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„Rote Teufel“ mit Galaauftritt

Belgien ist seiner Favoritenrolle bei der Fußball-WM auch am zweiten Spieltag gerecht geworden. Die „Roten Teufel“ setzten sich am Samstag in einer flotten Partie gegen Tunesien 5:2 (3:1) durch. Doppelpacks von Eden Hazard (6./Elfer, 51.) und Romelu Lukaku (16., 45.+3) sowie ein Tor von Michy Batshuayi (90.) entschieden die Partie. Dylan Bronn verkürzte zwischenzeitlich auf 1:2 (18.), Wahbi Khazri traf zum Endstand (93.).

Die „Roten Teufel“ halten nach der Torgala vor 44.190 Zuschauern im Spartak-Stadion von Moskau damit vor dem Schlager gegen England am letzten Spieltag der Gruppe G (Donnerstag, 20.00 Uhr MESZ, live in ORF eins) beim Punktemaximum von sechs Zählern und können schon für das Achtelfinale planen. Tunesien ist trotz einer aufopfernd kämpferischen Leistung schon vor dem letzten Auftritt gegen Panama praktisch fix aus dem Turnier in Russland ausgeschieden.

Hazard baut belgische Führung aus (51. Minute)

Eden Hazard erhält einen langen Pass nahe der Strafraumgrenze und setzt sich im Alleingang gegen zwei gegnerische Verteidiger sowie den Torhüter durch, bevor er zum 4:1 abschließt.

Positionen vor Anpfiff bezogen

Die Positionen vor dem Duell im Spartak-Stadion von Moskau waren schon vor dem Anpfiff bezogen. Auf der einen Seite die Belgier, die sowohl bei der WM 2014 als auch bei der EM 2016 schon im Viertelfinale scheiterten und ihre Rolle als glückloser Geheimfavorit in Russland endlich aufgeben wollten. Auf der anderen Seite die Tunesier, die nach dem 1:2 gegen England mit dem Rücken zur Wand standen, in ihren bisherigen 13 WM-Spielen allerdings überhaupt erst einen Sieg feiern konnten. 1978 setzten sich die Nordafrikaner beim WM-Debüt in Argentinien gegen Mexiko mit 3:1 durch.

Belgiens Teamchef Roberto Martinez setzte vor den Augen von König Philippe und seinen Söhnen Gabriel und Emmanuel auf seine bewährten Kräfte. Der Spanier bot die gleiche Elf auf wie beim 3:0 gegen Panama am Montag. Schottland-Legionär Dedryck Boyata spielte damit weiter in der Dreierkette, weil Vincent Kompany und Thomas Vermaelen nach ihren Verletzungen noch nicht einsatzbereit waren. Im Sturm trugen Kapitän Hazard und Lukaku, zweifacher Torschütze gegen Panama, Belgiens Hoffnungen.

Belgier mit Traumstart

Im Gegensatz zum Auftaktmatch, in dem die „Roten Teufel“ erst nach der Pause so richtig in Schwung kamen, drückten Hazard und Co. gegen Tunesien gleich von Beginn an aufs Tempo. In der dritten Minute ließ Lukaku seinen Gegenspieler Yassine Meriah im Laufduell einfach stehen, Tunesien-Goalie Farouk Ben Mustapha kam aber rechtzeitig heraus, ein Schuss von Thomas Meunier fiel zu zentral aus. Dann ging es aber schnell. Syam Ben Yousseff legte Hazard genau auf der Umrandung des Strafraums. Den fälligen Elfmeter verwandelte der Chelsea-Star im Anschluss selbst sicher zur frühen Führung (6.).

Hazard trifft per Elfmeter zum 1:0 (7. Minute)

Nach einem Foul auf der Strafraumlinie bringt Eden Hazard Belgien mittels eines Elfmeters mit 1:0 in Führung.

