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Erfolgreicher Auftritt der Gastgeber

Russland marschiert mit großen Schritten in Richtung Achtelfinale der Fußball-WM 2018. Die Gastgeber feierten am Dienstag vor 64.500 Zuschauern im ausverkauften St.-Petersburg-Stadion einen 3:1 (0:0)-Erfolg gegen Ägypten. Mit nun zwei Siegen führen die Russen die Gruppe A ohne Punkteverlust vor Uruguay an und können von den beiden Aufstiegsplätzen kaum noch verdrängt werden. Als letzter Gruppengegener warten die Südamerikaner.

Wie beim 5:0-Auftaktsieg gegen die Saudis präsentieren sich die Russen auch gegen Ägypten in Topform, wiewohl in der ersten Hälfte keine Tore gelingen wollten. Nach dem Seitenwechsel ging es dafür Schlag auf Schlag. Ein Eigentor von Ahmed Fathi (47.) brachte die Russen voran, ein Doppelschlag von Denis Tscheryschew (59.) und Artjom Dsjuba (62.) sorgte für die Entscheidung. Der Ehrentreffer für Ägypten gelang Liverpool-Star Mohammed Salah (73.) durch einen Elfmeter.

„So ist eben der Fußball“

Mit derzeit null Punkten ist der Zug ins Achtelfinale für Ägypten nahezu abgefahren. „Wir sind praktisch ausgeschieden“, bedauerte Teamchef Hector Cuper, der die Partie trocken analysierte: „Diese Minuten mit den zwei Toren sind ganz schlecht für uns gelaufen, Tore passieren aus Fehlern, vielleicht hat die Konzentration nicht gepasst. So ist eben der Fußball.“ Stanislaw Tschertschessow, der russische Teamchef, sagte nur: „Wir wollten einfach siegen, und das haben wir auch geschafft.“

Russische Spieler jubeln

AP/Martin Meissner

Jubel in den Reihen der bisher souveränen Gastgeber

Ersehntes Debüt von Salah

Für Ägypten war endlich Salah zu seinem ersehnten WM-Debüt gekommen. Der von seiner Schulterverletzung genesene Liverpool-Star hatte bei der Niederlage gegen Uruguay (0:1) nur die Bank gedrückt. Nun sollte der 26-Jährige für frischen Wind im Angriff der Ägypter sorgen, die zuletzt in vier von fünf Spielen inklusive jenem gegen Uruguay keinen Treffer erzielt hatten. In der WM-Quali waren laut Statistik 71 Prozent aller ägyptischen Tore auf Salahs Kappe gegangen.

Treffer ohne Wert beim Debüt

Mohammed Salah sorgte bei seinem WM-Debüt für den Ehrentreffer der Ägypter beim 1:3 gegen Russland. Groß gefreut dürfte er sich darüber nicht mehr haben.

Russlad-Trainer Tschertschessow wiederum konnte im Großen und Ganzen auf die Siegermannschaft vom WM-Auftakt gegen Saudi-Arabien vertrauen. Nur Offensivspieler Alan Dsagojew fehlte wegen einer Oberschenkelblessur, die er im Eröffnungsspiel erlitten hatte. Für ihn rückte Doppeltorschütze Tscheryschew in die Stammelf. Im Sturm musste Fjodor Smolow für Dsjuba Platz machen.

Motiviert auch ohne Putin

Verzichten mussten die Russen neben Dsagojew allerdings auch auf Präsident Wladimir Putin, der im Eröffnungsspiel im Moskauer Luschniki-Stadion erfolgreich die Daumen gedrückt hatte. Für das zweite Spiel in St. Petersburg ließ sich Putin wegen eines Termins in Weißrussland entschuldigen. Putins Absenz auf der Tribüne sollte sich auf die Moral der Russen auf dem Rasen nicht auswirken.

Ebenso motiviert wie schwungvoll starteten sie in die Partie, die Angriffswelle rollte gegen das ägyptische Tor. 64.000 euphorische Fans im ausverkauften Sankt-Petersburg-Stadion, die meisten davon aus Russland, setzten wohl zusätzliche Kräfte frei. Erstmals Alarm im ägyptischen Strafraum gab es in der sechsten Minute, als erst Sergej Ignaschewitsch und kurz darauf Roman Sobnin mit ihren Schüssen aus kurzer Distanz scheiterten.

Ägypter leisten Widerstand

Die Russen hatten das Kommando mit Nachdruck übernommen. Die Ägypter wirkten nervös, wussten sie doch, dass eine weitere Niederlage dem WM-Aus gleichkommen würde. Dirigiert von Coach Cuper waren sie in erster Linie darum bemüht, Ruhe ins Spiel zu bringen. Selten kamen sie in die Nähe des russischen Strafraums - falls doch, wurde es für die Russen brenzlig: Wie bei einem 15-m-Schuss von Trezeguet, der sich am rechten Eck vorbeidrehte (15.).

