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Navas gegen Brasilien

Zwei Tore in der Nachspielzeit haben Brasilien am Freitag noch einen hart erkämpften 2:0-Erfolg gegen Costa Rica gebracht. Die „Selecao“ hält damit in der Gruppe E bei vier Punkten aus zwei Spielen und liegt auf Aufstiegskurs, die Mittelamerikaner dürfen hingegen nach der zweiten Niederlage dem Achtelfinale der Fußball-WM nur im Fernsehen beiwohnen.

Nach den Auftaktspielen waren beide Teams enorm unter Druck gestanden. Costa Rica bot eine beherzte kämpferische Leistung und konnte sich vor allem auf Tormann Keylor Navas verlassen, der gefühlt die meisten Ballkontakte hatte und die nach der Pause starken Brasilianer mit Glanzparaden zur Verzweiflung brachte.

Coutinho erlöst die „Selecao“ (90. + 1. Minute)

Nach all den vergebenen Chancen ist es Coutinho der aus kurzer Distanz trifft.

Erst in der Nachspielzeit, als vieles trotz der drückenden Überlegenheit der „Selecao“ auf die erste Nullnummer dieser WM hindeutete, sorgten Philippe Coutinho (91.) und Superstar Neymar (97.) für die Erlösung.

Keine Überraschungen zu Beginn

Trotz der Kritik an Neymar („schadet dem Team“, schrieb etwa die Zeitung „Zero Hora“) führte in der 4-3-3-Aufstellung natürlich kein Weg am Superstar vorbei. Teamchef Tite nahm gegenüber dem 1:1 zum Auftakt gegen die Schweiz und dem Testspiel in der Vorbereitung gegen Österreich (3:0) nur eine Veränderung vor, Fagner von Corinthia spielte statt des verletzten Danilo als Rechtsverteidiger. Bei Costa Rica in der defensiv ausgerichteten 5-4-1-Formation ersetzte Bryan Oviedo von Sunderland Francisco Calvo.

Die Rollen waren von Beginn an klar verteilt: Costa Rica spielte innerhalb der ersten Minute zwei Rückpässe, Brasilien kam nach drei Minuten zum ersten Schuss durch Coutinho. Die Südamerikaner versuchten, sich durch die dichte Defensive zu kombinieren, bis auf den Tormann, zwei, drei Verteidiger und Costa Ricas Konterstürmer Marcos Urena versammelten sich meist alle Spieler in der Hälfte der Mittelamerikaner.

Brasilien sucht ein Durchkommen

Umso überraschender fand Costa Rica in der 13. Minute die erste ernstzunehmende Chance des Spiels vor, als Cristian Gamboa rechts durchbrach, Celso Borges seine Hereingabe aber neben das Tor setzte. Der Angriff machte dem Außenseiter Mut, auch weil Brasilien offensiv nicht wirklich gefährlich wurde. Tormann Navas berührte erst in der 19. Minute nach einer Freistoßflanke von Neymar erstmals den Ball mit den Händen. In der Schussstatistik lag die „Selecao“ nach einem Viertel des Spiels 1:3 zurück.

Neymar und Douglas Costa  (Brasilien)

APA/AP/Dmitri Lovetsky

Anspannung und Erlösung waren den Brasilianern nach dem Sieg ins Gesicht geschrieben

Als der Ball nach 26 Minuten durch Gabriel Jesus doch einmal im Netz zappelte, dann nur, weil der ManCity-Stürmer im Abseits stand. Gegolten hätte wenig später ein Tor von Neymar, der nach einem weiten Pass aber knapp gegen Navas zu kurz kam. Die Brasilianer änderten zeitweilig die Taktik und versuchten es mit weiten Pässe auf die schnellen Spitzen.

Jedenfalls schalteten sie einen Gang höher. Zählbares schaute nicht heraus, erwähnenswert war höchstens ein Weitschuss von Marcello, den sein Real-Madrid-Clubkollege Navas sicher hielt. 64:36 Prozent Ballbesitz und 7:3 Schüsse zur Halbzeit brachten nichts, da es in der Torstatistik weiter 0:0 stand. Mehr Tempo und Bewegung wäre der Weg, Costa Ricas Abwehr zum Wanken zu bringen.

Navas lässt Brasilianer verzweifeln

Die Einwechslung von Douglas Costa statt Willian sollte auf der rechten Seite mehr Schwung bringen. Die erste Möglichkeit bot sich auch gleich drei Minuten nach Wiederanpfiff, Navas blieb aber Sieger gegen Neymar. Bei einem Kopfball von Jesus war der Goalie geschlagen, die Latte sprang aber hilfreich ein. Beim darauffolgenden Schuss von Pualinho rettete Gamboa vor der Linie. So nah wie bei dieser Doppelchance war Brasilien einem Torerfolg 49 Minuten lang nicht.

Die „Selecao“ erhöhte den Druck: Neymar, der eine auffällige Partie spielte, fand aus zehn Metern in Tormann Navas seinen Meister. Paulinho passte zu Coutinho, dessen Schuss bändigte Navas im Nachfassen. Costa Rica durfte sich in dieser Phase bei seinem Schlussmann bedanken, dass es nicht schon im Rückstand lag.

