Themenüberblick

Finale ist noch nicht genug

20 Jahre nach dem Triumph bei der Heim-WM greift Frankreich erneut nach dem WM-Titel. Durch den 1:0-Sieg am Dienstag im Halbfinale von St. Petersburg gegen Belgien steht die „Equipe Tricolore“ nach 1998 und 2006 zum dritten Mal in einem WM-Endspiel.

Es ist nach dem verlorenen EM-Finale 2016 Frankreichs zweite Titelchance innerhalb von zwei Jahren. Gegner am Sonntag in Moskau ist der Sieger der zweiten Halbfinal-Partie zwischen England und Kroatien. Belgien bleibt wie schon 1986 nur das Spiel um Platz drei.

Neue Seite in den Geschichtsbüchern

Frankreichs Trainer Didier Deschamps, der 1998 als Spieler bereits Weltmeister geworden war, will gar nicht so gerne über damals sprechen. „Man muss mit der Zeit gehen. Meine Spieler waren vielleicht noch nicht geboren, aber sie haben Fotos gesehen“, sagte der 49-Jährige. „Ich will mit ihnen eine neue Seite der Geschichte schreiben, eine schöne Seite.“

Highlights von Frankreich - Belgien

Frankreich setzt sich im Halbfinale gegen Belgien mit 1:0 durch und steht damit erstmals seit 2006 wieder in einem WM-Finale. Die Belgier müssen auf ihr erstes Endspiel weiter warten.

Nach den zwei verlorenen Endspielen bei der WM 2006 und der EM vor zwei Jahren soll es nun im dritten Anlauf klappen. „Wir haben das Privileg, im WM-Finale zu stehen“, erklärte Deschamps. „Es war vor zwei Jahren so schmerzhaft, jetzt wollen wir es genießen.“ Vorsichtig optimistisch äußerte sich auch der Kapitän. „Ins WM-Finale einzuziehen, darf man einmal genießen. Aber man darf nicht anfangen zu träumen, sondern muss weiter hart arbeiten, damit die Träume auch wahr werden“, sagte Torhüter Hugo Lloris.

„Erleben einen neuen Traum“

In den französischen Medien war der Jubel natürlich groß. „Voll abgefahren. Phantastisch in der Spielbeherrschung und der Strategie, haben ‚Les Bleus‘ Belgien erstickt, um sich ins Finale der Weltmeisterschaft zu hieven, dank des Tors eines Helden namens Samuel Umtiti“, schrieb "L’Equipe. Und „Le Parisien" schwärmte: " Nach 20 Jahren erleben wir einen neuen Traum, getragen von einer Jugend, die einem Lust macht, sie zu mögen. Man muss die Musik ausmachen und den Ton abstellen, um uns daran zu hindern, nach Moskau zu tanzen, um den zweiten Stern des Weltmeisters zu bekommen.“

Der Wille ist entscheidend

Eine Parallele zum ersten WM-Titel sind die erneut torgefährlichen Verteidiger der Franzosen: 1998 trugen sich auf dem Weg zum erstem WM-Titel die Verteidiger Bixente Lizarazu, Laurent Blanc und Lilian Thuram in die Schützenlisten ein, 2018 gehören die Defensivspezialisten Benjamin Pavard, Raphael Varane und Samuel Umtiti zu den Torschützen.

Samuel Umtiti

Reuters/Lee Smith

Umtitis erster WM-Treffer sollte am Ende entscheidend sein

Der Kopfball des 24-jährigen Umtiti nach einem Eckball (51.) machte im Halbfinale am Ende den Unterschied. „Mir haben viele gesagt, der Wille ist entscheidend. Ich habe gut antizipiert“, sagte der Barcelona-Spieler zur Szene vor dem Tor, als er sich im Zweikampf mit dem um elf Zentimeter größeren Marouane Fellaini durchsetzte. Das letzte Kapitel wollen Umtiti und seine Kollegen am Sonntag in Moskau vollenden. „Wir haben noch nicht allzu viel realisiert, aber wir wissen, dass wir schon Großes geleistet haben. Jetzt gibt es noch ein Spiel, damit wir etwas ganz, ganz Großes leisten“, betonte „Big Sam“.

Belgier erneut gescheitert

Belgien stand zum zweiten Mal nach 1986 im WM-Halbfinale und hatte bei der WM 2014 und der EM 2016 jeweils das Viertelfinale erreicht. Zum ganz großen Coup reichte es aber wieder nicht. „Ich bin so stolz auf die Spieler, sie haben alles gegeben“, sagte Trainer Roberto Martinez, der vor allem mit der Defensivleistung seines Teams zufrieden war. Mit dem Gegentor haderte der Spanier jedoch: „Es war eine unglückliche Situation, ein Unterschied von einem Zentimeter“, sagte er.

Links: