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Souveräner 2:0-Sieg gegen Serbien

Brasilien hat am Mittwoch souverän den Aufstieg ins Achtelfinale bei der WM in Russland geschafft. Die „Selecao“ setzte sich im Spartak-Stadion in Moskau gegen Serbien mit 2:0 (1:0) durch und sicherte sich damit auch den Sieg in Gruppe E vor der Schweiz, die im Parallelspiel 2:2 gegen Costa Rica spielte. In der nächsten Runde trifft der fünffache Weltmeister am Montag auf Mexiko.

Die Brasilianer zeigten im direkten Duell um den Einzug in die K.-o.-Phase ihre bisher überzeugendste Leistung im Verlauf des Turniers und wurden durch Tore von Paulinho (36.) und Thiago Silva (68.) belohnt. Die Mannschaft blieb im 24. Spiel unter Teamchef Tite zum 18. Mal ohne Gegentreffer und auch in Pflichtspielen weiter ungeschlagen. Serbien verpasste indes nach dem Debüt 2002 in Südafrika auch im zweiten Versuch den Aufstieg ins Achtelfinale.

Flotter und intensiver Beginn

Die Brasilianer wurden von Coach Tite mit der gleichen Aufstellung wie beim späten 2:0-Sieg gegen Costa Rica auf das Feld geschickt. Einzige Veränderung war das Kapitänsamt, das bei der „Selecao“ von Spiel zu Spiel wechselt. Diesmal durfte Verteidiger Miranda die Schleife tragen. Bei den Serben veränderte Coach Mladen Krstajic die Startelf nach der 1:2-Pleite gegen die Schweiz an drei Positionen. Milos Veljkovic, Antonio Rukavina und Adem Ljajic kamen ins Team.

Highlights von Serbien - Brasilien

Brasilien holt sich mit einem 2:0 über Serbien den Gruppensieg. Paulinho und Thiago Silva sorgten für die Treffer der „Selecao“.

Die Serben hatten die schwierigste Ausgangslage im Kampf um den Aufstieg in Gruppe E. Nur mit einem Sieg gegen Brasilien wäre man nicht auf Schützenhilfe angewiesen gewesen. Die Südamerikaner, denen theoretisch bereits ein Remis gereicht hätte, wollten schnell für klare Verhältnisse sorgen und drückten auf die frühe Führung. Serbien hielt aber voll dagegen. Schon die ersten Minuten waren temporeich, kampfbetont und intensiv geführt.

Frühes Aus für Marcelo, Serbien steht gut

Personell hatte Brasilien aber einen frühen Rückschlag zu verkraften. Linksverteidiger Marcelo musste ausgewechselt werden. Für den Real-Star kam Filipe Luis von Europa-League-Sieger Atletico Madrid (10.). Das Team musste in den nächsten Minuten erst wieder den Rhythmus finden, weshalb Serbien ein spielerisches Übergewicht bekam. Eine Torchance konnte in dieser Phase nicht kreiert werden.

Marcelo

APA/AFP/Patrik Stollarz

Laut brasilianischem Verband zog sich Marcelo einen Hexenschuss zu

Defensiv agierten die Serben diszipliniert, machten das Spielfeld klein und damit die Räume eng. Die Brasilianer beherrschten das Spiel, taten sich aber schwer, ihr Passspiel aufzuziehen. In der 25. Minute stocherte sich Neymar durch die serbische Abwehr. Den Schuss des Superstars aus spitzem Winkel konnte Goalie Vladimir Stojkovic abwehren. Danach war es Gabriel Jesus, der Milos Veljkovic aussteigen ließ, mit seinem Schuss aber an Milenkovic hängen blieb (29.). Für die Serben schoss Aleksandar Mitrovic drüber (34.).

Paulinho bringt Brasilien auf Kurs

Die erste wirkliche Unachtsamkeit wurde Serbien zum Verhängnis. Coutinho sah eine Lücke im Abwehrzentrum und spielte einen perfekten Pass in den Rücken der Abwehr. Paulinho sprintete in den Raum und spitzelte den Ball über den herauseilenden Stojkovic zur 1:0-Führung ins Tor (36.). Damit machte Brasilien noch vor der Pause einen großen Schritt in Richtung Achtelfinale, schließlich hatten die Brasilianer in den letzten sieben Spielen nur ein Gegentor kassiert.

Paulinho

Reuters/Axel Schmidt

Paulinho machte bei seinem Tor alles richtig und sorgte für die wichtige Führung

Die Serben standen indes in Hälfte zwei vor einer Herkulesaufgabe, schließlich brauchten sie gegen die sattelfeste Verteidigung der Brasilianer unbedingt zwei Tore. Serbien erhöhte das Risiko und attackierte früher. Bis auf ein schlecht gespielte Konterchance (53.) war das Offensivspiel von Serbien vorerst wenig angsteinflößend. Am gefährlichsten wurde noch Miranda, der im eigenen Strafraum etwas riskant für Goalie Alisson klärte (57.). Auf der Gegenseite scheiterte Neymar nach einem Konter erneut an Stojkovic (58.).

