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Erster afrikanischer Sieg bei dieser WM

Senegal hat am Dienstag einen traumhaften Start in die Fußball-WM bejubelt. Vor 44.190 Zuschauern im Spartak-Stadion in Moskau setzte sich das Team um Starstürmer Sadio Mane gegen Polen mit 2:1 durch. Während auf der einen Seite der erste Sieg einer afrikanischen Mannschaft bei dieser WM gefeiert wurde, war es für die im Angriff zu ineffektiven Polen mit Offensivstar Robert Lewandowski ein extrem unglücklicher Auftakt in Gruppe H.

Denn ein Eigentor von Thiago Cionek in der 37. Minute hatte Senegal mehr oder weniger aus dem Nichts in Führung gebracht. Erst in der zweiten Hälfte entwickelte Polen etwas mehr Druck, fing sich dann aber noch einen zweiten Gegentreffer ein - und der war äußerst kurios.

Kurioses 2:0 für Senegal durch Niang (60. Minute)

M’Baye Niang spitzelt einen verunglückten Rückpass der Polen an Tormann Wojciech Szczesny vorbei und erzielt das 2:0 für Senegal.

M’Baye Niang schob den Ball in der 60. Minute zum 2:0 ins Netz, nachdem er im Anschluss an eine Behandlung an der Outlinie vom Referee zurück ins Spiel gewunken wurde und damit die Abwehr der Polen buchstäblich auf dem falschen Fuß erwischte. Grzegorz Krychowiak köpfelte in der 86. Minute noch das 1:2, doch damit konnte er die Niederlage nicht mehr verhindern.

Prächtige Stimmung, aber schwacher Beginn

Rund 30.000 Fans aus Polen sorgten in der ausverkauften Spartak-Arena für ein Heimspiel der Mannschaft um Bayern-Stürmer Lewandowski. Schon den ganzen Tag über war das Moskauer Stadtzentrum fest in rot-weißer Hand. Der Rote Platz war erstmals seit den offiziellen Eröffnungsfeierlichkeiten vor einer Woche wieder geöffnet. Ein paar WM-Touristen aus Senegal mischten sich unter die polnischen Massen. Sie besangen vor allem die außerordentlichen Fähigkeiten ihres Hoffnungsträgers Sadio Mane vom FC Liverpool.

Sadio Mane (Senegal)

APA/AFP/Francisco Leong

Im Duell der Toptorjäger zwischen Robert Lewandowski und Sadio Mane hatte der Senegalese die Nase vorne

Die beiden Stars des Spiels führten die Teams als Kapitäne auf den geradezu perfekten Rasen. Dieser war von leichtem Nieselregen vor Anpfiff noch eine Spur schneller geworden. Nach dem Anpfiff von Referee Nawaf Schukralla aus Bahrain ging es jedoch eher verhalten los. Die Polen waren zunächst darauf bedacht, den Ball konzentriert in ihrer flexiblen 4-2-3-1-Formation zu halten. Darüber vernachlässigten sie aber noch den Endzweck des Spiels. Die Innenverteidigung Senegals mit Kalidou Koulibaly (Napoli) und Salif Sane (Hannover) - beide 1,96 Meter groß - hatte alles im Griff.

Eigentor bringt Polen in Rückstand

In der Offensive kam von den Afrikanern ebenfalls noch nicht viel. Erst in der 19. Minute vergab Niang die erste gute Torgelegenheit des Spiels überhaupt. Mane sollte halblinks eine hängende Spitze geben, hing aber vorerst noch in der Luft. Lewandowskis erster Schuss (23.) verfehlte das Tor weit. Arkadiusz Milik, Torjäger von Napoli, bekam wie sein Nebenmann keine gefährlichen Bälle. Die Polen haderten mehrmals mit dem zähen Spielverlauf. Senegal sah wiederum keine Veranlassung, mehr zu tun, als kompakt zu stehen und auf schnelle Konter zu lauern.

1:0 für Senegal durch Eigentor (37. Minute)

Idrissa Gueye schießt nach einer schönen Kombination auf das Tor, der Ball wird von Thiago Cionek unhaltbar für Polens Schlussmann Wojciech Szczesny abgefälscht.

Zumindest die zahlenmäßig weit unterlegenen, dafür aber in farbenprächtigen Outfits gekommenen afrikanischen Fans gaben Vollgas. Zum Dauerrhythmus der Trommeln tanzten sie auf den Rängen und hatten die erste gute Kopfballchance von Mame Diouf (33.) zu bejubeln. Und es sollte noch viel besser kommen für die von Cheftrainer Aliou Cisse taktisch klug eingestellten Senegalesen. In der 37. Minute eroberte Niang den Ball im Mittelfeld, spielte weiter auf Mane. Der legte für Idrissa Gueye auf, und dessen Schuss lenkte Verteidiger Cionek von Spal Ferrara unhaltbar für Schlussmann Wojciech Szczesny zum 0:1 ins eigene Tor ab.

Polen legen einen Zahn zu

Restlos bedient schlichen die Polen dann in die Pause. Für eine in der Offensive sehr schwache erste Halbzeit waren sie bitter bestraft worden. Mane legte also im Duell der Stürmerstars vor. Lewandowski und die Polen mussten im ersten Duell der beiden Länder überhaupt zumindest einen Gang höherschalten. Das taten sie nach Seitenwechsel. Teamchef Adam Nawalka hatte eine Veränderung vorgenommen, er ersetzte Jakub Blaszczykowski durch Jan Bednarek. Nach 50 Minuten zirkelte Lewandowski einen herrlichen, von ihm selbst herausgeholten Freistoß über die Mauer in Richtung rechte Kreuzecke. Doch Khadim Ndiaye hielt bravourös.

Superparade von Senegal-Goalie N’Diaye (50. Minute)

Mit einer Superparade entschärft Senegal-Tormann Khadim N’Diaye einen Freistoß von Robert Lewandowski.

Polen agierte nun schneller, direkter nund aggressiver. Das tat der Partie gut. Senegal fuhr den einen oder anderen gefährlichen Konter. Lukas Piszczek von Borussia Dortmund hatte nach 56 Minuten seine bis dahin beste Aktion, setzte einen Volley relativ knapp daneben. Insgesamt roch es eher nach Ausgleich als nach einem weiteren Tor der Senegalesen. Viel Hektik war nun im Match.

Kurioser zweiter Treffer Senegals

Und dann wurde es neben intensiv auch noch überaus kurios: Offensivmann Niang verletzte sich in einem der vielen Zweikämpfe, musste an der Outlinie verarztet werden. Nach kurzer Zeit bekam er vom Referee das Signal, dass er zurück auf das Feld durfte. Just in diesem Augenblick wollte Grzegorz Krychowiak von der Mittellinie zurück zu Torhüter Szczesny passen. Torino-Stürmer Niang erkannte die Situation blitzschnell, ersprintete den Ball gegen Bednarek, überspielte Szczesny und schob zum 2:0 (60.) ins leere Tor ein.

Mbaye Niang (Senegal) trifft

AP/Themba Hadebe

Diese Szene sorgte für viel Gesprächsstoff: Niang nutzt seine Einwechslung im Konter zum 2:0 (60.) aus

Reklamationen der schockierten Polen gab es. Doch Schiedsrichter Schukralla hatte regelkonform gehandelt - auch wenn es in dieser Situation für Polen wieder extrem unglücklich gelaufen war. Milik (70.) war der Erste, der sein Team mit einem gefährlichen Abschluss aus der Starre holte. Ein weiterer Kopfball aus guter Position strich knapp an der rechten Stange vorbei.

Krychowiak gelingt der Anschlusstreffer (86. Minute)

Grzegorz Krychowiak gelingt nach einem Freistoß per Kopf der Anschlusstreffer zum 1:2 für Polen.

Erst in der 86. Minute führte die polnische Schlussoffensive zu einem zählbaren Erfolg. Krychowiak köpfelte den Ball nach einem Freistoß in die rechte Kreuzecke. Zu mehr reichte es aber nicht mehr.

Stimmen zum Spiel:

Aliou Cisse (Teamchef Senegal): „Ich denke, wir haben unser Bestes gezeigt. Natürlich ist es auf dem internationalen Parkett schwierig, das ist die Weltmeisterschaft. Aber wir haben hart gearbeitet. Die Disziplin war der Unterschied, besonders in der ersten Hälfte haben wir gut gearbeitet. Ich war vor allem mit der Defensive zufrieden, offensiv müssen wir noch arbeiten.“

Wojciech Szczesny (Tormann Polen): „Es waren zwei unnötige Tore, die zweite Situation war auch merkwürdig. Es ist schade, es war ein sehr schlechter Auftakt. Die zweite Hälfte war besser, aber es hat nicht gereicht. Wir müssen weiter hart kämpfen. Mit dem richtigen Willen, werden wir es schaffen.“

Fußball-WM, Gruppe G

Dienstag:

Polen - Senegal 1:2 (0:1)

Moskau, Spartak-Stadion, 44.200 Zuschauer, SR Shukrall (BHR)

Torfolge:
0:1 (37.) Cionek (Eigentor)
0:2 (60.) Niang
1:2 (86.) Krychowiak

Polen: Szczesny - Piszczek (83./Bereszynski), Cionek, Pazdan, Rybus - Krychowiak, Zielinski - Blaszczykowski (46./Bednarek), Milik (73./Kownacki), Grosicki - Lewandowski

Senegal: K. Ndiaye - Wague, Sane, Koulibaly, Sabaly - Sarr, A. Ndiaye (87./Kouyate), Gueye, Mane - Niang (75./Konate), Diouf (62./N’Doye)

Gelbe Karten: Krychowiak bzw. Sane, Gueye

Die Besten: Keiner bzw. Mane, Sarr

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