Wie schon gegen England, als Tottenham-Goalgetter Harry Kane in der elften Minute erstmals zugeschlagen hatte, liefen die Tunesier damit erneut einem frühen Rückstand hinterher. Und fast wäre es gleich noch schlimmer gekommen, wenn Hazard einen Stanglpass richtig verarbeiten hätte können (13.). So mussten sich die belgischen Fans noch etwas gedulden, durften kurz darauf aber gleich wieder jubeln. Die Tunesier vertändelten im Mittelfeld den Ball, Hazard schickte Lukaku auf die Reise und der Manchester-United-Goalgetter erhöhte mit einem platzierten Schuss ins lange Eck auf 2:0 (16.).

Romelu Lukaku (BEL)

AP/Hassan Ammar

Lukaku stockte sein Torkonto gegen Tunesien mit dem nächsten Doppelpack auf vier Treffer auf

Tunesien schlägt zurück

Tunesien war jedoch nur kurz geschockt. Hatte man kurz zuvor noch vergeblich einen Elfmeter reklamiert, nachdem Jan Vertonghen Kapitän Khazri - allerdings klar außerhalb des Strafraums - im Gesicht getroffen hatte, meldete man sich postwendend mit dem Anschlusstreffer zurück. Bei einer Freistoßflanke von Khazri stieg Bronn am höchsten und verlängerte den Ball per Kopf zum 1:2 ins Netz. Belgien-Goalie Thibaut Courtois war dabei machtlos (18.). Die „Adler von Karthago“ schöpften wieder neuen Mut.

Bronn trifft in Standardsituation zum 2:1 (18. Minute)

Wahbi Khazri bringt einen Freistoß mittig vor das gegnerische Tor, Dylan Bronn verwertet den Pass mit dem Kopf und schafft den Anschlusstreffer zum 2:1.

Beide Teams agierten auch danach mit offenem Visier. Vor allem die Belgier konnten ihre technische Überlegenheit ausspielen und Lücken in die tunesische Abwehr reißen. Versuche von Yannick Ferreira Carrasco (19.) und Toby Alderweireld (21.) verfehlten aber ihr Ziel. Auf der Gegenseite probierten es die Nordafrikaner aus der Distanz - wie beispielsweise Ferjani Sassi allerdings ebenso glücklos (31.). Kurz vor der Pause schlug dann noch einmal Lukaku zu. Zunächst rutschte er an einem Stanglpass von Kevin De Bruyne vorbei, dann überhob er Ben Mustapha nach idealem Zuspiel von Meunier zum 3:1 (45.+3).

Tunesien glücklos, Belgien eiskalt

Die hohe Intensität des Spiels hatte bis zur Pause allerdings auch schon ihre Opfer gefordert, so musste Tunesien mit Torschütze Bronn in der 24. und Unglücksrabe Youssef, der den Elfmeter verschuldet hatte, in der 41. noch vor dem Seitenwechsel zwei Spieler auswechseln. Dennoch kamen die Nordafrikaner frischer aus der Kabine und hatten sich auch einiges vorgenommen. Anice Badri trug einen Schussversuch in der 50. Minute aber zu zentral an.

Saif-Eddine Khaoui (TUN) und Anice Badri (TUN) gegen Eden Hazard (BEL)

Reuters/Albert Gea

Tunesien stemmte sich mit vereinten Kräften gegen die Niederlage, war aber glücklos

Die Belgier gingen es unterdessen zunächst gemächlicher an, ihnen reichte dann auch eine schnelle Kombination zum nächsten Erfolgserlebnis. Alderweireld überhob die Viererkette der Tunesier mit einem hohen Pass, Hazard startete in die Lücke, versetzte Ben Mustapha und schob locker zur 4:1-Führung ein (51.). Eine halbe Stunde vor Schlusspfiff hatte dann Lukaku seine Schuldigkeit getan und holte sich nach dem zweiten Doppelpack im zweiten Spiel seinen verdienten Abschiedsapplaus ab. Für den 25-Jährigen kam Marouane Fellaini ins Spiel.

Batshuayi trifft im vierten Anlauf

Die Partie hatte nun die ganz große Brisanz, aber auch etwas das Tempo verloren. Offensivaktionen waren dennoch keine Mangelware. Sassi schlug aber im Strafraum über den Ball (56.), auf der Gegenseite pfiff ein gut angetragener Weitschuss von Carrasco knapp am rechten Kreuzeck vorbei (61.). Dann kam auch noch Michy Batshuayi für Doppeltorschütze Hazard aufs Feld und sollte die Schlagzeilen der letzten Spielminuten schreiben.

Der Dortmund-Torjäger glänzte jedoch zunächst innerhalb von fünf Minuten als Chancenvernebler. Zunächst kratze ein Abwehrspieler einen Schuss des 24-Jährigen von der Linie (76.), dann hämmerte Batshuayi einen Abpraller an die Querlatte (80.), und schließlich verhinderte auch noch Ben Mustapha mit einer Glanzparade einen Torerfolg. Im vierten Anlauf klappte es dann aber doch. Batshuayi übernahm eine Flanke von Youri Tielemans volley und versenkte den Ball zum 5:1 im Netz. In der Nachspielzeit gelang Tunesien-Kapitän Khazri nur noch Ergebniskorrektur (93.).

Stimmen zum Spiel:

Roberto Martinez (Teamchef Belgien): „Das heutige Spiel ist unserem Stil entgegengekommen. Tunesien wollte gewinnen, sie haben hoch gepresst und haben Spieler auch in der Defensive Eins-gegen-eins spielen lassen. Hier bekommen wir unsere Möglichkeiten - und die haben wir gut genützt. Wir wachsen immer noch. Es gilt noch viele Dinge besser zu machen. Wir haben den Ball in manchen Situationen nicht gut gehalten, hätten etwa auch mit der Zweitoreführung besser umgehen müssen.“

Nabil Maaloul (Teamchef Tunesien): „Wir wussten schon nach der Auslosung, dass Belgien ein extrem schwieriger Gegner werden würde. Nach unserem ersten Spiel wurden wir dafür kritisiert, uns auf die Verteidigung zu konzentrieren und den Angriff zu vernachlässigen. Heute werden wir für unsere Abwehrfehler kritisiert. Wir möchten uns bei den vielen tunesischen Fans im Stadion entschuldigen. Wir haben unser Bestes gegeben und werden uns bemühen, uns in Zukunft zu verbessern.“

Eden Hazard (Doppeltorschütze Belgien): „Wir wussten, dass es einfacher werden würde, wenn wir schnell treffen. Die einzigen Fehler, die wir gemacht haben, waren die Gegentore. Wir sind glücklich mit dem 5:2.“

Fußball-WM, Gruppe G

Samstag:

Belgien - Tunesien 5:2 (3:1)

Moskau, Spartak-Stadion, 44.190 Zuschauer, SR Marrufo (USA)

Torfolge:
1:0 Hazard (6./Elfmeter)
2:0 Lukaku (16.)
2:1 Bronn (18.)
3:1 Lukaku (45.+3)
4:1 Hazard (51.)
5:1 Batshuayi (90.)
5:2 Khazri (93.)

Belgien: Courtois - Alderweireld, Boyata, Vertonghen - Meunier, De Bruyne, Witsel, Carrasco - Mertens (86./Tielemans), R. Lukaku (59./Fellaini), E. Hazard (68./Batshuayi)

Tunesien: Ben Mustapha - Bronn (24./Naguez), S. Ben Youssef (41./Ben Alouane), Meriah, Maaloul - Khaoui, Skhiri, Sassi (59./Sliti) - F. Ben Youssef, Khazri, Badri

Gelbe Karte: Sassi

Die Besten: Lukaku, Hazard, De Bruyne, Meunier bzw. Khazri, Maaloul

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