Valentino Lazaro im ÖFB-Teamdress
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Nations League

„Unser Ziel ist Gruppenplatz eins“

Valentino Lazaro, Alessandro Schöpf und Martin Hinteregger: Der eine genießt den Lifestyle von Berlin, der andere muss dem Erwartungsdruck eines deutschen Traditionsclubs standhalten. Der Dritte ist tiefenentspannt. Alle drei haben jedoch ein Ziel: Am Freitag (20.45 Uhr, live in ORF eins) mit dem ÖFB-Team in Wien gegen Nordirland gewinnen.

Der Ex-Salzburger Lazaro lieferte Ende September in der deutschen Liga beim 2:0-Heimerfolg vor Hertha BSC über Serienmeister Bayern München als Rechtsverteidiger gegen Franck Ribery und David Alaba eine starke Leistung ab und bereitete einen Treffer vor. Dabei würde der 22-Jährige gern eine Position näher zum gegnerischen Tor einnehmen.

„Es ist kein Geheimnis, dass ich mich in der Offensive sehr wohlfühle. Aber ich komme auch als Rechtsverteidiger oft nach vorne, das will der Trainer auch“, so Lazaro. Unabhängig von seiner Position möchte sich der 15-fache ÖFB-Teamspieler bei Hertha als Führungsspieler etablieren.

Lazaro will nicht nur „mitschwimmen“

„Ich arbeite daran, dass ich nicht nur mitschwimme, sondern vorne vorangehen kann.“ Seine Integration beim Bundesligisten klappte im Vorjahr auch deswegen so gut, weil Lazaro am Leben in der deutschen Hauptstadt schnell Gefallen fand. „Ich liebe den coolen Lifestyle, dass immer etwas los ist.“

Österreich muss Klasse zeigen

Österreich muss am Freitag gegen Nordirland nicht nur mannschaftliche Geschlossenheit und individuelle Klasse zeigen, um in der Nations League zu gewinnen.

Derzeit ist der Steirer allerdings in Bad Waltersdorf einquartiert, wo die Vorbereitung auf das Nations-League-Spiel am Freitag im Wiener Happel-Stadion gegen Nordirland läuft. „Wir wollen eine Reaktion auf die Niederlage gegen Bosnien zeigen und gewinnen. Unser Ziel ist Gruppenplatz eins, es ist noch alles möglich“, betonte Lazaro.

Schöpf ist vom Sieg überzeugt

Für seinen ÖFB-Kollegen Schöpf ist das Duell mit den Nordiren „mehr oder weniger ein Pflichtsieg. Wenn wir so spielen wie über weite Strecken in den Testpartien, bin ich überzeugt, dass wir gewinnen können.“ Die Nordiren seien „von der technischen Qualität her vielleicht nicht die beste Mannschaft“, vermutete Schöpf. „Aber sie sind sehr robust und kampfbetont, daher erwarte ich einen ekligen Gegner.“

Nach den Ausfällen von David Alaba, Julian Baumgartlinger und Florian Grillitsch darf sich der Tiroler Hoffnungen auf einen Platz in der Startformation machen – möglicherweise sogar im Zentrum und nicht wie zuletzt am Flügel. „Meine Lieblingsposition ist hinter den Spitzen, aber der Teamchef weiß, dass ich flexibel einsetzbar bin“, meinte Schöpf.

Großer Erfolgsdruck bei Schalke

Bei Schalke agierte der 24-Jährige zuletzt als Rechtsaußen und erzielte in dieser Rolle das Tor zum 1:0 gegen Mainz, womit er den „Königsblauen“ den ersten Saisonsieg bescherte. Schon vor dieser Partie war Schöpf leicht erkältet gewesen, danach kam Fieber dazu, weshalb er das jüngste Ligamatch gegen Fortuna Düsseldorf versäumte.

Alessandro Schöpf (Schalke)
GEPA/Witters/Uwe Speck
Nach fünf Liganiederlagen in Folge stand Alessandro Schöpf mit Schalke schon zu Saisonbeginn gehörig unter Druck

Vielleicht sei die Erkrankung eine Folge davon gewesen, dass nach dem wichtigen Ligasieg viel Ballast abfiel, vermutete der wieder genesene Schöpf. „Der Druck war schon sehr groß, speziell nach der erfolgreichen letzten Saison.“ Doch selbst nach dem verkorksten Start mit fünf Liganiederlagen in Folge sei Trainer Domenico Tedesco immer ruhig und besonnen geblieben. „Er hat uns gesagt, es gibt wichtigere Dinge im Leben als Fußball.“

Hinteregger bleibt gelassen

Ähnlich gelassen geht auch Martin Hinteregger ans Werk. Sollte es tatsächlich irgendetwas geben, das den 26-jährigen Kärntner aus der Ruhe bringt – der Fußball ist es nicht. Während die Klagen von Spielern im In- und Ausland über den hohen Druck immer lauter werden, ist der Augsburg-Verteidiger die Gelassenheit in Person.

Seine entspannte Haltung sieht Hinteregger als großen Vorteil: „Das ist eine positive Einstellung. Was soll auch passieren? Ich bin gesund und habe schon viele Spiele gemacht.“ Wie sehr andere Kicker unter einer hohen Erwartungshaltung leiden, bekommt Hinteregger seit Jahren hautnah mit.

Wer hätte das gedacht?

„Viele Spieler sehen Fußball als ihr Leben und müssen das und das erreichen. Ich habe mir nie gedacht, dass ich einmal in der deutschen Bundesliga spiele, und jetzt spiele ich dort schon die dritte Saison. Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe. Wenn’s noch mehr wird, ist das eine Draufgabe.“

Martin Hinteregger (Augsburg)
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Martin Hinteregger nimmt sich selbst den Druck, der im modernen Fußball immer größer wird

Der Innenverteidiger wurde mit Red Bull Salzburg je dreimal Meister und Cupsieger. Außerdem kam er bei der EM 2016 in allen drei Partien zum Einsatz, insgesamt hält Hinteregger bei 33 ÖFB-Einsätzen (drei Tore). „Ich habe im Nationalteam schon über 30 Länderspiele, das hätte ich als 17-Jähriger nie gedacht.“

Nie zufrieden, ist auch nicht gut

Laut Hinteregger würde es vielen Kickern guttun, nicht zu hohe Ansprüche an sich selbst zu stellen. „Man muss einmal dankbar sein für das, was man hat“, so der Abwehrspieler. „Man soll nicht immer mehr und mehr wollen, sondern mit dem zufrieden sein, was gerade ist. Auch wenn viele sagen, Zufriedenheit ist Stillstand – wenn man nie zufrieden ist, ist das auch nicht gut.“

Diese Geisteshaltung ist aber nach Ansicht von Hinteregger nicht zu vermitteln oder zu erlernen. „Das hat man oder hat man nicht.“ Die allgemeine Zufriedenheit mit seiner persönlichen Situation bedeutet jedoch nicht, dass der Smartphone-Verweigerer keine Pläne mehr hat. „Eine andere Liga würde ich aber schon noch gern sehen“, sagte er und denkt dabei an die italienische Serie A.

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