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„Danish Dynamite“ zündet nicht

Das erste Spiel am zweiten Spieltag der Gruppe C hat am Donnerstag das vierte Remis der Fußball-WM in Russland gebracht. Dänemark und Australien trennten sich in Samara vor 40.700 Zuschauern mit 1:1 (1:1). Christian Eriksen hatte Dänemark früh in Führung gebracht (7.), Mile Jedniak gelang jedoch noch vor der Pause aus einem Elfmeter (37.) der Ausgleich.

Dänemarks Torhüter Kasper Schmeichel konnte sich in der Schlussphase mit einigen guten Paraden auszeichnen. Die Skandinavier gehen damit mit vier Punkten in das letzte Gruppenspiel gegen Frankreich am Dienstag (16.00 Uhr).

Doppelchance für Australien (88. Minute)

Die „Socceroos“ drängen auf den Siegestreffer - gleich zwei gute Möglichkeiten ergeben sich binnen weniger Augenblicke.

Australien, das in der Endphase gegen immer harmloser werdende Dänen sogar dem Sieg nahe war, hat einen Zähler auf dem Konto, bekommt es am Dienstag mit Peru tun und hat noch Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale.

Eriksen zeigt seine Klasse

Dänemark musste William Kvist vorgeben, der im ersten Spiel gegen Peru bereits in der ersten Hälfte mit einer Rippenfraktur ausgeschieden war. Er wurde durch Routinier Lasse Schöne von Sturms Champions-League-Qualifikationsgegner Ajax Amsterdam ersetzt.

Die erste gute Chance im Match hatte aber Australiens Hertha-BSC-Legionär Mathew Leckie, dessen Kopfball in der fünften Minute über das Tor ging. Wie man den Ball im Tor unterbringt, zeigte Eriksen, der Dänemark mit einem wuchtigen Halbvolley unter die Latte mit 1:0 in Führung schoss (7.). Die ideale Vorlage an der Strafraumgrenze kam von Nicolai Jörgensen.

Eriksen schießt Dänen in Führung (7. Minute)

Dänemarks Starspieler Christian Eriksen erzielt seinen ersten WM-Treffer: Nicolai Jörgensen legt auf den Tottenham-Legionär ab, der halbvolley zum 1:0 verwertet.

Vor dem Spiel hatte es noch Diskussionen unter Dänemarks Fans gegeben, ob Eriksen in WM-Form sei. Mit seinem sehenswerten Treffer widerlegte der Tottenham-Star wohl alle Zweifel. Australien benötigte in der Folge eine gute Viertelstunde, um den Schock abzuschütteln und sich selbst einige Chancen zu erspielen.

Australien gleicht wieder aus

Doch die beste Möglichkeit auf einen zweiten Treffer hatte wieder Dänemark. Jörgensen setzte einen scharfen Kopfball nach Maßflanke von Henrik Dalsgaard neben die und nicht zwischen die Stangen. Die Skandinavier kontrollierten weiter das Spiel, kamen hauptsächlich über die linke Seite.

Jedinak trifft Elfer nach Videobeweis (39. Minute)

Nach Ansicht der Videobilder entscheidet Schiedsrichter Meteu Lahoz auf Strafstoß für Australien. Kapitän Mile Jedinak verwandelt seinen zweiten Penalty im Turnier zum 1:1.

Die „Socceroos“ hatten aber auch ihre Chancen. Robbie Kruses Torschuss nach Vorlage von Leckie wurde jedoch noch rechtzeitig abgeblockt (30.). Nichts zu blocken gab es beim Elfmeter für Australien in der 38. Minute, den Kapitän Jedinak staubtrocken zum 1:1 verwertete. Damit ging nach 572 Minuten auch die Torsperre von Kasper Schmeichel zu Ende.

Jedinak und Poulsen als „Wiederholungstäter“

Jedinak, der durch seinen mächtigen schwarzen Bart gepaart mit wildem Blick zu den markantesten Spielern dieser WM zählt, hatte bereits zum Auftakt beim 1:2 gegen Frankreich Australiens Tor per Elfer erzielt. Der Strafstoß wurde nach Videobeweis verhängt, in dem Videoschiedsrichter Mark Geiger (USA) ein absichtliches Handspiel von Yussuf Poulsen erkannte. Der Leipzig-Legionär sah dafür auch die Gelbe Karte.

Torszene

APA/AFP/Emmanuel Dunand

Was ein echter „Socceroo“ ist, kann auch hoch springen: So wie hier Jedinak nach seinem geglückten Elfmeter

Poulsen hatte bereits gegen Peru durch ein Foul einen Elfmeter verursacht, der jedoch von Christian Cueva vergeben worden war. Lange hätte sich Australien nicht über den Spielstand freuen können, wenn nicht Goalie Mathew Ryan einen Abpraller von Trent Sainsbury gerade noch abfangen konnte. Es wäre bereits das sechste Eigentor der WM gewesen.

