Jubel der Österreicher
ORF.at/Dominique Hammer
Nations League

Österreich ringt Nordirland nieder

22.300 Besucher haben am Freitagabend im Wiener Ernst-Happel-Stadion einen 1:0-Sieg Österreichs in der Nations League über Nordirland gesehen. Torschütze des einzigen Treffers in der 71. Minute war ausgerechnet Teamkapitän Marko Arnautovic, um den es zuletzt einige Diskussionen gegeben hatte.

Es war erst der dritte Erfolg im zehnten Duell mit den Nordiren, das Torverhältnis ist weiter negativ. Der Arbeitssieg gegen gut verteidigende Gäste hält Österreich jedoch zumindest weiter im Rennen um den Sieg in Gruppe B3, in der Bosnien-Herzegowina mit sechs Punkten die Tabelle anführt. Am 15. November kommt es in Wien zum Heimduell mit den Bosniern, die bereits am Montag ihr Heimspiel gegen Nordirland haben.

Österreich tat sich in dem Geduldsspiel lange Zeit schwer. Die erste Hälfte hatte kaum Positives zu bieten, die zweite Hälfte begann dann schwungvoller und führte letztlich zu dem notwendigen Erfolg, auch wenn Nordirland am Schluss noch einmal gehörig auf den Ausgleich drückte. Eine Chance zur Steigerung hat die ÖFB-Auswahl bereits am Dienstag (20.45 Uhr, live in ORF eins) bei einem Testspiel in Herning gegen Dänemark.

Arnautovic schießt ÖFB-Team zu Sieg gegen Nordirland

ÖFB-Kapitän Marko Arnautovic erlöst das Nationalteam – Peter Zulj setzt den Stürmer optimal in Szene. Der lässt sich die Chance nicht nehmen und erzielt das Führungstor.

Foda stellt um

Foda ließ diesmal, entgegen dem Auftaktspiel gegen Bosnien-Herzegowina, nicht mit einem 3-5-2-System beginnen, sondern setzte gegen die Nordiren auf eine Viererkette und ein 4-4-2. So sollten Andreas Ulmer, Martin Hinteregger, Sebastian Prödl und Stefan Lainer in der Defensive dichtmachen, während Guido Burgstaller und Kapitän Arnautovic vorne für Gefahr sorgen sollten.

Arnautovic war in seinem 75. Länderspiel also doch von Foda als Kapitän aufs Feld geschickt worden. Der West-Ham-Legionär hatte bereits vor einem Monat beim 0:1 in Bosnien-Herzegowina als Spielführer fungiert, danach gab es Diskussionen um ein spätnachts gepostetes Foto mit ihm und Bosnien-Star Edin Dzeko. Im Vergleich zum Match in Zenica rückten neben Ulmer Marcel Sabitzer und der rechtzeitig fit gewordene Burgstaller neu in die Mannschaft, sie ersetzten die verletzten David Alaba, Florian Grillitsch und Michael Gregoritsch.

Gute Stimmung auf den Tribünen

Die Fans der Nordiren waren vor dem Match schon trink-, sanges- und tanzfreudig und allgemein besonders gut gelaunt. Einige von ihnen hatten sogar ein aufblasbares Schwimmutensil in Form eines Einhorns mitgebracht. Was die Ordner im Ernst-Happel-Stadion zumindest zu Diskussionen mit den Fans veranlasste, das Einhorn wurde dennoch im nordirischen Sektor herumgewirbelt. Nicht wirbeln durfte vorerst der vielleicht bekannteste Spieler der Briten: Will Grigg war auf der Ersatzbank auf Sparflamme.

Österreich übernahm von Anpfiff weg das Kommando auf dem Spielfeld, aber auch Nordirland versteckte sich nicht. Beide Mannschaften attackierten den Gegner schon relativ früh, so entwickelte sich die ersten zehn Minuten noch kein richtiger Spielfluß. Erste gute Chance für die ÖFB-Elf war ein Weitschuss von Sabitzer (14.), der jedoch vom verteidigenden Stürmer Josh Magennis über die Latte abgelenkt wurde.

Österreicher ohne Lösung gegen Nordiren

In der 18. Minute dann eine seltene Situation. Nach einem Rückpass von Craig Cathcart auf Torhüter Bailey Peacock-Farrell entschied der bulgarische Schiedsrichter Georgi Kabakow zu Recht auf indirekten Freistoß im Strafraum. Doch Arnautovic jagte den Ball mit voller Wucht auf den Körper von Magennis statt ins Netz. Mit Fortdauer der Partie wurde dem Beobachter immer klarer, dass dieses Spiel vonseiten der Österreicher Geduld erfordern würde.

Indirekter Freistoß in die Mauer (19.)

Nach einem Rückpassvergehen übernimmt Arnautovic den indirekten Freistoß im Strafraum. Sein Schuss geht aber in die nordirische Mauer.

Der Spielaufbau war zu unpräzise, Lösungen gegen die konsequent verteidigenden Nordiren gab es keine. Ein Kopfball von Prödl (33.) ging über das Tor, sonst hatte das ÖFB-Team keine gefährliche Aktion zu verzeichnen. Wie bereits im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina endeten die Offensivbemühungen an der gegnerischen Strafraumgrenze. Das heimische Publikum versuchte mit aufmunterndem Applaus Arnautovic und Co. anzuspornen. Doch allein, es nützte nichts.

Ideen waren gefragt

Die Österreicher kamen nicht durch. Aktionen Eins-gegen-eins, die vielleicht ein Mittel gegen die nordirische Abwehr gewesen wären, fanden nicht statt. Stefan Lainers Vorlagen, der sich über rechts bemühte, fanden keine Abnehmer. Foda musste sich in der Halbzeitpause jedenfalls etwas einfallen lassen, um wieder Schwung und Ideen ins Team zu bringen. Die Zuschauer pfiffen weder noch applaudierten sie überzeugt zum Pausenpfiff. Kaum jemand der Zuschauer konnte mit dieser ersten Hälfte der ÖFB-Elf etwas anfangen.

Spielszene bei Österreich – Nordirland
ORF.at/Dominique Hammer
Nicht nur Sabitzer (M.) war der Frust über die fehlenden Ideen in der ersten Hälfte anzusehen

Foda vertraute zu Beginn der zweiten Hälfte auf die selben elf Spieler wie zuvor. Prompt hatten die Nordiren auch gleich die bis dahin beste Chance auf den ersten Treffer der Partie. Paddy McNairs gut angetragener Schuss von der Strafraumgrenze wurde jedoch von Heinz Lindner sehenswert abgewehrt. Fast im Gegenzug scheiterte dann Arnautovic mit einem Schuss vom Elfer an Peacock-Farrell. Der 21-jährige Torhüter von Leeds machte kurz darauf in seinem erst dritten Länderspiel auch eine Möglichkeit von Sabitzer zunichte.

Das lange Warten hat ein Ende

Die Anfangsminuten der zweiten Hälfte hatten mehr gute Szenen zu bieten als die 45 Minuten davor. Österreichs Auswahl agierte jetzt mit wesentlich mehr Tempo als vor der Pause. Nordirlands Fans kamen ebenso wieder in Fahrt. „Will Grigg’s on fire“ hallte durch das Happel-Oval und sorgte für britisches Fußballflair in Wien und fast so etwas wie Heimspielatmosphäre für die Gäste. Trotz der guten Stimmung auf den Rängen war das 0:0 für Österreich gar nicht zum Freuen.

Auch die Leistung des ÖFB-Teams wurde wieder schwächer. Foda musste reagieren. So machten sich schon Rückkehrer Marc Janko sowie Alessandro Schöpf für ihren Einsatz bereit, als Arnautovic nach Idealpass von Peter Zulj den Ball zum erlösenden 1:0 in der 71. Minute in die Maschen jagte. Arnautovic ließ es sich bei seinem Jubel über seinen 20. Teamtreffer nicht nehmen, die Kapitänsbinde demonstrativ Richtung Ehrentribüne zu strecken. Die von einer Zeitung berichtete und vom ÖFB dementierte Kritik an ihm aus dem Vorstand hatte den 29-jährigen West-Ham-Legionär offenbar doch getroffen.

Nordirland macht nochmals Dampf

In der 79. Minute war es dann so weit. Nordirlands Kultstürmer Grigg betrat den Rasen des Happel-Stadions. Sein Trainer Michael O’Neill setzte seine Hoffnung auf ein positives Resultat auf den Spieler von Wigan, der vor der EM 2016 durch ein legendäres Video von feiernden Fans, die seinen Namen in einem Pub frenetisch zu den Klängen des 1990er-Disco-Hits „Freed from Desire“ sangen, berühmt wurde.

Grigg köpfelt an die Stange (84.)

Brenzlige Situation für die Gastgeber: Der eingewechselte Publikumsliebling der Nordiren, Will Grigg, trifft per Kopf die Innenstange.

Noch bekannter wäre er geworden, wenn sein Kopfball in der 84. Minute nicht von der Innenstange in die Hände Lindners, sondern doch ins Tor zum 1:1 gesprungen wäre. Die Nordiren machten jedenfalls in den letzten Minuten wieder gehörig Dampf. Die Österreicher, bei denen Florian Kainz für den wieder einmal im Team unauffälligen Burgstaller eingewechselt worden war, zogen sich zurück. Das 1:0 und die damit notwendigen drei Punkte galt es, unter allen Umständen zu verteidigen, was schließlich auch gelang.

UEFA Nations League, Gruppe B3

Freitag:

Österreich – Nordirland Endstand 1:0 (0:0)

Wien, Happel-Stadion, 22.300, SR Georgi Kabakow (BUL)

Tor:
1:0 Arnautovic (71.)

Österreich: Lindner – Lainer, Prödl, Hinteregger, Ulmer – Lazaro (90./Dragovic), Ilsanker, Zulj, Sabitzer (75./Schöpf) – Burgstaller (83./Kainz), Arnautovic

Nordirland: Peacock-Farrell – McNair, Cathcart, J. Evans, Lewis – Dallas, Davis, Norwood, Saville (76./Vassell), Ferguson (55./C. Evans) – Magennis (79./Grigg)

Gelbe Karten: Keine bzw. Peacock-Farrell, Norwood

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