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Achtelfinal-Einzug in eigener Hand

Deutschland hat nach einem hart erarbeiteten 2:1-Sieg gegen Schweden das vorzeitige Aus bei der Fußball-WM in Russland abgewendet und hat wieder beste Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale. Marco Reus (48.) und Toni Kroos (95.) drehten am Samstag in Sotschi eine Pausenführung der Skandinavier, die Ola Toivonen (32.) besorgt hatte.

Dabei agierte die Mannschaft von Joachim Löw, der in seinem 100. Pflichtspiel als deutscher Teamchef wohl einen seiner wichtigsten Siege feierte, ab der 82. Minute in Unterzahl, weil Jerome Boateng mit Gelb-Rot vom Platz flog. Löw hält nun bei 79 Siegen, elf Remis und zehn Niederlagen als DFB-Bundestrainer. Die deutsche Elf ließ gegen Schweden zwar viele gute Möglichkeiten aus, nützte eine Standardsituation aber eiskalt zum Sieg in letzter Sekunde.

Spieler von Deutschland jubeln

AP/Frank Augstein

Die Erleichterung nach dem Sieg war bei den Deutschen groß

Löw mit vier Änderungen in der Startelf

Löw nahm gegenüber seiner Startelf beim 0:1 gegen Mexiko vier Änderungen vor. Die im Auftaktspiel enttäuschenden Mesut Özil und Sami Khedira wurden durch Reus und Sebastian Rudy ersetzt. Für den verletzten Mats Hummels kam Antonio Rüdiger in die Innenverteidigung. Der gegen Mexiko wegen eines Infekts fehlende Jonas Hector kehrte auf die linke Abwehrseite zurück, Marvin Plattenhardt musste im 4-2-3-1-System von Löw weichen.

Schwedens Trainer Jan Olof Andersson nahm auch eine Umstellung gegenüber der Auftaktpartie vor. Der beim 1:0-Erfolg gegen Südkorea wegen einer Erkrankung fehlende Victor Lindelöf kehrte gegen den Titelverteidiger in die Viererabwehrkette zurück. Pontus Jansson musste für ihn Platz machen. Ansonsten gab es keine Änderung im 4-4-2-System des Teamchefs. Kapitän Andreas Granqvist und Mittelfeldspieler Emil Forsberg von RB Leipzig führten seine Mannschaft in Sotschi an.

Druckvoller Start von Deutschland

Kurz nach Anpfiff gab es bereits die ersten großen Chancen für Deutschland. Eine Aktion in der zweiten Minute wurde durch eine Flanke von Joshua Kimmich auf Timo Werner eingeleitet, der von der rechten Seite ins Zentrum zurücklegen wollte. Der erste Versuch wurde von der Schweden-Verteidigung per Kopf geklärt. Sein zweiter Versuch fand Julian Draxler, dessen Abschluss von Schwedens Tormann Robin Olsen abwehrt wurde.

Marco Reus (GER)

APA/AFP/Adrian Dennis

Deutschland setzte Schweden zu Beginn unter Druck, der Torerfolg blieb aber aus

Kurz danach blockte Granqvist einen Schuss von Hector (3.). Bei einem Konter der Schweden wurde Forsberg dann von Rüdiger und Boateng in die Zange genommen (6.). Seine Foulreklamationen erhörte der polnische Schiedsrichter Szymon Marciniak aber nicht. Dann waren wieder die Deutschen an der Reihe. Zunächst fand ein Stanglpass von Draxler (8.) keinen Abnehmer. Wenig später spielte Reus von der Torauslinie kurz auf Werner zurück, seinen Abschluss verhinderte Lindelöf (9.).

Schweden fordern Elfmeter

Nach einem Konter der Schweden gab es dann Elfmeteralarm auf der anderen Seite. Marcus Berg lief allein auf Tormann Manuel Neuer zu, konnte seine Chance aber nicht nützen (12.). Der Stürmer fühlte sich von Boateng gefoult und forderte vehement den Videobeweis, bekam ihn aber nicht. Danach übernahmen die Deutschen wieder das Kommando, kamen aber nicht mehr gefährlich vor das Tor der Schweden, deren Hintermannschaft sich nun besser eingestellt hatte.

