RUSADA-Schild
APA/AP/Alexander Zemlianichenko
Doping

WADA-Kehrtwende gegenüber Russland

Auf den Seychellen trifft die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) am Donnerstag eine der wichtigsten Entscheidungen ihrer Geschichte. Bereits die Empfehlung ihrer Zulassungskommission, den Bann der russischen Anti-Doping-Agentur (RUSADA) zu beenden, ist weltweit auf strikte Ablehnung und scharfe Kritik gestoßen.

Es sieht aber so aus, als würde die WADA sich davon nicht beeindrucken lassen. Folgt die WADA-Exekutive der Empfehlung ihrer Kommission, die 2015 nach Aufdeckung des staatlich organisierten Dopings in Russland verhängte Sperre trotz Nichterfüllung von zwei Hauptkriterien aufheben, dürfte sie ein Glaubwürdigkeitsproblem bekommen.

Für Grigori Rodschenkow, den langjährigen Moskauer Laborleiter und unter Zeugenschutz in den USA lebenden Kronzeugen des Skandals, wäre die Aufhebung „eine Katastrophe für olympische Sportideale, den Kampf gegen Doping und den Schutz von sauberen Sportlern“, schrieb er in der Zeitung „USA Today“.

Unterschiedliche Sichtweisen

Unterdessen hat WADA-Vizepräsidentin Linda Helleland angekündigt, der Empfehlung nicht zu folgen. „Wenn man für die Wiederzulassung Russlands stimmt, würde man dem Wunsch der Athletenkommissionen auf der ganzen Welt zuwiderhandeln, die sich klar positioniert haben, eine Zulassung jetzt nicht zu akzeptieren“, sagte die Norwegerin, die Kandidatin für die Nachfolge von Präsident Craig Reedie ist.

Linda Helleland
GEPA/Florian Ertl
Linda Helleland, WADA-Vizepräsidentin, ist gegen ein vorschnelles Handeln in der Causa Russland

Unabhängig von der WADA-Entscheidung will der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) darüber befinden, wann er die Sperre des russischen Verbandes aufhebt. „Wenn die RUSADA ihre Arbeit aufnehmen darf, werden wir den Bericht darüber abwarten und dann beraten“, sagte IAAF-Präsident Sebastian Coe jüngst. Die IAAF und das Internationale Paralympische Komitee (IPC) sind die beiden Weltverbände, die Russland bis heute gesperrt haben.

IOC-Chef Thomas Bach hatte im Juli am Rande der Fußball-WM gesagt, dass Russland den Anti-Doping-Kampf reformiert habe und verkündet, dass das IOC bereit sei, Russland wieder willkommen zu heißen. Trotz des größten Dopingskandals des 21. Jahrhunderts, mit Sabotage im Olympialabor der Winterspiele 2014 in Sotschi sowie rund 1.000-facher Manipulation von Dopingproben durften bei den Sommerspielen 2016 in Rio rund 270 Russen als neutrale Athleten starten.

Empörung auch in Österreich

Bei den Winterspielen im Februar in Pyeongchang wurden 169 Russen zugelassen. Und nach der Schlussfeier hob das IOC die Sperre des NOK des Landes auf. In einer WADA-Mitteilung fünf Tage vor der Sitzung wurde der Vorschlag des Prüfgremiums verteidigt – mit „Führung erfordert Flexibilität“ und einer „nuancierten Interpretation der Roadmap“, um die Sache zu einem Ende zu bringen.

„Als ehemalige Athletin wiederhole ich, was von sauberen Athleten aus aller Welt darauf zu hören ist: Wir haben die Sorge, dass die WADA-Spitze Flexibilität höher gewichtet als starke und entschiedene Führung“, schrieb Claudia Bokel, die frühere Athletensprecherin des IOC, in einem Betrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Mittwoch-Ausgabe).

Österreichs NADA-Chef Michael Cepic hatte ebenfalls verärgert auf das geplante Vorgehen der WADA reagiert. „Das ist ein ganz klares Abweichen der WADA, das ist ja das Schockierende, weil die WADA interessenunabhängig handeln sollte. Wenn man der obersten Behörde nicht mehr trauen kann und sie nicht mehr zu den eigenen Richtlinien stehen, dann hat das System einen Riss“, betonte Cepic.

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