Effizienz fehlt schmerzlich

Auf der Gegenseite mussten die Brasilianer bei den Gegenstößen der Mittelamerikaner - Christian Bolanos ersetzte Urena im Angriff - hellwach sein, nicht doch ein Tor zu kassieren. Miranda köpfelte vor dem bereitstehenden Johan Venegas den Ball noch weg. Die Partie spielte sich jedoch weiterhin großteils vor und im Strafraum des Außenseiters ab, Navas war auch bei einem Kopfball von Casemiro zur Stelle.

Neymar zirkelte seinen Schuss aus 18 Metern knapp an der Ecke vorbei, der fünffache Weltmeister ließ weiter die nötige Effizienz im Angriff vermissen. Knapp 15 Minuten blieben den Brasilianern noch für einen entscheidenden Treffer. Räume gab es mittlerweile immer mehr, Torchancen auch.

Kein Elfmeter und kein Tor

Wenn es aus dem Spiel nicht geht, dann muss eine Standardsituation Abhilfe schaffen - dachten zumindest die Brasilianer. Neymar, der schon mehrmals erfolglos Elfmeter gefordert hatte, nützte einen leichten Zupfer von Giancarlo Gonzalez, um wieder einmal theatralisch zu fallen. Schiedsrichter Björn Kuipers entschied auf Elfmeter, revidierte seine Entscheidung nach einem Videobeweis aber.

Elferpfiff wird zurückgenommen (78.)

Nachdem der Schiedsrichter zuerst auf Elfer für Brasilien entscheidet, schreiten die Videoassistenten ein und stellen die Fehlentscheidung richtig.

Die Truppe von Tite gab aber nicht auf, teilweise fielen die Brasilianer im Strafraum wie die Fliegen. Referee Kuipers blieb hart - und regelkonform. Die „Selecao“ packte die Brechstange aus, auch die Verteidiger tauchten schon vor dem gegnerischen Strafraum auf. Immer war jedoch ein Bein der Abwehr von Costa Rica oder Navas dazwischen.

Erlösung durch Coutinho

Sechs Minuten Nachspielzeit waren angezeigt, und trotz aller Bemühungen der Brasilianer standen die Zeichen auf die erste Nullnummer dieser WM. In der 91. Minute wurde der Titelmitfavorit aber doch noch belohnt: Jesus spielte den Ball beim Stoppversuch unfreiwillig zum heranstürmenden Coutinho weiter. Der Barcelona-Kicker hämmerte den Ball mit voller Wucht aus kurzer Distanz in die Maschen.

2:0 durch Neymar (90. + 7. Minute)

Neymar macht wenige Sekunden vor dem Ende sein Tor.

In dem Schuss lag der ganze aufgestaute Frust, der Rest brach dann beim frenetischen Jubel noch heraus. Der eingewechselte Firmino hätte fast noch auf 2:0 erhöht, dieses gelang in der 97. Minute noch Neymar. Der Superstar hatte in der Endphase durch die Führung seine Spielfreude wieder gefunden und übernahm aus fünf Metern einen Costa-Hereingabe volley.

Stimmen zum Spiel:

Philippe Coutinho (Brasilien-Torschütze): „Wir sind jetzt überglücklich und erleichtert, diese drei Punkte sind ganz wichtig für uns. Das waren unglaubliche Gefühle am Ende. Es war ein extrem schweres Spiel, denn Costa Rica stand ab der ersten Minute nur hinten drin. Wir haben alles probiert, auch mit Distanzschüssen. Am Ende sind wir für all unsere Bemühungen mit dem Sieg belohnt worden.“

Oscar Ramirez (Teamchef Costa Rica): „Wir haben Brasilien lange Zeit seiner Stärken beraubt. Leider haben wir es nicht bis zum Ende durchgezogen. Wir haben gegen das zweitbeste Team der Welt gespielt, in Anbetracht dessen haben wir uns gut geschlagen.“

Fußball-WM, Gruppe E

Freitag:

Brasilien – Costa Rica 2:0 (0:0)

St. Petersburg, 64.468 Zuschauer, SR Kuipers (NED)

Torfolge:
1:0 Philippe Coutinho (91.)
2:0 Neymar (97.)

Brasilien: Alisson - Fagner, Thiago Silva, Miranda, Marcelo - Casemiro, Paulinho (68./Firmino) - Willian (46./Douglas Costa), Philippe Coutinho, Neymar - Gabriel Jesus (93./Fernandinho)

Costa Rica: Navas - Gonzalez, Acosta, Duarte - Gamboa (75./Calvo), Oviedo - Venegas, Guzman (83./Tejeda), Borges, Ruiz - Urena (54./Bolanos)

Gelbe Karten: Neymar, Philippe Coutinho bzw. Acosta

Die Besten: Coutinho, Marcelo bzw. Navas, Gamboa

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