Themenüberblick

Historischer Erfolg in Saransk

Das Auftaktspiel in Gruppe H hat bei der WM in Russland die nächste Überraschung gebracht. Außenseiter Japan setzte sich am Dienstag vor vor 40.842 Fans in der Mordowia Arena in Saransk gegen Kolumbien mit 2:1 (1:1) durch und sorgte damit bei der 21. Weltmeisterschaft auch für einen historischen Erfolg. Erstmals in der Geschichte konnte eine asiatische Nation bei einer WM-Endrunde einen Sieg gegen ein Team aus Südamerika feiern.

Kolumbien musste allerdings nahezu die gesamte Partie mit zehn Mann bestreiten, nachdem Carlos Sanchez bereits in der dritten Minute wegen Torraubs die Rote Karte gesehen hatte. Den daraus resultierenden Elfmeter verwertete Dortmund-Legionär Shinji Kagawa zur Führung Japans (6.). Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Juan Quintero per Freistoß (39.), sorgte Yuya Osako mit einem Kopfball (73.) für den verdienten Sieg der vor allem nach der Pause klar überlegenen Asiaten.

Japans Siegestreffer durch Osako

Yoya Osako verwertet einen Eckball mit dem Kopf und nach einigen vergebenen Möglichkeiten den 2:1-Siegestreffer für Japan.

Die Japaner revanchierten sich damit auch für die bittere 1:4-Niederlage im Gruppenspiel vor vier Jahren und verschafften sich damit ein gute Ausgangsposition für das Spiel am nächsten Sonntag gegen Senegal. Kolumbien, der WM-Viertelfinalist von 2014, steht indes in der nächsten Partie gegen Polen schon unter Druck.

Kolumbianischer Horrorstart ohne Rodriguez

Kolumbien ging mit einer herben Schwächung ins Spiel. James Rodriguez, der Torschützenkönig von 2014, musste für die Partie passen. Der 26-jährige Bayern-Legionär hatte zuletzt über muskuläre Probleme geklagt und saß vorerst nur auf der Bank. Zu seinem WM-Debüt kam hingegen Torjäger Radamel Falcao. Der 32-Jährige, der 2014 in Brasilien wegen einer Knieverletzung gefehlt hatte, führte sein Team als Kapitän aufs Feld und agierte danach als Solospitze.

Es dauerte keine drei Minuten, da mussten die Kolumbianer schon den nächsten Rückschlag verdauen. Nach einem langen Pass verlor Davinson Sanchez das Laufduell gegen Osako. Dessen Schuss konnte Goalie David Ospina parieren. Den Abpraller übernahm Kagawa direkt. Carlos Sanchez verhinderte den sicheren Treffer mit einem Handspiel und sah dafür die erste Rote Karte bei dieser WM. Den Elfer schob Kagawa lässig in die Mitte des Tores (6.).

Kagawa trifft per Elfer zum 1:0

Davinson Sanchez wehrt einen aus einem japanischen Konter entstandenen Torschuss mit der Hand ab. Durch den daraus entstandenen Elfmeter in die Mitte bringt Shinji Kagawa Außenseiter Japan mit 1:0 in Führung (6.).

Kolumbien mit dem Mut der Verzweiflung

Im Stadion wurde es kurzfristig leiser, denn sowohl Kolumbiens Spieler als auch ihre Fans mussten sich von diesem Horrorstart erholen. Die Schockstarre währte aber nicht lange. Die „Cafeteros“ agierten mit dem Mut der Verzweiflung und drückten auf den schnellen Ausgleich. Falcao verlängerte einen Freistoßflanke auf das Tor von Goalie Eiji Kawashima, der Versuch fiel zu zentral aus (12.).

In den nächsten Minuten entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Kolumbien warf seine defensive Ordnung über Bord und ging hohes Risiko. Für die Japaner öffneten sich dadurch Räume. Takashi Inui hatte auf der linken Seite alle Zeit und allen Platz der Welt, sein schwacher Schuss ging aber am langen Eck vorbei (15.). Danach ließen die Japaner den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren, um dem Spiel ein wenig Tempo und Hektik zu nehmen. Überdies häuften sich die Fouls, weshalb der Spielfluss merklich litt.

Genialer Freistoß bringt Ausgleich

Nach einer halben Stunde nahm Kolumbien-Coach Jose Pekerman einen taktischen Wechsel vor. Etwas überraschend musste mit Juan Cuadrado ein Aktivposten vom Feld. Für den Juventus-Legionär kam Wilmar Barrios, der gleich bei der nächsten Chance für die Japaner beteiligt war. Der Spieler von den Boca Juniors attackierte zu nachlässig, doch auch Osakas Schuss war zu unpräzise (32.).