Warnschuss von Trezeguet

Trezeguet mit der bis dahin besten Chance im Spiel. Er schlenzt den Ball knapp am russischen Tor vorbei.

Von Salah war bis dahin keine Gefahr ausgegangen. Er arbeitete viel, kämpfte um seine Chance - vor dem Strafraum war allerdings meist Endstation. Mit Fortdauer der ersten Hälfte fand sich zumindest die ägyptische Defensive. Die schnellen russischen Angriffe konnten oft abgefangen werden, ehe sie richtig gefährlich wurden. Der letzte Pass kam bei der „Sbornaja“ ohnehin selten an, so sehr sie sich darum bemühte. Zwingende Chancen gab es in der ersten halben Stunde auf beiden Seiten nicht.

Pause zur rechten Zeit

Der Anfangselan der Russen verpuffte wirkungslos. Und je länger die Partie dauerte, desto besser antizipierten die Ägypter, die auch in der Offensive einen Gang zulegten. Erstmals war es Salah, der in der 42. Minute für eine Schrecksekunde beim russischen Tormann Igor Akinfejew sorgte, indem er im Strafraum nach einer Linksdrehung mit links nur knapp das linke Eck verfehlte. Der Pausenpfiff von Referee Enrique Caceres (PAR) dürfte gerade den Russen ganz recht gekommen sein.

Riesenchance für Salah

Mohammed Salah kommt zu seiner ersten großen Chance, dribbelt seinen Gegenspieler an der Strafraumgrenze aus und schießt knapp am Tor vorbei.

Intensiv und mit unveränderten Formationen wurde die Partie nach Seitenwechsel fortgesetzt. Wieder waren es die Russen, die nach Anpfiff mit Tempo nach vorne drückten. Anders als in der ersten Hälfte war ihnen das Glück nach der Pause hold - die erste Aktion führte zur Führung. Durch ein Hybrid aus Pass und Schuss von Sobnin landete der Ball im ägyptischen Strafraum am Schienbein von Fathi, von dem er abprallte und unhaltbar für Goalie Mohammed al-Schenawi im Netz landete (47.).

Eigentor bringt Russen voran

Ahmed Fathi lenkt einen harmlosen Schuss von Roman Sobnin unhaltbar für seinen Schlussmann ins eigene Tor.

Doppelschlag macht alles klar

Die Ägypter setzten in der Not alles auf die Angriffskarte, schaltete kompromisslos auf Offensive. Der dadurch frei gewordene Raum spielte den Russen in die Hände. Und so fiel binnen weniger Minuten die endgültige Entscheidung. Zunächst bediente Mario Fernandes mit einem präzisen Pass in den Strafraum Tscheryschew, der mit seinem dritten Treffer bei dieser WM trocken auf 2:0 stellte (59.). Drei Minuten später erhöhte Dsjuba vom Fünfer auf 3:0. In beiden Fällen war Schenawi chancenlos.

Entscheidung durch Dsjuba

Artjom Dsjuba setzt sich nach einem Freistoß aus der russischen Hälfte im Strafraum durch und erzielt das entscheidende Tor zum 3:0.

Aber selbst in aussichtsloser Situation gaben die Ägypter nicht auf, wiewohl der vorzeitige WM-Abschied bedrohlich nahegerückt war. Nach einem der unermüdlichen Angriffe kam Salah zu seinem großen Auftritt. Der ägyptische Starstürmer wurde im Strafraum gefoult, nach Videoanalyse zeigte Schiri Caceres auf den Elfmeterpunkt. Diese Chance ließ sich der Gefoulte nicht nehmen - Salah verwandelte den Strafstoß souverän mit einem halbhohen Schuss ins rechte Eck (73.). Damit war das Pulver der verzweifelt kämpfenden Ägypter jedoch verschossen.

Fußball-WM, Gruppe A

Dienstag:

Russland - Ägypten 3:1 (0:0)

Sankt-Petersburg-Stadion, 64.500 Zuschauer, SR Caceres (PAR)

Torfolge:
1:0 Fathi (47./Eigentor)
2:0 Tscheryschew (59.)
3:0 Dsjuba (62.)
3:1 Salah (73./Elfmeter)

Russland: Akinfejew - Fernandes, Kutepow, Ignaschewitsch, Schirkow (86./Kudriaschow) - Gasinski, Sobnin - Samedow, Golowin, Tscheryschew (75./Kusjajew) - Dsjuba (79./Smolow)

Ägypten: Schenawi - Fathi, Gabr, Hegasi, Abdel Schafi - Neni (64./Warda), Hamid - Salah, Said, Trezeguet (68./Sobhi) - Mohsen (82./Kahraba)

Gelbe Karten: Smolow bzw. Trezeguet

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