kassiert.

In Hinblick auf den möglichen Achtelfinal-Aufstieg war vor der Partie klar: Für Dänemark, den Europameister von 1992, und Peru galt Verlieren verboten. „Frankreich (2:1 gegen Australien, Anm.) ist sicher der Gruppenfavorit“, hatte Hareide vor dem Spiel zu Protokoll gegeben. Man wolle sich im Kampf um den zweiten Platz gegen Peru und Australien durchsetzen, so Hareide, der auch die körperliche Überlegenheit seines Teams gegenüber den Peruanern ins Treffen geführt hatte.

Dauerdruck der Peruaner

Davon war auf dem Rasen per se wenig zu merken. Die Dänen wirkten durchaus bemüht, im Spielaufbau aber behäbig. Das Kommando rissen mit Anpfiff die Peruaner an sich, die bei Ballbesitz energisch in den gegnerischen Strafraum drängten. Die Fäden zog Luis Advincula, der das Spiel nach vorne über die rechte Seite unermüdlich organisierte. Die dänische Abwehr war unter Dauerdruck.

Bei einem präzisen Fernschuss von Yoshimar Yotun (8.) zeichnete sich Dänemarks Tormann Kasper Schmeichel erstmals so richtig aus. Auf dem Posten war er auch fünf Minuten später, als Andre Carrillo nach einem Solo an der Strafraumgrenze das lange Eck ins Visier nahm. Mit einer starken Parade konnte Schmeichel einen frühen Rückstand seiner Mannschaft gerade noch verhindern. Perus Schlussmann Pedro Gallese hielt sich derweil mit Turnübungen warm.

Hektik im dänischen Strafraum

Dank eines von Eriksen ausgeführten Eckballs tauchten die Dänen nach 25 Minuten erstmals vor Galleses Tor auf. Chancen gab es weiter nur auf der Gegenseite. Die bis dahin beste vergab Farfan (29.), der am Fünfer nach Zuspiel von Christian Ramos an den Ball kam und auch abzog, im letzten Moment aber von Verteidiger Simon Kjaer geblockt wurde. Die Dänen waren daraufhin verzweifelt bemüht, das Spiel zu beruhigen.

Kjaer rettet gegen Farfan

Dänemark-Kapitän Simon Kjaer grätscht in höchster Not in einen Farfan-Schuss und lenkt den Ball neben das Tor zum Corner ab.

Es wurde allerdings noch hektischer. Nach einem strittigen Foul von Poulsen im eigenen Strafraum an Cueva unmittelbar vor der Pause ließ Schiedsrichter Bakary Gassama zunächst weiterspielen, um nach nochmaligem Videostudium der Szene letztlich auf Elfmeter für Peru zu entscheiden. Aus der ersehnten Führung sollte nichts werden: Der Gefoulte selbst drosch den Strafstoß meterhoch über die Latte.

Cueva vergibt Elfer

Cueva wird von Poulsen im Strafraum gelegt, erst nach Videoansicht zeigt Schiedsrichter Gassama auf den Punkt. Der Gefoulte selbst tritt an und hämmert den Ball übers Tor.

Mit unveränderten Aufstellungen änderte sich nach Seitenwechsel zunächst wenig. Dänemark versuchte zwar das Spiel zu kontrollieren, fahrlässige Ballverluste öffneten den Peruaner jedoch stets Raum für gefährliche Vorstöße. Nach einem solchen hatte Farfan (51.), der über den rechten Flügel in den Strafraum gestürmt war, eine weitere Chance auf die Führung am Fuß. Zu seinem Ärger zappelte der Ball wieder nicht im Netz. Ein dänischer Verteidiger hatte erfolgreich interveniert.

Kontertreffer entscheidet

Sechs Minuten später spazierte Cueva durch den dänischen Strafraum. Anstatt selbst zu schießen, legte er zu ungenau auf Flores ab, der den Ball nicht unter Kontrolle brachte. Die mangelnde Effizienz der Peruaner sollte sich rächen. Gerade 59 Minuten waren gespielt, als eine Unachtsamkeit zu einem Konter der Dänen führte. Als Vollstrecker im Strafraum glänzte Poulsen. Der Leipzig-Legionär ließ Goalie Gallese keine Chance und versenkte den Ball im linken Eck zur völlig überraschenden Führung.

Führung durch Poulsen

Peru steht nach einem Angriff unorganisiert - den Raum der sich dadurch öffnet, nutzt Dänemark eiskalt aus, und Poulsen trifft zum 1:0.

Perus Teamchef Gareca reagierte prompt und setzte nun alles auf Guerrero, der für Flores ins Spiel kam (62.). Zwei Minuten später fand der 34-jährige Rekordtorschütze der Peruaner gleich die erste Chance vor, scheiterte per Kopf aber an Schmeichel. In der 71. Minute konnte Poulsen nach einer Flanke den Ball gerade noch klären, ehe Guerrero erneut per Kopf zur Stelle gewesen wäre.

Guerrero glücklos vor dem Tor

Guerrero war nicht zu bändigen, wiewohl auch ihm das Glück nicht hold war. Eine Sondereinlage bot er zehn Minuten vor Schluss mit einem Fersler, der um Millimeter an der rechten Stange vorbei gekullert war. Davor war Gavincula mit einem zu zentralen und zu leichten Schuss aus kurzer Distanz an Schmeichel gescheitert. Der Ausgleich lag in der Luft, Peru kämpfte mit allen Mitteln darum und orientierte sich nach vorne.

Sondereinlage mit Ferse

Mit dem Rücken zum Tor sieht der eingewechselte Paolo Guerrero nur eine Möglichkeit: Er versucht den Ball ins Tor zu ferserln und scheitert damit nur knapp.

In seiner letzten Aktion vor seiner Auswechslung vergab Farfan (85.) eine weitere Riesenchance, als er allein am Elfer zum Schuss kam, Schmeichel mit einer Glanzparade mit dem rechten Bein aber klären konnte. Den Peruanern lief die Zeit davon. Der Torjubel blieb letztlich aus. Auch weil der entscheidende Pass oft nicht ankam. Wie jener von Cueva in der Schlussminute, der im Strafraum keinen Abnehmer fand.

Stimmen zum Spiel

Ricardo Gareca (Peru-Teamchef): „Die Niederlage ist unverdient, aber so ist Fußball. Wir haben gegen eine großartige Mannschaft gespielt, unsere Fans haben uns hervorragend unterstützt. Viele glauben, dass man draußen ist, wenn man das erste Spiel verliert. Ich glaube das nicht.“

Jefferson Farfan (Peru-Spieler): „Wir haben guten Fußball gespielt, hatten aber nicht das Glück, unsere Chancen auch zu verwerten. Das war schon hart. Wir hoffen jetzt, dass es besser wird.“

Age Hareide (Dänemark-Teamchef): „Die Peruaner waren unglücklich und hätten mehr verdient. Vielleicht haben sie im nächsten Match mehr Glück. Peru hat alles versucht, um noch den Ausgleich zu schaffen. Unsere Defensive, die ganze Mannschaft hat das großartig gemacht. Wir haben im fünften Länderspiel in Folge kein Gegentor bekommen, das ist gegen WM-Teilnehmer sehr schwer zu schaffen.“

Fußball-WM, Gruppe C

Samstag

Peru - Dänemark 0:1 (0:0)

Saransk, Mordowia Arena, 40.500 Zuschauer, SR Gassama (GAM)

Tor: 0:1 (59.) Poulsen

Perus Cueva schoss einen Elfmeter über die Latte (45.+1)

Peru: Gallese - Advincula, Rodriguez, Ramos, Trauco - Tapia (87./Aquino), Yotun - Carrillo, Cueva, Flores (63./Guerrero) - Farfan (85./Ruidiaz)

Dänemark: Schmeichel - Dalsgaard, Kjaer, Christensen (81./M. Jörgensen), Stryger Larsen - Kvist (36./Schöne), Eriksen, Delaney - Poulsen, N. Jörgensen, Sisto (67./Braithwaite)

Gelbe Karten: Tapia bzw. Delaney, Poulsen

Die Besten: Advincula, Carrillo, Yotun bzw. Schmeichel, Delaney

Links: