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Favorit gewinnt ungleiches Duell

Belgien ist am Montag bei der Fußball-WM in Russland mit einem Pflichtsieg in die Gruppe G gestartet. Die „Roten Teufel“ schlugen im Fischt-Stadion von Sotschi vor 43.300 Zuschauern Außenseiter Panama letztlich klar mit 3:0 (0:0). Nach Startschwierigkeiten in der ersten Hälfte sicherten Dries Mertens (47. Minute) und Romelu Lukaku mit einem Doppelschlag (69., 75.) den Erfolg des WM-Geheimtipps.

Panama hielt lange Zeit das 0:0, musste sich schließlich aber doch der höheren individuellen Klasse der Belgier beugen. Die Mannschaft von Coach Roberto Martinez kam zwar nur selten wirklich in Bedrängnis, agierte aber über weite Strecken in ihrem WM-Auftaktspiel auch noch nicht auf Höchstniveau und hat sicherlich noch Luft nach oben. Im Abendspiel (20.00 Uhr, live in ORF eins) der Gruppe G trifft noch England auf Tunesien.

Mertens trifft zum 1:0 (47. Minute)

Kurz nach der Halbzeitpause schießt Dries Mertens die Belgier per Volley mit 1:0 in Führung.

Verschiedene Fußballwelten

Es war das Duell der Nummer drei der Fußballwelt mit der Nummer 55. Zum Vergleich: Österreich ist derzeit auf Rang 26. Es war auch das Duell einer Mannschaft mit einem Marktwert von rund 750 Millionen Euro mit einem Team, bei dem alle Kaderspieler zusammen lediglich circa acht Millionen Euro an Transfererlösen bringen.

Dries Mertens (Belgien) und Jose Luis Rodriguez (Panama)

Reuters/Hannah McKay

Belgien (im Bild Mertens) musste lange Zeit viel für das Spiel arbeiten, um zum Erfolg zu kommen

Bei den „Roten Teufeln“ aus Belgien gab es nur eine verletzungsbedingte Umstellung. Celtic-Glasgow-Verteidiger Dedryck Boyata ersetzte den angeschlagenen Kapitän Vincent Kompany. Die ersten Minuten verliefen dann auch genauso, wie sich das der Fußballinteressierte vorgestellt hatte. Panama sah kaum einmal den Ball aus der Nähe, höchstens wenn Torhüter Jaime Penedo von Dinamo Bukarest einen Schuss der Belgier abwehren musste.

Belgien drängt auf das 1:0

Doch nach etwa einer Viertelstunde ließ der Druck der Belgier nach und „Los Canaleros“ kamen besser ins Spiel, konnten sogar offensive Nadelstiche setzen. Aber die Elf von Roberto Martinez blieb natürlich die gefährlichere Mannschaft. In der 21. Minute spitzelte Panamas wuchtiger Kapitän Roman Torres, der mit 99 Kilogramm als schwerster Spieler dieser WM gelistet ist, den Ball vor dem zum Abschluss bereiten Lukaku noch ins Torout.

Roman Torres (Panama) und Romelu Lukaku (Belgien)

APA/AFP/Nelson Almeida

Duell der Schwergewichte: Torres (l.) verhinderte mit den Zehenspitzen das mögliche 1:0 durch Lukaku (r.)

Dennoch verging die erste halbe Stunde, ohne dass Belgien bei aller Überlegenheit den Eindruck erwecken konnte, das die „Roten Teufel“ ein echter Anwärter auf den WM-Titel sind. Eden Hazard prüfte Penedo mit einem scharfen Schuss auf die kurze Ecke (37.), doch Panamas Schlussmann war auf dem Posten. Ebenso in der 40. Minute, als er vor dem durchbrechenden Lukaku rettete. In der 41. Minute wäre Penedo allerdings bei einem Volley von Mertens chancenlos gewesen. Der Schuss ging jedoch gut zwei Meter vorbei.

Torlos in die Pause, 1:0 kurz danach

Die zündende Idee, wie Panamas Abwehr zu knacken ist, hatten Hazard und Co. aber bis zum Pausenpfiff nicht. Die vielen Anhänger der „Canaleros“ im Stadion feierten daher das 0:0 zur Halbzeit bereits wie einen Sieg. Doch mit einem herrlichen Volleyheber des Napoli-Legionärs Mertens kurz nach Wiederanpfiff war die gute Laune der Panama-Fans beendet und der Torbann schließlich gebrochen (47.).

Dries Mertens trifft

Reuters/Francois Lenoir

Mit viel Gefühl und auch Selbstvertrauen platzierte Mertens den Ball über Penedo zum 1:0 (47.) im Tor

Belgien konnte mit der Führung im Rücken entspannter spielen, doch in der 54. Minute tauchte plötzlich Michael Murillo vor Thibaut Courtois auf, scheiterte aber am Chelsea-Goalie. Diese Chance war ein Zeichen, dass Panama nicht unterschätzt werden durfte und Belgien weiter konzentriert bleiben musste.

Doppelpack von Lukaku

Kevin de Bruyne und Hazard zogen bei den „Roten Teufel“ weiter die Fäden, und beide Spieler waren in der 69. Minute auch wesentlich an der Entstehung des 2:0 beteiligt. Hazard dribbelte sich durch die Abwehr Panamas, bediente De Bruyne, der mittels Außenristflanke Lukaku ideal anspielte, und der Manchester-United-Stürmer legte erfolgreich sein gesamtes Körpergewicht in den Kopfball.

Lukaku per Kopf zum 2:0 (69. Minute)

Nach sehenswerter Vorarbeit und Außenristflanke von Kevin De Bruyne köpfelt Romelu Lukaku zum 2:0 für Belgien ein.

Chelsea-Regisseur Hazard war es dann auch, der Lukaku in der 75. Minute mit einem Lochpass das 3:0 quasi servierte. Lukaku schlenzte den Ball lässig über Penedo ins Netz. In den Schlussminuten erspielten sich dann die Mittelamerikaner durchaus noch ein paar gute Einschussmöglichkeiten, aber entweder waren die Abschlüsse zu ungenau, oder Courtois hatte noch seine Finger im Spiel. Am Ende war es ein beherzter Auftritt Panamas gegen Belgier, die nur ab und zu ihr großes Potenzial zeigten.

Lukaku mit dem Doppelpack (75. Minute)

Romelu Lukaku schließt einen schnellen Angriff der Belgier kaltschnäuzig zum 3:0 ab.

Stimmen zum Spiel:

Roberto Martinez (Teamchef Belgien): „Wir mussten geduldig sein. In der zweiten Hälfte hat dann die Qualität von Hazard, De Bruyne und Lukaku den Unterschied gemacht. Panama war gut aufgestellt, und wir mussten das erst durchbrechen. Mit diesen drei Punkten zu Beginn können wir jetzt in Ruhe nach vorne schauen.“

Hernan Gomez (Teamchef Panama): „Das war im Grunde ein normales Ergebnis. Wir müssen uns erst an die WM gewöhnen, das zweite Tor hat uns durcheinandergebracht. Aber die Mannschaft hat sich gut auf den Gegner eingestellt, hat gekämpft. Wir sind aber im Sturm gescheitert, da müssen wir uns verbessern. Wir haben eben nicht die Möglichkeiten von Belgien, und deshalb steht es am Ende 0:3.“

Fußball-WM, Gruppe G

Montag:

Belgien – Panama 3:0 (0:0)

Sotschi, Fischt-Stadion, 43.300 Zuschauer, SR Sikazwe (ZAM)

Torfolge:
1:0 Mertens (47.)
2:0 Lukaku (69.)
3:0 Lukaku (75.)

Belgien: Courtois - Alderweireld, Boyata, Vertonghen - Meunier, De Bruyne, Witsel (90./Chadli), Carrasco (74./Dembele) – Mertens (83./Th. Hazard), E. Hazard - Lukaku

Panama: Penedo - Murillo, R. Torres, Escobar, Davis – Barcenas (63./G. Torres), Cooper, Gomez, Godoy, Rodriguez (63./Diaz) – Perez (73./Tejada)

Gelbe Karten: Meunier, Vertonghen, De Bruyne bzw. Davis, Barcenas, Cooper, Murillo, Godoy

Die Besten: Mertens, Lukaku, Hazard bzw. Penedo

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