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24-jährige Durststrecke zu Ende

Schweden hat erstmals seit dem dritten Platz 1994 in den USA wieder ein Viertelfinale bei einer Fußball-WM erreicht. Die Skandinavier, die in Russland sensationell die Deutschland-Gruppe-F gewonnen hatten, setzten sich am Dienstag im Achtelfinale in St. Petersburg gegen die Schweiz mit 1:0 durch und treffen nun in der Runde der letzten acht Teams am Samstag (16.00 Uhr, live in ORF eins) in Samara auf England.

Umjubelter Held war Emil Forsberg, der in dem umkämpften Duell in der 66. Minute das glückliche Siegestor erzielte. Die Schweiz verpasste damit die Chance auf den ersten Einzug in ein Viertelfinale seit der Heim-WM 1954. Vor 64 Jahren hatten die Eidgenossen dort gegen Österreich in der legendären „Hitzeschlacht von Lausanne“ mit 5:7 den Kürzeren gezogen.

Glückliches Sigestor für Schweden

Ein Schuss von Emil Forsberg wird vom Schweizer Verteidiger Manuel Akanji unhaltbar zum 1:0 für Schweden abgefälscht.

Petkovic stellt Startelf um

„Nati“-Coach Vladimir Petkovic nahm für das Achtelfinale einige Änderungen vor. In der Abwehr wurden die wegen ihrer Gelbsperren fehlenden Stephan Lichtsteiner und Fabian Schär durch Michael Lang und Johan Djourou ersetzt. Am linken Flügel stand Steven Zuber statt Breel Embolo in der Startformation, als Solospitze fungierte Josip Drmic. Die im Angriff bisher enttäuschenden Haris Seferovic und Mario Gavranovic mussten auf der Bank Platz nehmen.

Schwedens Teamchef Janne Andersson nahm im Vergleich zum 3:0-Sieg gegen Mexiko zum Abschluss der Vorrunde nur eine Veränderung vor: Gustav Svensson ersetzte den gesperrten Sebastian Larsson im Mittelfeld.

Schweden starten gefährlicher

Die ersten guten Szenen hatten die Schweden. Marcus Berg wurde von Ola Toivonen in Strafraum schön freigespielt, sein Schuss verunglückte aber völlig und ging weit am Tor vorbei (8.). Im nächsten Angriff wurde ein Berg-Versuch von Manuel Akanji abgeblockt, im Nachschuss vergab Albin Ekdal (9.).

Die Eidgenossen taten sich in der von gegenseitigem Abtasten geprägten Anfangsphase schwer. Eine lange Flanke von Xherdan Shaqiri wurde von Goalie Robin Olsen abgefangen, bevor sie zu Blerim Dzemaili gelangte (12.). Eine weitere Shaqiri-Hereingabe landete im Toraus (14.). Nach einer guten Flanke kam Zuber zum Kopfball, dieser ging aber über das Tor (24.).

Gefährlicher wirkten weiter die Nordeuropäer. Berg zwang etwa den Schweizer Goalie Yann Sommer mit einem Halbvolley ins linke Eck zu einer Glanzparade (28.). Auf der Gegenseite brachte Ricardo Rodriguez Olsen mit einem ganz schlecht getretenen Freistoß aus großer Distanz hingegen nicht in Verlegenheit (32.).

Yann Sommer (Schweiz) wehrt einen Schuss von Marcus Berg (Schweden) ab

Reuters/Jason Cairnduff

Yann Sommer bewahrte die „Nati“ in der 28. Minute vor einem Rückstand

Dzemaili vergibt Schweizer Chance

Erst gegen Ende der ersten Halbzeit wurden die Möglichkeiten häufiger. Die bis dahin beste Chance der Schweizer vergab Dzemaili, der nach Vorarbeit von Zuber aus guter Position knapp über die Latte schoss (39.). Die Schweden hätten durch Ekdal in Führung gehen können, der Mittelfeldspieler drosch eine Maßflanke von Mikael Lustig aber nicht ins Tor, sondern auf die Tribüne (41.).

Auch nach der Pause ging es zunächst gefährlich los. Nach einem Getümmel im Schweizer Strafraum verschoss Toivonen aus kurzer Distanz (49.). Dann waren wieder die Eidgenossen an der Reihe. Rodriguez holte zunächst mit einem Pass in den Strafraum einen Eckball heraus, kam nach diesem in vielversprechender Position zum Schuss, der aber abgeblockt wurde (53.).

Glückliche Führung für Schweden

Nach einem Foul an Forsberg wurde den Schweden an der Strafraumecke ein Freistoß zugesprochen, die klägliche Ausführung durch den Gefoulten selbst landete aber in der Zweimannmauer (64.). Zwei Minuten später sorgte Forsberg dann aber doch für das Führungstor. Sein Schuss aus 17 Metern wurde von Akanji unhaltbar für Sommer ins Kreuzeck abgelenkt.

Schwedens Spieler jubeln

APA/AFP/Olga Maltseva

Der schwedische Torjubel in der 66. Minute sollte der einzige des Spiels bleiben

Aufregende Schlussphase

Die Schweiz musste nun reagieren. Petkovic wechselte Embolo für Zuber und Seferovic für Dzemaili ein (73.). Die neuen Stürmer sollten für eine Schlussoffensive sorgen. Nach einem Eckball von Shaqiri fand „Joker“ Embolo auch wirklich eine Gelegenheit zum Ausgleich vor, sein platzierter Kopfball ins linke Eck konnte von den Schweden aber geklärt werden (80.). Die weiteren Schweizer Angriffe brachten die Abwehr nur noch einmal etwas in Verlegenheit, als Olsen bei einem Kopfball von Seferovic eingreifen musste (91.).

Näher am zweiten Tor des Spiels waren am Ende die Skandinavier. Nach einem Konter lief der kurz zuvor eingewechselte Martin Olsson alleine auf das Gehäuse von Sommer zu, wurde aber von Lang per Notbremse am Torschuss gehindert. Der slowenische Schiedsrichter Damir Skomina zeigte dem Verteidiger daraufhin wegen Torraubs die Rote Karte und verhängte zunächst einen Elfmeter (94.).

Elfmeteralarm in der Nachspielzeit

Michael Lang zieht die Notbremse gegen Martin Olsson und sieht dafür die Rote Karte. Schiedsrichter Damir Skomina revidiert seine Elfmeterentscheidung auf einen Freistoß, der nichts mehr einbringt.

Die Überprüfung durch den Videoschiedsrichter ergab statt des Penaltys allerdings einen Freistoß, weil das Foul knapp außerhalb des Strafraums begangen wurde. Der von Toivonen getretene Freistoß landete zwar sicher in den Händen Sommers (97.), das tat dem schwedischen Jubel nach dem Schlusspfiff aber keinen Abbruch.

Fußball-WM, Achtelfinale

Dienstag:

Schweden - Schweiz 1:0 (0:0)

St. Petersburg, 64.000 Zuschauer, SR Skomina (SLO)

Tor: Forsberg (66.)

Schweden: Olsen - Lustig (82./Krafth), Lindelöf, Granqvist, Augustinsson - Claesson, Svensson, Ekdal, Forsberg (82./Olsson) - Toivonen, Berg (90./Thelin)

Schweiz: Sommer - Lang, Djourou, Akanji, Rodriguez - Behrami, Xhaka - Shaqiri, Dzemaili (73./Seferovic), Zuber (73./Embolo) - Drmic

Rote Karte: Lang (94./Notbremse)

Gelbe Karten: Lustig (im Viertelfinale gesperrt) bzw. Xhaka, Behrami

Beste Spieler: Forsberg, Svensson bzw. Shaqiri, Rodriguez

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