Themenüberblick

Traumtor entscheidet Spitzenspiel

Belgien hat am Donnerstag das Spitzenspiel der Gruppe G gegen England für sich entschieden und sich mit drei Siegen aus drei Spielen Platz eins vor den „Three Lions“ gesichert. Die „Roten Teufel“ feierten einen verdienten 1:0 (0:0)-Sieg und treffen im Achtelfinale nun am Montag auf Japan. England bekommt es am Dienstag (jeweils 20.00 Uhr MESZ, live in ORF eins) in Moskau mit Kolumbien zu tun.

Den entscheidenden Treffer in einer flotten, aber nicht hochkarätig besetzten Partie erzielte Adnan Januzaj, der sich in der 51. Minute im Strafraum durchtanzte und unhaltbar für England-Goalie Jordan Pickford im linken Kreuzeck versenkte. Für die Achtelfinal-Duelle gab die Partie allerdings wenig Aufschluss, da beide Mannschaften aufgrund der bereits zuvor fix geschafften Qualifikation für die K.-o.-Runde zahlreiche Stammkräfte schonten und eine bessere B-Elf aufs Feld schickten.

Januzaj trifft für Belgien

Nachdem sich die Belgier einige Zeit rund um den Strafraum der Engländer festgesetzt hatten, knallt schließlich Adnan Januzaj den Ball sehenswert zur 1:0-Führung unter die Latte.

Zweite Garnituren auf dem Platz

Den Rechenschieber konnten die Fans vor dem Gipfeltreffen in der Gruppe G getrost zur Seite legen. Beide Mannschaften hielten vor dem Spitzenspiel beim Punktemaximum von sechs Zählern und einem Torverhältnis von 8:2. Der Sieger des Spiels wurde Erster, der Verlierer Zweiter. Bei einem Remis würde die Fair-Play-Wertung entscheiden, in der vor dem Anpfiff die Engländer knapp mit zwei zu drei Gelben Karten vorne lagen. Sollte nach Abpfiff auch hier Gleichstand herrschen, würde unmittelbar nach dem Spiel das Los entscheiden.

Wie erwartet warfen beide Trainer vor dem Duell um den Sieg in der Gruppe G die Rotationsmaschine an, sowohl die Engländer als auch die Belgier gingen praktisch runderneuert ins Gruppenfinale. Die „Three Lions“ brachten im Vergleich zum 6:1-Sieg gegen Panama gleich acht neue Spieler. Belgiens Trainer Roberto Martinez bot sogar neun frische Kräfte auf. Unter anderen saßen die beiden Torjäger Harry Kane (fünf WM-Tore) und Belgiens Romelu Lukaku (vier) auf der Bank. Auch Kevin de Bruyne und Eden Hazard waren nicht in der Startelf.

Munterer Beginn in Kaliningrad

Trotz der personellen Veränderungen - oder gerade deshalb - ging es munter los. Die englische B-Elf mit dem durchaus beachtlichen Reservesturmduo Jamie Vardy und Marcus Rashford drückte gleich aufs Tempo. Nach einem verpatzten Rückpass von Thorgan Hazard ins Nirgendwo startete Vardy auf der rechten Seite den Turbo, sein Stanglpass konnte aber von Thibaut Courtois mit dem Fuß aus der Gefahrenzone befördert werden (2.). Aber auch auf der Gegenseite wurde es gefährlich.

Brenzlige Situation im englischen Strafraum

Nach einem wilden Gestocher im Strafraum kullert der Ball Richtung englische Torlinie und kann von John Stones gerade noch geklärt werden (10.).

Einen satten Schuss von Youri Tielemans konnte Pickford wegfausten (6.), bei der nächsten Situation wirkte der Everton-Goalie allerdings alles andere als sattelfest. Eine Flanke ließ Marouane Fellaini für Michy Batshuayi abtropfen, der den Ball Richtung Tor stocherte. Pickford schien die Situation schon bereinigt zu haben, irgendwie rutschte ihm das Leder aber aus den Händen und kullerte gemächlich Richtung Tor. Gary Cahill kratzte den Ball aber gerade noch von der Linie (10.).

Chancen auf beiden Seiten

Befürchtungen der Zuschauer, beim Duell um den Gruppensieg über 90 Minuten lang ein taktisches Geplänkel miterleben zu müssen, wurden früh zerstreut. Die Ersatzspieler beider Mannschaften hatten sich offensichtlich viel vorgenommen und wollten sich auch für weitere Einsätze in der K.-o.-Runde empfehlen. Große Gedanken an ein mögliches Duell mit Rekordweltmeister Brasilien, der auf den Gruppensieger nach dem Achtelfinal-Duell gegen Japan im Viertelfinale warten könnte, schienen sich die 22 Spieler jedenfalls nicht zu machen.

