Luka Modric (CRO)
AP/Alberto Saiz
UEFA Nations League

Kroaten hadern mit „Tragödie“

Wie schnelllebig der Fußball sein kann, hat Zlatko Dalic schmerzhaft erfahren müssen. „Das war die schlimmste Nacht meiner Karriere“, sagte der sichtlich geknickte Teamchef von Vizeweltmeister Kroatien nach dem 0:6-Debakel in der Nations League am Mittwoch in Spanien.

Bei ihrem ersten Pflichtspiel knapp zwei Monate nach dem grandiosen WM-Auftritt war die Auswahl um Europas Fußballer des Jahres Luka Modric und Ivan Rakitic in Elche demontiert worden. Und das von einem Team, das in Russland zunächst einen chaotischen Trainerwechsel erlebt und sich anschließend schon im Achtelfinale gegen den Gastgeber sang- und klanglos verabschiedet hatte.

Nach der vielleicht schlimmsten Pleite der kroatischen Fußballgeschichte sprach Dalic von einer „Tragödie“. „Man hat gesehen, was passiert, wenn wir nicht als Mannschaft auftreten“, kritisierte er. Sein Star Modric räumte ein, es sei „ein sehr trauriger Tag für uns alle“.

Teamchef Zlatko Dalic (CRO)
AP/Alberto Saiz
Der bei und nach der WM stürmisch gefeierte Zlatko Dalic landete in Spanien auf dem Boden der Realität

Nicht einmal Luis Enrique fand Kritikpunkte

In Spanien dagegen herrschte Euphorie. Die Fachzeitung „AS“ titelte am Mittwoch: „So macht es Spaß!“ Das Konkurrenzblatt „Marca“ feierte den Kantersieg vier Tage nach dem 2:1-Triumph von „La Roja“ im Wembley-Stadion gegen England mit einem „Bravoooooo!“ „Mundo Deportivo“ sah ein „Konzert“, ein „Spektakel“ und eine „Fiesta“. „Diese Mannschaft macht große Hoffnung“, hieß es. Bei „Sport“ war groß zu lesen: „Die Zukunft ist schon da.“

Sogar der neue Nationaltrainer Luis Enrique, der mit Lob sehr sparsam umzugehen pflegt und auch nach Siegen oft mürrisch vor die Presse tritt, war entzückt. „Heute war ein spektakulärer Tag, den wir so nie erwartet hätten“, sagte er mit leuchtenden Augen. Er könne kaum etwas kritisieren, wolle sich aber das Spiel erneut anschauen, um Fehler zu entdecken, „die es sicher gegeben hat“. Die Konkurrenz warnte er: „Wenn Spanien so spielt, ist es kaum zu stoppen.“

Spanien – Kroatien 6:0

Entfesselte Spanier fegten das kroatische Team vom Platz. Sechs Treffer schenkte man dem Vizeweltmeister in der Nations League ein.

Die Gastgeber, die ihre Gruppe der Nations League A vor dem nächsten Duell am 15. Oktober gegen England in Sevilla unangefochten anführen, setzten sich vor 33.372 Zuschauern im ausverkauften Estadio Martinez Valero dank der Treffer von Saul Niguez (24.), Marco Asensio (33.), Lovre Kalinic (35./Eigentor), Rodrigo (49.), Sergio Ramos (57.) und Isco (70.) durch. Die Fans bejubelten den Trainer bei dessen erstem Auftritt vor heimischen Publikum.

„Kolossaler“ Neuanfang

Dabei war die Verpflichtung Enriques als Nationalcoach von einigen voller Argwohn beobachtet worden. Es wurde vor allem in Madrid befürchtet, dass der Ex-Barcelona-Trainer den Teamkollegen des deutschen Nationaltorwarts Marc-Andre ter Stegen den Vorzug geben würde. Doch Enrique überraschte alle: Mit Dani Carvajal, Nacho, Isco, Sergio Ramos, Dani Ceballos und Marco Asensio lief die „Seleccion“ erstmals seit 2002 wieder mit sechs Profis von Real Madrid auf.

Der Neuanfang nach dem Rücktritt von Andres Iniesta und Gerard Pique gelang. Die Euphorie ist groß, doch es gibt auch Frust. Bei der WM war Spanien unter Fernando Hierro, der wenige Tage vor WM-Beginn den geschassten Julen Lopetegui als Trainer ersetzen musste, schon im Achtelfinale im Elferschießen an Russland gescheitert. „Der kolossale Auftritt des Teams von Luis Enrique öffnet wieder die WM-Wunde“, schrieb Kolumnist Elias Israel in „AS“. Es werde allen klar, was für eine Chance man mit „all diesen Superkickern verpasst“ habe. Auch „El Mundo“ haderte mit dem Schicksal: „Wenn die WM nur jetzt wäre“, lautete am Mittwoch die Schlagzeile des Blattes.

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