Die zündende Idee fehlt

Während sich Dänemark ohne erkennbare Notwendigkeit immer weiter zurückzog, setzte Australien nach. Die Elf von Bert van Marwijk musste auch punkten, um noch realistische Chancen auf das Weiterkommen zu haben. Auch nach der Pause wurde das „Danish Dynamite“ vorerst nicht zur Explosion gebracht. Die zündende Idee fehlte. Wenn auch die Dänen wieder offensiver wurden.

Australien lauerte hingegen auf den Konter oder auf Schwächen in der dänischen Defensive. So klärte Dalsgaard in höchster Not nach einem scharfen Querpass von Leckie. Die „Socceroos“ setzten nach. Ein Schuss von Aaron Mooy (71.) sauste nur knapp über das Tor. Auf der Gegenseite ging ein Schlenzer von Pione Sisto nur um Zentimeter vorbei (72.).

Australier drängen auf 2:1

Australien musste dann Verteidiger Andrew Nabbout vom Platz nehmen, der sich nach einem Zweikampf an der Schulter verletzte. Für ihn kam Tomi Juric von Luzern (SUI) ins Spiel (75.). Die „Aussies“ blieben weiter am Drücker, Dänemark hatte in der Offensive nichts Gefährliches zu bieten.

Kasper Schmeichel (Dänemark)

APA/AFP/Emmanuel Dunand

Kasper Schmeichel bewahrte Dänemark in den Schlussminuten vor einer Niederlage

Dafür durften sich die Nordeuropäer in dieser Phase bei ihrem Torhüter Schmeichel bedanken, nicht einen späten Gegentreffer zu kassieren. Der Schlussmann von Leicester City machte einige Torchancen der Australier durch Leckie und Daniel Arzani zunichte.

„Die hatten Angst vor uns“

„Die hatten Angst vor uns in der zweiten Hälfte. Wir hatten heute überhaupt kein Glück und hätten ein Tor mehr machen sollen“, meinte dann auch Australiens Teamchef Bert van Marwijk nach dem Match.

Das Positivste für Dänemark an dem Spiel war die Tatsache, dass es mittlerweile wettbewerbsübergreifend 16 Spiele in Folge nicht mehr verloren hat. Seit der 0:1-Niederlage im Oktober 2016 gegen Montenegro gab es neun Siege und sieben Unentschieden. Lediglich Spanien (21) und Belgien (20) können noch längere Erfolgsserien vorweisen.

Stimmen zum Spiel:

Mile Jedinak (Torschütze Australien): „Es war irgendwie eine Fortsetzung der ersten Partie. Es war unglücklich, dass wir keine drei Punkte geholt haben. Aber wir sind sehr, sehr stolz, wir haben noch immer eine Chance und werden alles daran setzen, dass wir das schaffen. Es war ein schwacher Start von uns, aber wir hätten das Spiel gewinnen können, haben sie unter Druck gesetzt und hatten viele Szenen in der Nähe des Strafraums. Die Dänen hatten nur ganz wenige Möglichkeiten, und mit etwas Glück hätten wir hier gewonnen. Wir glauben noch an den Aufstieg – bis zum Schlusspfiff am Dienstag.“

Bert van Marwijk (Teamchef Australien): „Die Enttäuschung ist groß nach zwei Spielen, wo wir schon vier Punkte haben hätten sollen. Wir hätten es verdient. Wir haben sehr gut gespielt gegen die Nummer zwölf der Welt. Wir hatten Chancen zu gewinnen. Ich kann den Spielern nichts vorwerfen, sie haben alles gegeben und hätten es verdient gehabt, zu gewinnen.“

Age Hareide (Teamchef Dänemark): „Meine Spieler haben müde gewirkt, je länger das Spiel gedauert hat. Wir haben mit Einwechslungen versucht, neue Energie reinzubringen, aber unser Spiel war unruhig. Wir haben den Ball zu oft verloren, zu viele Konter zugelassen. Aber das ist eine WM - es ist sehr hart, aber so ist es. Australien spielt sehr diszipliniert, Frankreich hatte Glück, sie zu schlagen. Aber das wussten wir. An Einsatz hat es meiner Mannschaft nicht gemangelt.“

Fußball-WM, Gruppe C, zweiter Spieltag

Donnerstag:

Dänemark - Australien 1:1 (1:1)

Samara, 40.727 Zuschauer, SR Mateu (ESP)

Torfolge:
1:0 Eriksen (7.)
1:1 Jedinak (38./Elfmeter)

Dänemark: Schmeichel - Dalsgaard, Kjaer, Christensen, Stryger Larsen - Schöne, Delaney - Poulsen (59./Braithwaite), Eriksen, Sisto - N. Jörgensen (68./Cornelius)

Australien: Ryan - Risdon, Sainsbury, Milligan, Behich - Jedinak, Mooy - Leckie, Rogic (82./Irvine), Kruse (68./Arzani) - Nabbout (75./Juric)

Gelbe Karten: Poulsen (im nächsten Spiel gesperrt), Sisto

Beste Spieler: Kjaer, Sisto bzw. Mooy, Leckie

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