Brasilien trifft in serbischer Drangperiode

Einen Funken Hoffnung bekamen die Serben durch den Ausgleich von Costa Rica im Parallelspiel gegen die Schweiz. Die „Weißen Adler“ erhöhten die Schlagzahl und setzten zu ihrer besten Offensivphase an. Nach einer Hereingabe von Rukavina landete die Abwehr von Alisson direkt vor Mitrovic. Der Fulham-Stürmer brachte allerdings nur einen zu schwachen Kopfballaufsitzer zustande, und Thiago Silva konnte für seinen geschlagenen Tormann klären (61.).

Die Serben blieben am Drücker. Ein Schuss von Sergej Milinkovic-Savic ging am langen Eck vorbei (63.). Danach war es wieder Mitrovic, der mit einem zu schwachen Kopfball Alisson nicht in Bedrängnis bringen konnte. Während Serbien Effizienz vermissen ließ, legte die „Selecao“ genau diese an den Tag. Neymar gab einen Eckball zur Mitte. Thiago lief zum kurzen Eck, köpfelte ein (68.) und sorgte endgültig für entspannte Gesichter im brasilianischen Lager.

Thiago Silva (Brasilien) trifft

AP/Andre Penner

Thiago Silva ließ sich beim zweiten Treffer von der serbischen Verteidigung nicht stoppen

Neymar vergibt mehrfach dritten Treffer

Den Serben, die in der zweiten Hälfte ebenbürtig waren, wurde damit endgültig der Zahn gezogen. Brasilien hielt nach dem 2:0 den Ball in den eigenen Reihen und ließ den Gegner laufen. Filipe Louis hätte mit einem Weitschuss beinahe den dritten Treffer erzielt, Stojkovic war aber zwischen Pfosten auf dem Posten (74.) und sollte ich auch noch bis zum Schluss einiges zu tun bekommen.

Vor allem mit Neymar entwickelte sich ein Privatduell. Zunächst ging ein Aufsitzer des Superstars nach Vorlage von Willian über das Tor (83.). Drei Minuten danach tauchte Neymar alleine vor Stojkovic auf, der serbische Tormann warf aber seine Körpergröße von 1,95 Meter in die Waagschale und ließ sich nicht überheben. In der Nachspielzeit überspielte der teuerste Fußballer der Welt zunächst den Tormann, musste dann aber aus spitzem Winkel schießen, und Stojkovic war wieder zur Stelle (93.).

Stimmen zum Spiel:

Paulinho (Torschütze Brasilien: „Wichtig ist, dass wir gewonnen haben und als Erster aus der Gruppenphase gehen. Wir wollen unsere Ziele schrittweise erreichen. Wir haben genug Selbstvertrauen, das haben wir über Jahre gesammelt.“

Thiago Silva (Torschütze Brasilien): „In manchen Momenten des Spiels hatten wir Probleme. Heute haben wir gelitten, aber wir wissen, wie wir damit umgehen müssen. Das ist eine WM, jeder Gegner hat Qualität. Wenn wir Probleme haben, wissen wir, wie wir fokussiert bleiben.“

Mladen Krstajic (Trainer Serbien): „Wir waren im Vormarsch in der ersten Spielhälfte, abgesehen von der Situation beim ersten Tor Brasiliens. Da wird die individuelle Qualität von Spielern bemerkbar. In der zweiten Spielhälfte haben wir mehr Risiko genommen, aber wir haben unsere Chancen vergeben und sind bestraft worden. Es ist schwer, gegen eine Großmacht wie Brasilien zu bestehen. Im Fußball kann viel passieren. Deutschland ist draußen, und Brasilien ist sicherlich einer der Favoriten, um dieses Turnier zu gewinnen.“

Fußball-WM, Gruppe E

Mittwoch:

Serbien - Brasilien 0:2 (0:1)

Moskau, Spartak-Stadion, 44.000 Zuschauer, SR Faghani (IRN)

Torfolge:
0:1 Paulinho (36.)
0:2 Thiago Silva (68.)

Serbien: Stojkovic - Rukavina, Milenkovic, Veljkovic, Kolarov - Matic, Milinkovic-Savic - Tadic, Ljajic (75./Zivkovic), Kostic (82./Radonjic) - Mitrovic (89./Jovic)

Brasilien: Alisson - Fagner, Thiago Silva, Miranda, Marcelo (10./Filipe Luis) - Paulinho (66./Fernandinho), Casemiro - Willian, Coutinho (80./Renato Augusto), Neymar - Gabriel Jesus

Gelbe Karten: Ljajic, Matic, Mitrovic

Die Besten: Tadic, Kolarov bzw. Thiago Silva, Coutinho

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