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Costa Rica gleicht in Nachspielzeit aus

Die Schweiz hat am Mittwochabend trotz eines Unentschiedens im letzten Gruppenspiel in Pool E den Einzug ins Achtelfinale geschafft. Die Mannschaft musste sich in Nischni Nowgorod gegen stark aufspielende Costa Ricaner mit einem 2:2 begnügen. Da Brasilien das Parallelspiel im Moskauer Spartak-Stadion gegen Serbien mit 2:0 gewann, steigt die Schweiz aber als Zweiter hinter dem Rekordweltmeister auf.

Die Schweiz trifft im Achtelfinale am Dienstag (16.00 Uhr) in St. Petersburg nun auf Schweden, Brasilien bekommt es am Montag (16.00 Uhr, jeweils live in ORF eins und im Livestream) in Samara mit Mexiko zu tun. Fabian Schär wird den Eidgenossen in der ersten K.-o.-Partie allerdings fehlen, weil der Innenverteidiger in der Schlussphase vom französischen Schiedsrichter Clement Turpin seine zweite gelbe Karte in dem Turnier sah.

Ereignisse überschlagen sich in Schlussphase

Die Schweiz war durch Blerim Dzemaili (31.) in Führung gegangen, Kendall Waston (56.) gelang der Ausgleich. In der Schlussphase überschlugen sich dann die Ereignisse. Erst traf Josip Drmic (88.) zur neuerlichen Schweizer Führung, dann wurde ein Elfmeter für Costa Rica wegen Abseits nicht gegeben. Bei einem weiteren Penalty wurde Yann Sommer zum unfreiwilligen Eigentorschützen (93.).

Kurioses Elfmetertor zum 2:2

Costa Rica wird doch noch ein Elfmeter zugesprochen: Brian Ruiz schießt an die Latte, von welcher der Ball auf Yann Sommer und darauf ins Tor abprallt.

Bei den Schweizern fiel Mittelfeldspieler Steven Zuber wegen einer Erkrankung aus, wie der Verband mitteilte. Für Zuber rückte Breel Embolo in die Startelf von Teamchef Vladimir Petkovic. Mario Gavranovic, beim 2:1-Sieg gegen Serbien noch auf der Bank, begann als Solospitze. Bei Costa Rica stellte Trainer Oscar Ramirez seine Startelf im Vergleich zum 0:2 gegen Brasilien auch an zwei Positionen um. Verteidiger Waston und im Mittelfeld Daniel Colindres waren von Beginn an dabei.

Costa Rica beginnt überfallsartig

Costa Rica begann überfallsartig und hatte innerhalb von einer Minute drei Großchancen. Joel Campbell prüfte Tormann Sommer mit einem Weitschuss, der Tormann konnte aber zur Seite abwehren. Danach zeichnete sich Sommer bei einem Kopfball von Celso Borges, den er zur Stange ablenkte, aus. Den nächsten Fernschuss von Christian Gamboa hielt der Goalie dann fest (6.). In Minute sieben folgte ein weiterer Weitschuss von Daniel Colindres über das Tor.

Sommer zeichnet sich mehrfach aus

Gleich drei gefährliche Möglichkeiten von Costa Rica verhindert Schweiz-Tormann Yann Sommer mit sehenswerten Paraden.

Beim nächsten Hammer von Colindres wäre Sommer bereits geschlagen gewesen (10.), doch die Latte rettete die Schweiz vor dem frühen Rückstand. Der Aktion war ein Fehler von Xherdan Shaqiri vorausgegangen, der bei einem Konter den Ball verlor. In der zwölften Minute sah Gamboa dann die erste Gelbe Karte in der Partie. Der Außenverteidiger riss Embolo von den Beinen.

Daniel Colindres (CRC)

Reuters/Ivan Alvarado

Colindres setzte sich in der Anfangsphase zweimal mit Weitschüssen in Szene

Den Schweizern passierten zu Beginn zu viele Fehler im Spielaufbau. Costa Rica schaltete bei Balleroberung schnell um und suchte auch früh den Abschluss. Eine der wenigen Chancen der Eidgenossen durch Gavranovic ging rechts am Tor vorbei (17.). Dann war wieder Costa Rica dran: Den nächsten Weitschuss von Bryan Oviedo lenkte Sommer mit den Fingerspitzen am Tor vorbei (19.). Einen daraus resultierenden Campbell-Eckball pflückte der Goalie herunter.

Lichtsteiner leitet Schweizer Führung ein

Danach bekamen die Schweizer Costa Rica besser in den Griff. Auch die eigenen Angriffe funktionierten nun besser. Das machte sich auch bezahlt: Stephan Lichtsteiner leitete das 1:0 ein. Der Kapitän flankte von der rechten Seite hoch in den Strafraum, Embolo legte an der zweiten Stange per Kopf zurück auf Dzemaili, der trocken zur Führung der „Nati“ verwertete (31.).

Dzemaili trifft zum 1:0

Breel Embolo legt per Kopf auf Blerim Dzemaili ab, der ungehindert zum 1:0 abschließt.

Dzemaili kam auch beim nächsten Angriff der Schweiz über die rechte Seite nach Pass von Gavranovic zum Abschluss, sein Schuss wurde aber von einem Verteidiger geblockt (33.). Die 43.319 Zuschauer im ausverkauften Stadion in Nischni Nowgorod bekamen in der ersten Spielhälfte eine abwechslungsreiche Partie mit Chancen auf beiden Seiten zu sehen. Costa Rica hatte in der Anfangsphase die Oberhand, nach etwa 25 Minuten übernahmen aber die Schweizer das Kommando.