Marcus Berg (SWE), Manuel Neuer (GER) und Jerome Boateng (GER)

AP/Sergei Grits

Bei dieser Szene forderten die Schweden Elfmeter

Löw musste mehrere Minuten mit zehn Mann auskommen. Schwedens Stürmer Toivonen traf unabsichtlich Rudy mit dem Fuß am Kopf. Der defensive Mittelfeldspieler musste das Feld stark aus der Nase blutend verlassen. Nach vierminütiger Behandlung kam dann seine Auswechslung, für Rudy kam Ilkay Gündogan (31.).

Toivonen-Heber bringt Schweden in Führung

Nur eine Minute nach dem Spielertausch folgte die überraschende Führung der Schweden. Nach einem Fehlpass von Kroos im Mittelfeld spielte Victor Claesson einen langen Pass auf Toivonen, der sich gegen Rüdiger durchsetzte und Deutschlands Kapitän Neuer mit einem Heber ins lange Eck bezwang.

Schweden nützen Fehler von Kroos (32.)

Ein unüblicher Fehler von Toni Kroos im Aufbauspiel ebnet Schweden den Weg zu Führung. Ola Toivonen ist Nutznießer und macht das 1:0.

Der Weltmeister dominierte zwar die Partie, musste nun aber einem Rückstand nachlaufen. In Minute 39 gab es die größte Chance zum Ausgleich in der ersten Spielhälfte. Einen Weitschuss von Gündogan konnte Olsen nur mit einer Hand abwehren. Thomas Müller steuerte direkt auf den Abpraller zu, Verteidiger Michael Lustig war aber schneller und klärte zur Ecke.

Reus gleicht kurz nach Wiederanpfiff aus

Löw reagierte zur Halbzeit und brachte Stürmer Mario Gomez für Draxler. Weniger als drei Minuten nach Wiederanpfiff gelang dem Titelverteidiger dann der Ausgleich. Werner legte von der linken Flanke flach in die Mitte ab, Gomez ließ den Ball noch durch und Reus traf mit dem Knie zum 1:1 (48.). Danach landete ein Kopfball von Müller nach Kroos-Freistoß im Außennetz (51.).

Reus gelingt der Ausgleich (48.)

Mit der ersten Chance nach Wiederanpfiff gleicht Deutschland aus. Timo Werner spielt für Marco Reus auf, der den Ball mit dem Knie zum 1:1 ins Tor drückt.

Werner leitete in der 56. Minute die nächste große Möglichkeit der Deutschen ein. Wie beim 1:1 legte er flach von links in die Mitte ab. Diesmal scheiterte aber Hector mit einem zu schwachen Schuss an Olsen. Bei einem versuchten Doppelpass von Reus mit Kimmich im Strafraum der Schweden verpasste der Dortmund-Spieler nur um Zentimeter den Abschluss (61.).

Deutschland setzte Schweden nun dermaßen unter Druck, dass diese mit zwei Viererketten gegen die Angriffe der Löw-Mannschaft verteidigen mussten. Auch das Umschaltspiel klappte in der zweiten Halbzeit nicht mehr so gut, gefährliche Konter blieben aus. Dafür kamen die Deutschen zu Chancen. Ein Schuss von Gomez ging über das Tor (68.), bei einer scharfen Hereingabe von Werner erzielte Granqvist beinahe ein Eigentor (72.).

Hochspannung in der Schlussphase

In der Schlussphase nahm Schwedens Teamchef Andersson Torschütze Toivonen vom Platz, für ihn kam John Guidetti (78.). Zuvor war bereits Claesson für Jimmy Durmaz ausgewechselt worden (74.). Am Spielgeschehen änderte sich vorerst nichts. Dann schickte Referee Marciniak Boateng nach einem Foul an Berg mit Gelb-Rot vom Platz (82.) und Neuer rutschte bei einem Freistoß der Schweden beinahe mit fatalen Folgen aus, konnte den Ball aber noch zur Ecke abwehren (83.).

Damit wurde die Spannung in den letzten Minuten erhöht. Deutschland drängte auch in Unterzahl auf den Sieg. Gomez scheiterte mit einem scharfen Kopfball aber am glänzend reagierenden Olsen (88.). In der 92. Minute donnerte der kurz zuvor eingewechselte Julian Brandt auch noch einen Weitschuss an die Stange.

Kroos erlöst Deutschland mit Freistoß

Dann gelang doch noch das erlösende Siegestor. Werner holte einen Freistoß an der Strafraumgrenze heraus. Kroos trat an und legte kurz auf den vor ihm stehenden Reus ab, der den Ball nur stoppte. Damit war die Zweimannmauer der Schweden falsch positioniert und Kroos versenkte den Ball nach drei Schritten an Mauer und Goalie vorbei ins lange Eck (95.). Kurz danach pfiff Marciniak die Partie ab.

Kroos trifft zum 2:1 (95.)

In der letzten Minute der Nachspielzeit sorgt Toni Kroos mit einem Freistoßtor zum 2:1 für Erleichterung bei der DFB-Elf.

Mit dem Sieg konnte das DFB-Team nicht nur ein vorzeitiges WM-Aus abwenden, die Truppe von Löw hat den Aufstieg nun in eigener Hand. Ein Sieg mit zwei Toren Unterschied am letzten Spieltag der Gruppe F gegen Südkorea würde den Achtelfinal-Einzug bedeuten. Schweden muss im Parallelspiel am Mittwoch Tabellenführer Mexiko bezwingen.

Stimmen zum Spiel:

Joachim Löw (Deutschland-Teamchef): „So wie der Sieg zustande kam, war er ein bisschen glücklich. Aber letztlich war er auch verdient, weil wir weiter an uns geglaubt haben, dran geblieben sind und nach vorne gegangen sind. Wir haben noch ein Spiel, das wir gewinnen müssen. Das Spiel gegen Schweden kann ein gutes Signal für uns sein. Ich hoffe, dass es uns einen Schub gibt.“

Janne Andersson (Schweden-Teamchef): „Es ist schwer, dieses Spiel zu analysieren. Es war sehr emotional. Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, ein wunderschönes Tor erzielt. Wir sind so aufgetreten, wie wir das gegen ein großes Team tun müssen. Die Hoffnung bei uns lebt weiter. Wir konzentrieren uns auf das nächste Spiel, das wir auf jeden Fall gewinnen wollen.“

Marco Reus (Deutschland-Torschütze): „Wir haben ganz gut angefangen, Schweden hat es aber auch sehr gut gemacht. Wir mussten viel über die Seiten kommen.“

Toni Kroos (Deutschland-Torschütze): „Am Ende war der Sieg verdient. Wir wurden viel kritisiert, zum Teil auch zu Recht. Man hatte den Eindruck, dass sich - auch in Deutschland - viele gefreut hätten, wenn wir schon heute rausgegangen wären. Diese Freude machen wir ihnen nicht.“

Fußball-WM, Gruppe F

Samstag:

Deutschland - Schweden 2:1 (0:1)

Sotschi, Fischt-Arena, 44.287 Zuschauer, SR Marciniak (POL)

Torfolge:
0:1 Toivonen (32.)
1:1 Reus (48.)
2:1 Kroos (95.)

Deutschland: Neuer - Kimmich, Rüdiger, Boateng, Hector (87./Brandt) - Rudy (31./Gündogan), Kroos - Müller, Draxler (46./Gomez), Reus - Werner

Schweden: Olsen - Lustig, Lindelöf, Granqvist, Augustinsson - Claesson (71./Durmaz), Larsson, Ekdal, Forsberg - Berg (90./Thelin), Toivonen (78./Guidetti)

Gelb-Rote Karte: Boateng (82./Foul)

Gelbe Karten: Boateng bzw. Ekdal, Larsson

Die Besten: Reus, Werner bzw. Granqvist, Olsen

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