Marouane Fellaini (Belgien) und Ruben Loftus-Cheek (England)

AP/Alastair Grant

Fellaini war in den ersten 45 Minuten nicht nur optisch einer der auffälligsten Spieler auf dem Platz

Kurz legten die Belgier dann eine kleine Verschnaufpause ein und nahmen das Tempo aus der Partie. Wenn es nach vorne ging, wurde es aber gleich wieder gefährlich. Zunächst wurde ein Schuss von Batshuayi abgeblockt. Beim anschließenden Eckball stoppte sich Fellaini das Leder im Strafraum mit der Brust und zog ab. Trent Alexander-Arnold konnte sich aber noch entscheidend in den Schuss werfen (27.). Auf der Gegenseite senkte sich eine abgerissene Flanke von Alexander-Arnold fast noch gefährlich auf das Tor von Courtois (31.), kurz darauf verfehlte ein Kopfball von Ruben Loftus-Cheek sein Ziel (34.).

Auch wenn in der ersten Hälfte noch keine Tore gefallen waren, zumindest eine Vorentscheidung in der Fair-Play-Wertung schien in den ersten 45 Minuten schon herbeigeführt worden zu sein. Mit Youri Tielemans und Leander Dendoncker hatten bereits zwei Belgier eine Gelbe Karte gesehen, der Vorsprung auf England betrug nun schon 5:2. Wollten sich die „Roten Teufel“ ernsthaft noch Platz eins in der Endabrechnung der Gruppe G sichern, musste schon ein Sieg oder eine Gelb-Rote bzw. Rote Karte für einen Engländer her.

Belgien legt mit Traumtor vor

Die Martinez-Elf entschied sich nach dem Seitenwechsel für die erste Variante und untermauerte ihre Anwartschaft auf Platz eins mit einem absoluten Traumtor. Die Engländer kamen zwar zunächst frischer aus der Kabine, dann schlugen aber die „Roten Teufel“ zu. Januzaj tanzte Tottenham-Verteidiger Danny Rose aus und zirkelte den Ball unhaltbar für Pickford ins linke Kreuzeck (51.). Bei seinem achten Länderspieleinsatz für die Belgier traf der 23-jährigen Legionär von Real Sociedad damit erstmals ins Schwarze.

Tor von Adnan Januzaj (Belgien) gegen England

Reuters/Marko Djurica

Pickford konnte sich beim Kunstschuss von Januzaj strecken, so viel er wollte

Die Engländer wollten sich nicht geschlagen geben, was fehlte, waren allerdings die kreativen Ideen und die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Eine Hereingabe von Loftus-Cheek fischte sich Courtois herunter (61.), Rashford hämmerte eine schöne Vorlage von Vardy neben die Stange (66.). Lauter Jubel - zumindest von den belgischen Fans - brandete dann auf der Tribüne auf, als Vincent Kompany nach über drei Wochen Verletzungspause sein Debüt bei der Endrunde in Russland feierte und in den letzten 15 Minuten erstmals WM-Luft schnuppern durfte.

Zunächst hatten aber noch einmal die „Three Lions“ das Sagen. Nach einer missglückten Faustabwehr von Courtois, probierte es Danny Welbeck mit einem Direktschuss. Courtois war geschlagen, Fellaini verhinderte aber Schlimmeres (83.). In der Schlussminute herrschte dann noch einmal Verwirrung im englischen Strafraum. Eine Vorlage von Batshuayi konnte nicht geklärt werden, keiner wusste mehr, wo der Ball ist. Schließlich pfiff Damir Skomina wegen Stürmerfoul ab. Es blieb beim knappen Sieg für Belgien.

Stimmen zum Spiel:

Gareth Southgate (England-Trainer): „Es war ein guter Test für uns. Wir hatten sehr gute Chancen, aber heute hat es nicht sollen sein.“

Auf die Frage, warum er Schlüsselspieler schonte: „Es war ein Spiel, das wir gewinnen wollten. Aber uns steht ein Knock-out-Spiel bevor, das größte seit einer Dekade. Wir mussten sicherstellen, dass unsere Schlüsselspieler zur Verfügung stehen.“

Trent Alexander-Arnold (England-Spieler) auf die Frage, ob Englands Spieler Zweiter werden wollten: „Das war vor dem Spiel überhaupt nicht in unseren Köpfen. Derzeit ist jeder enttäuscht, man wird kein Lächeln in der Kabine sehen. Als Sportler will man jedes Spiel gewinnen.“

Roberto Martinez (Belgien-Trainer): „Ich habe Spieler gebracht, die hungrig auf eine gute Leistung waren. Der Sieg war heute nicht das Wichtigste, die Leistung war das, was zählte. Und die war gut. Wir können jetzt frohen Mutes nach vorne schauen.“

Fußball-WM, Gruppe G

Donnerstag:

England - Belgien 0:1 (0:0)

Kaliningrad-Stadion, 34.000 Zuschauer, SR Skomina (SLO)

Tor: Januzaj (51.)

England: Pickford - Jones, Stones (46./Maguire), Cahill - Alexander-Arnold (79./Welbeck), Loftus-Cheek, Dier, Delph, Rose - Rashford, Vardy

Belgien: Courtois - Dendoncker, Boyata, Vermaelen (74./Kompany) - Chadli, Fellaini, Dembele, T. Hazard - Januzaj (86./Mertens), Batshuayi, Tielemans

Gelbe Karten: niemand bzw. Tielemans, Dendoncker

Die Besten: Alexander-Arnold, Cahill bzw. Fellaini, Januzaj

Links: