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„Furia Roja“ wendet Blamage ab

Spanien hat sich bei der Fußball-WM in Russland mit einem hart erkämpften 2:2 gegen Marokko den Sieg in Gruppe B gesichert. Die „Furia Roja“ geriet in einer teilweise sehr hart geführten Partie in Kaliningrad sogar zweimal in Rückstand. Khalid Boutaib (14.) und Youssef En-Nesyri (81.) trafen für den Außenseiter. Isco (19.) und Iago Aspas (91.) wendeten die Blamage jedoch ab.

Durch das gleichzeitige 1:1 von Portugal gegen den Iran im Parallelspiel sicherte sich Spanien dennoch den Gruppensieg und trifft nun am Sonntag (16.00 Uhr) im Achtelfinale auf Gastgeber Russland. Die zweitplatzierten Portugiesen bekommen es am Samstag (20.00 Uhr, jeweils live in ORF eins und im Livestream) mit Uruguay zu tun.

Tor

Reuters/Gonzalo Fuentes

„Joker“ Aspas rettete Spanien in der Nachspielzeit das Unentschieden

Alcantara erstmals in der Startelf

Spaniens Teamchef Fernando Hierro beorderte im abschließenden Gruppenspiel erstmals bei dieser WM Thiago Alcantara in die Startelf und vertraute ansonsten derselben Mannschaft wie beim 1:0-Sieg gegen den Iran. Für den Bayern-Spieler, der gegen Portugal eingewechselt worden war, nahm Lucas Vazquez auf der Bank Platz. Bei Marokko musste überraschend Medhi Benatia weichen, er wurde durch Romain Saiss ersetzt. Beide Teamchefs setzten auf ein 4-2-3-1-System.

Die Partie begann hektisch, beide Mannschaften schenkten sich bei Zweikämpfen nichts. Die Spieler gerieten zunächst nach einem Ellbogenschlag von Noureddine Amrabat gegen Sergio Ramos (4.) aneinander. Schiedsrichter Rawschan Irmatow aus Usbekistan musste die Streithähne trennen. Danach stieg Gerard Pique gegen Boutaib gelbwürdig ein (8.). Der Referee entschied allerdings auf Vorteil und ließ weiterspielen.

Boutaib nutzt Patzer, Spanien gleich umgehend aus

Der „Furia Roja“ passierten in der Anfangsphase unübliche Passfehler im Spielaufbau. Einer davon sollte sich bald rächen: Nach einem Riesenpatzer der Spanier im Mittelfeld - Andres Iniesta passte ungenau auf Sergio Ramos, dieser blieb einfach stehen - schnappte sich Boutaib das Spielgerät und stürmte ungehindert auf Tormann David de Gea zu. Der Stürmer schloss mit einem Schuss durch die Beine des Keepers zum 1:0 ab (14.).

Boutaib trifft zur Führung

Boutaib nützte den Fehler im Spielaufbau der Spanier zum 1:0 aus.

Die Spanier bügelten den Fehler aber umgehend aus. Nach einem Doppelpass von Isco und Diego Costa kam der Ball weiter zu Iniesta, der auf der linken Seite knapp vor der Torauslinie zurück auf Isco ins Zentrum auflegte. Der Real-Madrid-Spieler verwandelte aus kurzer Distanz sicher zum 1:1 (19.).

Isco mit dem Ausgleich

Dem Ausgleich durch Isco ging eine sehenswerte Kurzpassaktion der spanischen Mannschaft voraus.

Nach einem weiteren Fehler der Spanier kam Boutaib erneut vor De Gea zum Abschluss. Diesmal war der Marokkaner allerdings unter Bedrängnis, legte sich den Ball zu weit vor, und Spaniens Schlussmann konnte klären (25.). Auf der Gegenseite kombinierte sich Spanien über die rechte Seite gefährlich vor das Tor der Marokkaner, die Flanke von Isco kam aber nicht an (26.).

Marokko überhart, Spanien im Abschluss glücklos

Das Match wogte hin und her. Spanien versuchte durch das übliche Kurzpassspiel nach vorne zu kommen. Die Marokkaner setzten vor allem auf schnelles Umschaltspiel, nachdem sie sich den Ball erkämpften. Dabei gingen sie oft zu hart zur Sache: Innerhalb von zehn Minuten sahen Karim El Ahmadi (21.), Noureddine Amrabat (29.), Manuel da Costa (31.) und Kapitän Moubarak Boussoufa - Letzterer wegen Reklamierens - die Gelbe Karte. Die Strafraumszenen der Spanier wurden nun häufiger, allein der letzte Pass kam nicht an.

Auch aus Standardsituationen konnte die „Furia Roja“ kein Kapital schlagen. Zwei Eckbälle in Folge (35./genau in die Hände Tormann Monir El Kajoui, 37./Kopfball klar über das Tor) brachten nichts ein. Ein hoher Isco-Freistoß aus rund 25 Metern von halb rechts ins Zentrum war etwas zu lang für Sergio Busquets (40.). In der Nachspielzeit der ersten Spielhälfte wurde ein Stanglpass von Iniesta auf Diego Costa von einem Marokkaner noch leicht abgefälscht, wodurch dem Atletico-Madrid-Stürmer ein paar Zentimeter zum Torabschluss fehlten (45.+2).