Nach Seitenwechsel brachten die Schweizer einen Freistoß von Costa Rica nicht aus dem Gefahrenbereich, Campbell kam im Sechzehnmeterraum frei zum Schuss und zog drüber (48.). Auf der Gegenseite jagte Ricardo Rodriguez einen Halbvolley aus der Distanz knapp über das Tor von Keylor Navas (49.).

Waston erzielt per Kopf den Ausgleich

Nach einem Konter Costa Ricas (Campbell kam gegen Sommer zu spät) steckte Xherdan Shaqiri für Embolo durch, der scheiterte aber aus spitzem Winkel knapp vor Navas (53.). Es ging hin und her. Wieder auf der anderen Seite legte Colindres per Kopf auf Bryan Oviedo zurück, der mit seinem Seitfallzieher scheiterte (54.). Nach einem Eckball gelang der Mannschaft von Teamchef Ramirez dann das ersehnte erste Tor in Russland. Kendall Waston drückte gleich mehrere Gegenspieler mit dem Armen aus dem Weg, stieg zum Kopfball hoch und traf zum 1:1 (56.).

Waston nach Eckball zur Stelle

Nach einem Campbell-Eckball ist Kendall Waston mit dem Kopf zur Stelle und gleicht zum 1:1 aus.

Damit war das Match wieder komplett offen. Bis zur nächsten gefährlichen Aktion sollte es aber ein wenig dauern, weil die Schweiz nun mehr Bedacht auf das Halten des Ergebnisses legte. Bei Ballbesitz von Costa Rica standen die Eidgenossen in der Defensive kompakter, bei eigenen Angriffen ließen sie sich im Spielaufbau mehr Zeit ließen den Ball in den eigenen Reihen laufen.

Spannung steigt wieder in Schlussphase

Erst in der 77. Minute gab es wieder so etwas wie Torgefahr, als Rodriguez von der linken Seite hoch auf Embolo flankte und dieser für einen Mitspieler per Kopf ablegen wollte, die Verteidigung von Costa Rica den Ball aber wegschlagen konnte. Danach bediente Embolo den in der 69. Minute für Gavranovic eingewechselten Drmic ideal, sein wuchtiger Kopfball ging aber ans Lattenkreuz (78.).

Das ließ auch Costa Rica wieder aktiver werden. Campbell tankte sich mit einer Soloeinlage auf der linken Seite durch, ehe er erst vom vierten Schweizer Abwehrspieler zum Abspiel gezwungen wurde. Danach musste Sommer bei einem Schuss von Borges sein Können zeigen (79.). Für die vermeintliche Vorentscheidung sorgte „Joker“ Drmic, der bei einer flachen Embolo-Hereingabe von der rechten Seite im Zentrum frei stand und direkt abzog (88.).

Drmic macht das 2:1

„Joker“ Josip Drmic bringt die Schweiz erneut in Führung.

Pech für Sommer bei Elfmeter

Nach einem - nach Videobeweis - wegen Abseits nicht gegebenen Elfmeter für Costa Rica zeigte Schiedsrichter Turpin nach einem Foul an Campbell ein zweites Mal auf den Elfmeterpunkt. Diesmal durfte Bryan Ruiz zum Penalty antreten. Sein scharfer Schuss sprang von der Querlatte Sommer auf den Hinterkopf und dann ins Tor (93.). Pech für den Schlussmann der Schweiz, der eine ausgezeichnete Leistung bot. Mit dem Remis konnten aber beide Mannschaften zufrieden sein.

Stimmen zum Spiel:

Josip Drmic (Torschütze Schweiz): „Wir haben das Ziel erreicht. Wir hätten die Vorrunde mit einem Sieg abschließen wollen, das hat leider nicht geklappt. Es war unglücklich. Ich habe nach meiner Einwechslung versucht, Gas zu geben. Nun gilt es zu regenerieren, zu analysieren. Und dann werden wir unseren Blick auf Schweden richten.“

Blerim Dzemaili (Torschütze Schweiz): „Ich bin glücklich über das Tor, aber nicht über das Spiel. Wir können viel besser spielen. Wir haben zu viele Chancen zugelassen, wir können uns bei Yann (Sommer) bedanken. Das Wichtigste ist aber, dass wir weitergekommen sind. Jetzt geht es gegen Schweden. Wir können die Überraschungsmannschaft werden. Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Vladimir Petkovic (Teamchef Schweiz): „Wir haben den Gegner aufgebaut. Wir wissen alle, es war nicht unser bester Tag. Ich bin sehr froh, dass wir weitergekommen sind. Im Achtelfinale haben wir die Chance, alles besser zu machen, was heute nicht so gut geklappt hat. Manchmal fliegen wir ein bisschen, wir müssen die Füße auf dem Boden behalten. Wir haben aber einen Lauf. Ich habe volles Vertrauen in meine 23 Männer.“

Fußball-WM, dritter Spieltag Gruppe E

Mittwoch:

Schweiz - Costa Rica 2:2 (1:0)

Nischni Nowgorod, 43.319 Zuschauer, SR Turpin (FRA)

Torfolge:
1:0 Dzemaili (31.)
1:1 Waston (56.)
2:1 Drmic (88.)
2:2 Sommer (93./Eigentor nach Elfmeter)

Schweiz: Sommer - Lichtsteiner, Schär, Akanji, Rodriguez - Xhaka, Behrami (60./Zakaria) - Shaqiri (81./Lang), Dzemaili, Embolo - Gavranovic (69./Drmic)

Costa Rica: Navas - Gamboa, Acosta, Gonzalez, Waston, Oviedo - Colindres (81./Wallace), Borges, Guzman, Ruiz - Campbell

Gelbe Karten: Lichtsteiner, Zakaria, Schär bzw. Gamboa, Campbell, Waston

Die Besten: Sommer, Embolo, Dzemaili bzw. Campbell, Colindres, Waston

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