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Mina erlöst „Los Cafeteros“

Kolumbien hat sich am Donnerstag bei der WM in Russland in einem dramatischen Finale um den Aufstieg durchgesetzt und das Achtelfinal-Ticket gelöst. Die Südamerikaner setzten sich vor 41.970 Zuschauern in der Samara Arena gegen Senegal mit 1:0 (1:0) durch und holten sich damit auch den Sieg in der Gruppe H. Matchwinner für „Los Cafeteros“ war Yerry Mina mit einem Kopfballtreffer in der 74. Minute.

Senegal, dem ein Remis für den Aufstieg gereicht hätte, muss unterdessen die Heimreise antreten. Die Auswahl Aliou Cisse fiel in der Tabelle nämlich noch hinter Japan zurück. Die Japaner mussten sich zwar im Parallelspiel Polen 0:1 (0:0) geschlagen geben und halten bei ebenfalls vier Punkten und einer Tordifferenz von 4:4, die Fair-Play-Wertung (4:6 Gelbe Karten) entschied aber zugunsten der Asiaten.

Kopfballtor von Yerry Mina (Kolumbien) gegen Senegal

Reuters/Marcos Brindicci

Mina erlöste die Kolumbianer in der 74. Minute per Kopf

Im Achtelfinale bekommen es die Kolumbianer nun am Dienstag (20.00 Uhr MESZ) mit dem Verlierer des Gipfeltreffens in der Gruppe G zwischen England und Belgien zu tun. Das Auftaktspiel der Japaner in der K.-o.-Runde steht am Montag (20.00 Uhr, jeweils live in ORF eins und im Livestream) auf dem Programm.

Stürmerduell James gegen Mane

Während Senegal ein Unentschieden schon fix zum Aufstieg gereicht hätte, benötigte Kolumbien unbedingt einen Sieg, um aus eigener Kraft in das Achtelfinale einzuziehen. Coach Jose Pekerman verzichtete deshalb auf Experimente und nahm nur zwei Veränderungern im Vergleich zum 3:0 gegen Polen vor, so liefen Mateus Uribe und Carlos Sanchez von Beginn an auf. Angeführt wurde seine Elf von Stürmerstar James Rodriguez und Kapitän Radamel Falcao.

Senegals Trainer Cisse änderte seine Mannschaft im Vergleich zum 2:2 gegen Japan auf drei Positionen. Neu in die Startelf rutschten Mittelfeldspieler Cheikhou Kouyate, Defensivmann Lamine Gassama und Keita Balde. Die Hoffnungen ruhten wie gewohnt auf dem Ex-Salzburger Sadio Mane, der beim Remis gegen die Japaner das erste Tor geschossen hatte. An der jeweiligen Ausrichtung änderte sich nichts. Senegal spielte ein klassisches 4-4-2, Kolumbien agierte im 4-2-3-1.

Freistoß von Quintero (12. Minute)

Kolumbien mit der ersten Chance des Spiels: Quintero zirkelt einen Freistoß aus halbrechter Position gefährlich Richtung Tormanneck – Senegals Khadim N’Diaye klärt zum Corner.

Ruhige Anfangsphase mit zwei Aufregern

Die Anfangsminuten nutzten beide Teams zunächst einmal zum gegenseitigen Kennenlernen. Kolumbien stand sehr tief und überließ den Senegalesen das Mittelfeld, Mane und Co. ließen sich aber nicht herauslocken. Eine Standardsituation sorgte dann für die erste gefährliche Situation. Nach einem Foul an Falcao an der Strafraumgrenze probierte es Juan Quintero bei einem Freistoß aus knapp 20 Metern mit einem Schlenzer ins linke, untere Eck, Khadim N’Diaye parierte aber mit beiden Fäusten (13.).

Davinson Sanchez (Kolumbien) und Sadio Mane (Senegal)

APA/AFP/Fabrice Coffrini

Sanchez geht im Strafraum volles Risiko und spitzelt Mane den Ball mit der Ferse vom Fuß

Vier Minuten später herrschte dann Riesenaufregung vor dem Gehäuse von Kolumbiens Goalie David Ospina. Mane kam bei einem Laufduell mit Davinson Sanchez, der ihm seitlich in die Beine grätschte, im Strafraum zu Fall. Der serbische Schiedsrichter Milorad Mazic zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt, nahm seine Entscheidung nach Studium der TV-Bilder aber wieder zurück. Sanchez hatte mit der Ferse zunächst den Ball und erst Sekundenbruchteile später Mane getroffen. Die Zeitlupe rettete Kolumbien vor einem Rückschlag.

Kein Elfmeter für Sadio Mane (16. Minute)

Nachdem Sadio Mane im kolumbianischen Strafraum zu Fall gebracht wird, zeigt Schiedsrichter Milorad Mazic auf den Elfmeterpunkt. Nach Videostudium revidiert er seine Entscheidung.

Rodriguez muss nach 30 Minuten passen

Wie sich schon zuvor angekündigt hatte, war die Partie für Rodriguez nach einer halben Stunde vorbei. Den 26-jährigen Offensivstar von Bayern München, der schon bei der 1:2-Auftaktpleite gegen Japan erst spät eingewechselt worden war, plagten erneut muskuläre Probleme, er wurde durch Luis Muriel ersetzt. Ausgerechnet im Entscheidungsspiel um den Aufstieg mussten die Südamerikaner die verbleibenden 60 Minuten auf den WM-Torschützenkönig von 2014 verzichten.

Auswechslung von James Rodriguez (Kolumbien)

Reuters/David Gray

Der WM-Torschützenkönig von 2014 musste nach einer halben Stunde passen

Ohne Rodriguez fehlten Kolumbien nun umso mehr die Mittel, die entscheidenden Nadelstiche zu setzen. Senegal hatte die Partie im Griff und zog das engmaschige Verteidigungsnetz noch enger zu. Die „Löwen der Teranga“ verwalteten geschickt das Ergebnis und begnügten sich mit gelegentlichen Gegenstößen, die sie aber nicht konsequent genug zu Ende spielen. Ohne Torerfolg ging es in die Kabine.

Tor im Parallelspiel löst Knoten

Nach dem Seitenwechsel änderte sich nicht viel am Spielgeschehen. Senegal, das sich offensichtlich mit der Punkteteilung zufriedengab, machte dicht, und Kolumbien fehlten die Ideen, die dicht gestaffelte Abwehrkette der Afrikaner auseinanderzureißen. Stimmung kam unter den kolumbianischen Fans in der Samara-Arena trotz der Nullnummer in der 60. Minute aber trotzdem auf. Da Polen im Parallelspiel gegen Japan nämlich in Führung ging, waren plötzlich Senegal und Kolumbien mit dem 0:0 weiter.

Yerry Mina trifft zum 1:0 für Kolumbien (74.)

Barcelona-Star Yerry Mina trifft nach einem Corner per Kopf zum 1:0 für Kolumbien. Die Südamerikaner damit auf Platz eins der Livetabelle.

Die Spieler hatten die neue Tabellenkonstellation natürlich auch auf dem Feld mitbekommen, vor allem die Kolumbianer wirkten wie befreit und kamen nun auch zu Chancen. Nach einem Freistoß landete der Ball genau vor den Beinen von Rodriguez-Ersatzmann Muriel, der sofort volley abzog, aber das Ziel verfehlte (67.). Kurz darauf sollte es aber so weit sein. Nach einem Eckball von Quintero stieg Innenverteidiger Yerry Mina hoch und köpfelte zum 1:0 ein (74.). Kolumbien war Tabellenführer und Senegal draußen. Die „Löwen der Teranga“ wurden für ihre Passivität bitter bestraft.

Senegal mit Dreifachchance

Senegals Teamchef Cisse peitschte seine Mannschaft nun nach vorn, nun bissen sich aber die Afrikaner an Kolumbien-Goalie Ospina die Zähne aus. So blieb der Arsenal-Legionär bei einem Kopfball von M’Baye Niang (77.) ebenso Sieger, wie kurz darauf bei einem Versuch von Balde (78.). Eine Direktabnahme von Ismaila Sarr am Sechszehner verfehlte ihre Ziel (79.). Die Verzweiflung der Senegalesen war ihnen nun anzusehen, das erlösende Tor sollte nicht mehr fallen. Erstmals seit Wiedereinführung des Achtelfinales 1986 steht damit keine der fünf afrikanischen Teams unter den Top 16.

Stimmen zum Spiel:

Jose Pekerman (Teamchef Kolumbien): „Es gibt keine Zauberformel im Fußball und keine einfache Antwort, warum ein Team ein anderes besiegt. Ich denke, wir haben uns die Standardsituation (die zum Tor führte, Anm.) gut erarbeitet, und das Tor war kein Zufall, weil wir hervorragende Kopfballspieler haben.“

Aliou Cisse (Teamchef Senegal): „Ich bin heute sehr stolz auf mein Team. Aber wir haben uns nicht für das Achtelfinale qualifiziert, weil wir es nicht verdient haben. So ist das Leben. Es gibt die Fair-Play-Regel, sie wurde im Regelwerk verankert, und das ist so zu akzeptieren. Wir hätten es natürlich bevorzugt, anders auszuscheiden, aber so sind die Regeln.“

Yerry Mina (Goldtorschütze Kolumbien): „Es war kompliziert, die Senegalesen waren unglaublich schnell. Meinen Treffer widme ich meiner Familie, meinen Freunden, den Fans und ganz Kolumbien.“

Fußball-WM, dritter Spieltag Gruppe H

Donnerstag:

Senegal - Kolumbien 0:1 (0:0)

Samara-Arena, 41.970 Zuschauer, SR Mazic (SRB)

Tor: 0:1 Mina (74.)

Senegal: K. Ndiaye - Gassama, Sane, Koulibaly, Sabaly (74./Wague) - Sarr, Kouyate, Gana, Mane - Balde (80./Konate), Niang (86./Sakho)

Kolumbien: Ospina - Arias, D. Sanchez, Mina, Mojica - Uribe (83./Lerma) , C. Sanchez - Cuadrado, Quintero, James (31./Muriel) - Falcao (89./Boria)

Gelbe Karten: Niang (im Achtelfinale gesperrt) bzw. Mojica

Die Besten: Sane bzw. Sanchez, Mina

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