Marokko kommt bissig aus der Kabine

Die Mannschaften kamen unverändert aus den Kabinen. Die besten Möglichkeiten boten sich nun den wieder bissiger auftretenden Marokkanern. Einen langen hohen Ball in den Strafraum auf Boussoufa konnte De Gea knapp vor dem Mittelfeldspieler klären (50.). Fünf Minuten später klatschte ein scharfer Weitschuss von Amrabat ans Lattenkreuz. De Gea hätte nicht mehr eingreifen können.

Die erste Großchance der Spanier nach Seitenwechsel hatte Isco in der 62. Minute, der nach einer hohen Flanke von rechts zum Kopfball kam. Goalie El Kajoui war bereits geschlagen, doch Saiss konnte auf der Linie per Kopf noch zur Ecke klären. Beim Corner schraubte sich Piquet am höhsten, sein scharfer Kopfball ging nur knapp an der linken Stange vorbei (63.).

„Joker“ stechen auf beiden Seiten

Spaniens Teamchef Hierro führte in der 74. Minute einen Doppeltausch aus und brachte frische Kräfte für die Offensive. Marco Asensio kam für Alcantara, Aspas ersetzte Diego Costa. Das Tor fiel aber auf der Gegenseite nach einem Eckball: Der ebenfalls erst kurz zuvor eingewechselte En-Nesyri setzte sich im Kopfballduell mit Ramos durch und köpfelte zum 2:1 für den Außenseiter ein (81.).

En-Nesyri bringt Marokko voran

En-Nesyri ließ den Außenseiter erneut vom Sieg gegen den Weltmeister von 2010 träumen.

Das zwang Hierro zu noch mehr Offensive: Der Teamchef brachte Rodrigo für David Silva (84.). Nach einem Eckball gelang der „Furia Roja“ der neuerliche Ausgleich. Wieder stach in Aspas ein „Joker“ nach Hereingabe von Dani Carvajal (91.). Schiedsrichter Irmatow hatte zunächst auf Abseits entschieden, doch nach dem Videobeweis wurde der Treffer gegeben. Spanien durfte sich trotz einer dürftigen Vorstellung über den Gruppensieg freuen.

Aspas sichert Unentschieden

Ein Videoentscheid rettete den Spaniern einen Punkt - Aspas Treffer war nicht aus Abseitsposition.

Stimmen zum Spiel:

Fernando Hierro (Spanien-Teamchef): „Ich habe schon gestern gesagt, dass es ein hartes Match werden wird und Marokko alles geben wird. Sie haben eine starke Mannschaft, die bei den beiden 0:1-Niederlagen zuvor mehr verdient gehabt hätte. Diese ausgeglichene Gruppe war sehr schwierig für uns, trotzdem haben wir mit etwas Glück den Gruppensieg geholt. Wir müssen jetzt weiter positiv denken. Natürlich können wir uns steigern, es gibt Sachen, an denen wir definitiv arbeiten müssen. Fünf Gegentore in drei Spielen sind nicht das, was ich mir vorstelle.“

Herve Renard (Marokko-Teamchef): „Wir haben gelitten wie jedes Team, das gegen Spanien antreten muss, weil ihr Team aus einem Mix aus Spielern von Real Madrid und dem FC Barcelona besteht. Ich glaube aber, dass meine Spieler, das gesamte Team, gelobt werden sollten für dieses Spiel und die gesamte WM. Wir hätten uns in einigen Spielen bessere Resultate verdient gehabt. Aber wir haben gezeigt, dass wir es mit zwei der besten Teams der Welt, Spanien und Portugal, aufnehmen können, und haben Marokko gut vertreten.“

Isco (Spanien-Offensivspieler): „Insgesamt bin ich zufrieden. Ich bin glücklich, dass wir Gruppensieger geworden sind, was unser Ziel war. Jetzt ist die Stunde der Wahrheit, und ich habe volles Vertrauen in die Mannschaft. Wir haben aber jetzt noch nichts gewonnen, und es war auch ein sehr hartes Match. Vielleicht waren wir nicht voll fokussiert von Beginn an und möglicherweise hatten wir etwas Probleme, das Spiel zu kontrollieren in Ballbesitz. Normalerweise gelingt uns das besser.“

Gruppe B, dritter Spieltag

Montag:

Spanien - Marokko 2:2 (1:1)

Kaliningrad Stadion, 33.973 Zuschauer, SR Irmatow (UZB)

Torfolge:
0:1 Boutaib (14.)
1:1 Isco (19.)
1:2 En-Nesyri (81.)
2:2 Aspas (91.)

Spanien: De Gea - Carvajal, Pique, Ramos, Alba - Busquets, Alcantara (74./Asensio) - Silva (84./Rodrigo), Isco, Iniesta - Diego Costa (74./Aspas)

Marokko: El Kajoui - Dirar, Da Costa, Saiss, Hakimi - El Ahmadi, Boussoufa - N. Amrabat, Belhanda (63./Fajr), Ziyech (85./Bouhaddouz) - Boutaib (72./En-Nesyri)

Gelbe Karten: keine bzw. El Ahmadi, N. Amrabat, Da Costa, Boussoufa, El Kajoui, Hakimi

Die Besten: Iniesta, Isco bzw. Boutaib, Saiss, Amrabat

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