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Desaster in jeder Hinsicht

Das Hinspiel in der dritten Runde der Europa-League-Qualifikation hat für Sturm Graz am Donnerstag in jeder Hinsicht ein Desaster gebracht. Österreichs Vizemeister steht nach der blamablen Leistung bei der 0:2-Niederlage gegen AEK Larnaka nicht nur vor dem sportlichen Aus, sondern erlitt durch den Skandal um den nach einem Becherwurf verletzten Schiedsrichterassistenten auch einen schweren Imageschaden.

Sturm-Präsident Christian Jauk war nach dem Spiel von den Vorfällen sichtlich gezeichnet. „Ein brutaler Abend in jeder Hinsicht. Ein Abend, wo wir einige Zeit brauchen werden, um ihn zu verdauen. Viel Aufbauarbeit der letzten Jahre ging heute leider verloren. Wir haben ein Bild abgegeben, das dem SK Sturm nicht entspricht“, so Jauk. Auch Coach Heiko Vogel war fassungslos: „Es ist für mich schwer, ein Statement abzugeben. Ich möchte die besten Genesungswünsche an den Schiedsrichterassistenten übermitteln.“

Sturm prüft Sanktionen gegen Täter

Fredrik Klyver war in der 78. Minute von einem Hartplastikbecher am Kopf getroffen worden und erlitt dabei eine vier Zentimeter lange Platzwunde. Der Schwede wurde im UKH Graz untersucht und konnte danach wieder entlassen werden. Der Becherwerfer, der nach der Tat das Stadion verließ, wurde von der Polizei gefasst und muss mit mehr als einem Stadionverbot rechnen.

Linienrichter von Becher getroffen

Der Linienrichter ging blutend zu Boden, nachdem er von einem Becher getroffen worden war. Der Schiedsrichter unterbrach daraufhin das Spiel.

Der Verein hat vor, gegen den Täter hart durchzugreifen. „Es werden die möglichen Strafausmaße geprüft und anlassbezogen bis hin zu Regressforderungen sanktioniert“, hieß es in einem offiziellen Statement des Clubs. „Dieses Verhalten eines Fans beim heutigen Europa-League-Spiel ist auf keinen Fall zu akzeptieren. Das schadet dem Ansehen des Fußballs und uns als Club. Wir versuchen immer, Fußball als ein positives Fest zu sehen und genau gegen diese Dinge vorzugehen. Fair Play steht bei uns an erster Stelle. Es tut uns leid, dass wir heute viele Fußballfans enttäuscht haben.“

Sturm drohen UEFA-Sanktionen

Nach einer knapp 40-minütigen Unterbrechung wurde das Spiel nach Beratungen in den Katakomben der Merkur-Arena schließlich fortgesetzt. „Ich habe mich bei den Verantwortlichen bedankt, dass wir das Spiel beenden konnten“, sagte Präsident Jauk, der allerdings mit empfindlichen Sanktionen für seinen Club rechnen muss. Wie der Europäische Fußballverband (UEFA) am Freitag mitteilte, findet das Verfahren am kommenden Freitag, dem 17. August, statt. Der Strafrahmen reicht theoretisch von einer Ermahnung bis zu einem Europacup-Ausschluss.

Sturm-Sportdirektor Günter Kreissl und Sturm-Präsident Christian Jauk

GEPA/Hans Oberlaender

Sportdirektor Günter Kreissl und Präsident Christian Jauk hatten einen Abend voller Sorgen

Sportdirektor Günter Kreissl war ebenfalls schockiert. „Das war ein Spiel, aus dem man nichts Positives herausholen kann. Das Ergebnis ist gerecht. Der Vorfall lässt mich verzweifelt zurück. Das ist ein nicht bezifferbarer Imageschaden für uns“, so Kreissl über eine Partie, die auch internationale Schlagzeilen machte.

Hoffnung auf Aufstieg besteht noch

Sportlicher Natur waren diese für die Grazer allerdings nicht. Sturm zeigte gegen den zypriotischen Cupsieger eine indiskutable Vorstellung und ging zum zehnten Mal in Folge in einem Europacup-Heimspiel als Verlierer vom Platz. „Es war eine absolut schlechte, unterirdische Leistung von uns. Wir haben verdient verloren und müssen das nächste Woche wiedergutmachen. Die Möglichkeit besteht noch“, sagte Lukas Spendlhofer.

Auch Teamkollege Fabian Koch sieht den Zug für das Erreichen der Play-off-Runde noch nicht gänzlich abgefahren. „Es tut sehr weh, so zu verlieren bei so einem wichtigen Spiel. Wir haben überhaupt nicht ins Spiel gefunden, es besteht aber noch Hoffnung, wenn wir alles abrufen, was wir zur Verfügung haben“, sagte der Rechtsverteidiger.

Für Coach Vogel, der vor der Partie noch auf „den besten Sturm der Bundesliga“ gesetzt hatte, rückte das Ergebnis und die Leistung seines Teams angesichts der Geschehnisse vorerst in den Hintergrund. „Man kann verlieren, aber was wir heute gesehen haben, hat auf keinem Fußballplatz der Welt etwas zu suchen. Das hat mich mehr bewegt als die sportliche Seite“, sagte der Deutsche.

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