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Belgiens Titeltraum geplatzt

Frankreich steht zum dritten Mal nach 1998 und 2006 in einem Fußball-WM-Finale. „Les Bleus“ stoppten am Dienstagabend in St. Petersburg mit einem 1:0-Sieg im Semifinale den Erfolgslauf von Belgien und kämpfen damit 20 Jahre nach dem Triumph bei der Heim-WM am Sonntag (17.00 Uhr, live in ORF eins) in Moskau gegen Kroatien um ihren zweiten WM-Titel.

Das entscheidende Tor in einem spannenden und hochklassigen Spiel vor 64.286 Zuschauern gelang Verteidiger Samuel Umtiti in der 51. Minute per Kopf. Die „Roten Teufel“, die als einzige Nation mit fünf Siegen in die Endrunde in Russland gestartet waren, verpassten ihr erstes WM-Endspiel, können aber mit einem Sieg gegen England im Spiel um Platz drei am Samstag (16.00 Uhr) erneut in St. Petersburg ihr bisher bestes Ergebnis - Platz vier in Mexiko 1986 - übertreffen. Belgiens „Goldene Generation“ bleibt aber ungekrönt.

Jubel von Frankreich

APA/AFP/Giuseppe Cacace

Die Franzosen jubelten nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Andres Cunha, als hätten sie bereits den WM-Titel geholt

Didier Deschamps hat am Sonntag die historische Chance, als erst dritter Fußballer der Geschichte nach dem Brasilianer Mario Zagallo und dem Deutschen Franz Beckenbauer als Spieler und Teamchef Weltmeister zu werden.

Belgier beginnen gefährlicher

Bei Frankreich kehrte Blaise Matuidi nach seiner Sperre beim 2:0-Erfolg im Viertelfinale gegen Uruguay in die Startelf zurück und verdrängte Corentin Tolisso. Im Angriff setzte Deschamps wieder auf Antoine Griezmann, Kylian Mbappe und Olivier Giroud. Auch Belgiens Coach Roberto Martinez veränderte seine Anfangsformation im Vergleich zum 2:1-Sieg gegen Brasilien nur auf einer Position. Moussa Dembele ersetzte den gesperrten Thomas Meunier. Die Offensive führten Eden Hazard, Kevin de Bruyne und Romelu Lukaku an.

Die erste nennenswerte Offensivszene hatten die Belgier, der gefährlich aussehende Stanglpass von Kapitän Hazard wurde aber von der französischen Abwehr geblockt (6.). Die Franzosen kamen erst nach zehn Minuten in den gegnerischen Strafraum, mehr als eine Halbchance durch Paul Pogba kam aber zunächst nicht heraus (11.). Einen weiten Pass auf den pfeilschnellen Jungstar Mbappe fing Belgiens Goalie Thibaut Courtois gerade noch rechtzeitig ab (13.).

Die erste wirklich gute Tormöglichkeit fanden dann wieder die „Roten Teufel“ vor. Hazard kam etwas überraschend im Strafraum zum Schuss, der aber knapp an der rechten Stange vorbeiging (16.). Im Gegenzug parierte Courtois einen Weitschuss von Matuidi (18.). Gefährlicher war aber Belgien. Ein Hazard-Versuch wurde von Raphael Varane knapp über das eigene Tor abgefälscht (19.), bei einem Versuch von Toby Alderweireld nach einem Abpraller ins linke Eck rettete Goalie Hugo Lloris mit einer Glanzparade (22.).

Lloris-Glanzparade nach Alderweireld-Schuss

Toby Alderweireld kommt nach einem Eckball zum Schuss, doch Hugo Lloris pariert mit einer Glanzparade.

Franzosen kommen etwas auf

Nun wurden auch die Franzosen offensiv aktiver. Nach einem kurz abgespielten Freistoß von Griezmann versuchte Giroud mit dem Rücken zum Tor stehend einen Kunstkopfball, der aber rechts vorbeiging (31.). Wesentlich einfacher hatte es Giroud wenig später, der Mittelstürmer verfehlte allerdings nach Mbappe-Vorlage aus völlig ungedeckter Position das Tor (34.).

Die größte französische Gelegenheit hatte dann Verteidiger Benjamin Pavard, der von Mbappe perfekt freigespielt aus spitzem Winkel abzog. Courtois lenkte den Ball aber mit dem Fuß gerade noch zum Corner ab (39.). Ein Griezmann-Freistoß aus gut 20 Metern landete in der Mauer (44.). Unmittelbar vor dem Pausenpfiff hatten die Franzosen dann aber Glück, weil Lukaku nach einem Abwehrpatzer überraschend im Fünfmeterraum an den Ball kam, diesen aber nicht unter Kontrolle bringen konnte.

Courtois macht Pavard-Chance zunichte

Benjamin Pavard wird von Mbappe ideal freigespielt, Courtois macht die hundertprozentige Chance aber zunichte.

Umtiti trifft nach Eckball per Kopf

Auch nach dem Seitenwechsel setzten die Belgier den ersten Akzent. Lukakus Kopfball nach einer Flanke von Nacer Chadli ging aber drüber (48.). Weiter glücklos war auf der Gegenseite Giroud. Sein Schuss nach guter Drehung wurde geblockt (51.). Aus dem folgenden Corner fiel dann aber das 1:0: Nach einer hohen Hereingabe von Griezmann setzte sich Umtiti im Kopfballduell mit dem wesentlich größeren Marouane Fellaini durch und bezwang Courtois. Es war das erste WM-Tor des 24-jährigen FC-Barcelona-Innenverteidigers.

Umtiti köpfelt Frankreich ins Finale

Erst scheitert Giroud aus kurzer Distanz, den folgenden Eckball von Griezmann nützt Umtiti aber zum Siegestreffer der Franzosen.

Mit der Führung im Rücken spielte die „Equipe Tricolore“ nun befreit auf und hätte beinahe nachgelegt. Matuidi (56.) und Giroud nach genialem Mbappe-Fersler (57.) scheiterten aber.

Belgische Schlussoffensive erfolglos

Die Belgier, bei denen Dries Mertens für Dembele eingewechselt wurde (60.), erholten sich nur langsam vom Schock des Rückstandes und griffen wieder an. Die beste Chance in dieser Phase vergab Fellaini, dessen Kopfball nach einer Mertens-Flanke an der rechten Stange vorbeistrich (65.). Die weiteren belgischen Offensivbemühungen wurden bereits im Ansatz unterbunden.

Erst nach der Hereinnahme von Yannick Carrasco für Fellaini (80.) musste Lloris bei einem tollen Weitschuss von Witsel wieder seine Klasse unter Beweis stellen (81.). Auch in den letzten Minuten waren die Belgier bemüht, aber erfolglos, etwa bei einer Flanke von De Bruyne (87.) und einem Steilpass auf Lukaku (88.).

Dries Mertens ist enttäuscht

AP/David Vincent

Bei den Belgiern war die Enttäuschung nach dem verpassten Finaleinzug natürlich groß

Die Franzosen, bei denen in der Schlussphase Matuidi angeschlagen ausgetauscht werden musste, retten den Sieg schließlich über die Zeit. Griezmann (93.) und der für Matuidi eingewechselte Tolisso (96.) vergaben in der Nachspielzeit sogar gute Chancen auf das 2:0.

Fußball-WM, Semifinale

Dienstag:

Frankreich - Belgien 1:0 (0:0)

St. Petersburg, 64.286 Zuschauer, SR Cunha (URU)

Tor: Umtiti (51.)

Frankreich: Lloris - Pavard, Varane, Umtiti, Hernandez - Pogba, Kante - Mbappe, Griezmann, Matuidi (86./Tolisso) - Giroud (85./N’Zonzi)

Belgien: Courtois - Chadli (91./Batshuayi), Alderweireld, Kompany, Vertonghen - Witsel, Dembele (60./Mertens), Fellaini (80./Carrasco) - De Bruyne, Lukaku, E. Hazard

Gelbe Karten: Kante, Mbappe bzw. Hazard, Alderweireld, Vertonghen

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