Diese Nachlässigkeiten sollten sich rächen. Nach einem Zweikampf zwischen Falcao und Makoto Hasabe entschied der slowenische Schiedsrichter Damir Skomina auf Freistoß für Kolumbien. Rodriguez-Ersatzmann Quintero schoss den Ball flach unter die hoch springende japanische Mauer durch. Auch Goalie Kawashima war von der Variante überrascht und konnte den Ball erst hinter der Linie herausfischen. Aufgrund der Torlinientechnologie gab es auch keinen Zweifel am Ausgleich (38.).

Quintero gleicht zum 1:1 aus

Kolumbiens Juan Quintero schießt beim Freistoß direkt aufs Tor und schafft damit den Ausgleich zum 1:1. Japans Goalie fischt den Ball zwar aus dem Tor, dieser war zuvor aber hinter der Linie (39.).

Japan drückt auf die Führung

Nach dem Seitenwechsel kontrollierte Japan das Geschehen. Osako (54.) und Inui (57.) scheiterten mit ihren Schüssen aber an Goalie Ospina (54.). Kolumbien zog sich etwas zurück und kam nur noch selten in die gegnerische Hälfte, da das Umschaltspiel nicht funktionierte. Pekerman hatte genug gesehen. Unter dem Applaus der Fans kam für die letzte halbe Stunde doch noch Rodriguez für den Torschützen Quintero ins Spiel.

Japan-Tormann Eiji Kawashima fängt den Ball hinter der Linie

APA/AFP/Mladen Antonov

Japans Tormann Eiji Kawashima kam bei Kolumbiens Ausgleichstreffer um einen Hauch zu spät

Im Mittelpunkt blieb aber die kolumbianische Defensive. Ein Kopfball von Maya Yoshida ging am Tor vorbei (59.). Auch danach spielte sich das Geschehen eigentlich nur noch in der Hälfte der Kolumbianer ab. Japan verzeichnete Chancen im Minutentakt. Ein Schuss von Keisuke Honda, der für Kagawa ins Spiel gekommen war, wurde für Ospina zur leichten Übung (71.). Ein Versuch von Hiroki Sakai wurde gerade noch zum Eckball abgelenkt.

Osako lässt Japaner jubeln

Aus diesem fiel dann die längst verdiente Führung. Nach der Hereingabe von Honda stieg Osako am höchsten, sein Kopfball ging via Innenstange ins Tor (73.). Während Japan damit endgültig auf Siegeskurs lag, musste Kolumbien die letzten Reserven mobilisieren. Das letzte Aufbäumen gelang allerdings nur in Ansätzen. Rodriguez kam im Strafraum zum Abschluss, doch Osako warf sich wagemutig in den Schuss und verhinderte damit Schlimmeres (78.).

Der Gesichtsausdruck der Kolumbianer wurde immer verzweifelter. Japan agierte abgeklärt, hielt den Ball in den eigenen Reihen und verlagerte damit das Spiel ins Mittelfeld. Die fünfminütige Nachspielzeit brach an. Kolumbien kam nur noch einmal in den Strafraum. Falcao stand bei dem Zuspiel allerdings im Abseits.

Stimmen zum Spiel:

Jose Pekerman (Teamchef Kolumbien): „Die Rote Karte war fatal und hat uns das Leben schwergemacht. Japan hat das Spiel vor allem in der zweiten Halbzeit gut kontrolliert. Wir sind müde geworden und haben den Rhythmus verloren.“

Akira Nishino (Teamchef Japan): „Wir waren von Beginn an sehr aggressiv. Wir hatten schnell den Vorteil der Überzahl, aber es geht nicht nur um die Anzahl der Spieler. Man muss diesen Vorteil auch ausnutzen. Nach dem ersten Tor haben wir Kolumbien zu viel Platz gelassen. In der Pause haben wir das angesprochen und in der zweiten Hälfte besser umgesetzt.“

Fußball-WM, Gruppe H

Dienstag:

Kolumbien - Japan 1:2 (1:1)

Saransk, Mordowia Arena, 40. 842 Zuschauer, SR Skomina (SLO.

Torfolge:
0:1 Kagawa (6./Elfmeter)
1:1 Quintero (39.)
1:2 Osako (73.)

Kolumbien: Ospina - Arias, D. Sanchez, Murillo, Mojica - C. Sanchez, Lerma - J. Cuadrado (31./Barrios), Quintero (59./Rodriguez), Izquierdo (70./Bacca) - Falcao

Japan: Kawashima - H. Sakai, Yoshida, Shoji, Nagatomo – Shibasaki (80./Yamaguchi), Hasebe - Haraguchi, Kagawa (70./Honda), Inui – Osako (85./Okazaki)

Rote Karte: C. Sanchez (3./Torraub)

Gelbe Karten: Barrios, Rodriguez bzw. Kawashima

Die Besten: Lerma, Falcao bzw. Hasebe, Nagatomo, Osako

Links: