Stefan Schwab (SKR) im Kopfballduell mit Lorenzo Melgarejo (Spartak)
AP/Pavel Golovkin
Europa League

Rapid erkämpft sich „Endspiel“

Rapid hat sich mit dem überraschenden Sieg bei Spartak Moskau in der Europa League am Donnerstag eine laut Kapitän Stefan Schwab „wunderbare Situation“ erarbeitet. Die Wiener können aus eigener Kraft in der Europa League überwintern.

Dank des 2:1 bei Spartak Moskau hielt eine stark ersatzgeschwächte Rapid-Mannschaft die Chancen auf Frühjahrsauftritte in der Fußball-Europa-League aufrecht. Im letzten Gruppenspiel gegen die Glasgow Rangers in knapp zwei Wochen würde den Wienern vor heimischer Kulisse schon ein Remis zum Aufstieg genügen.

„Wir haben ein Heimspiel, ein Endspiel, wir werden alles daransetzen, dass wir überwintern“, versprach ein gelöst wirkender Kühbauer. Er freute sich über ein zuletzt ungewohntes Bild: „Es ist eine wundervolle Situation, wenn man die Tabelle einmal von der anderen Seite ansehen kann.“ Diese weist Rapid vor dem letzten Spieltag als Gruppenzweiten aus.

Boli Bolingoli und Rapid-Coach Didi Kühbauer
AP/Pavel Golovkin
Streicheleinheit von Rapid-Trainer Dietmar Kühbauer für Boli Bolingoli nach dem unerwarteten Sieg in Moskau

Schwab: „Eine wunderbare Situation“

Nach dem 0:0 im Parallelspiel zwischen Villarreal und den Rangers reicht Rapid am 13. Dezember in Gruppe G bereits ein Heim-Unentschieden zum Einzug ins Sechzehntelfinale. „Das bringt uns in eine wunderbare Situation, wir sind voll dabei um den Aufstieg. Wir haben uns eine geile Partie gegen die Rangers erspielt“, bemerkte Stefan Schwab. Mit Blick auf die sportliche Krise der vergangenen Wochen sei es schön, so der Kapitän, „wieder einmal positive Sachen zu hören. Das kann uns noch einmal für die nächsten Spiele einen Aufschub geben.“

Im bitterkalten Spartak-Stadion wandelten die Wiener einen 0:1-Pausenrückstand noch zum ersten Auswärtssieg im Europacup seit 18. August 2016 (4:0 in Trencin) oder sieben Partien. Mert Müldür (80.) und Philipp Schobesberger (91.) trafen. „Wir waren in der ersten Hälfte vielleicht noch ein bisschen zu passiv. Aber mit Minute zu Minute ist das Selbstvertrauen und der Glaube an uns selbst gestiegen“, erzählte Schwab. „Ganz wichtig ist, dass der Glaube richtig zurückkehrt, bei jedem Einzelnen. Und dass wir als Team das Vertrauen mitnehmen, dass wir ein Spiel drehen können.“

„Upgrades“ von Rapid auf der Ersatzbank

Rapid ging ohne fünf Stammspieler in die Partie, Kühbauer ließ den erst seit Kurzem wieder fitten Schobesberger und Vielspieler Schwab dennoch zu Beginn auf der Bank. Sein Winkelzug ging auf. Mit ihren Hereinnahmen nach gut einer Stunde ging ein Ruck durch die Mannschaft. Schobesberger glänzte gegen eine erst unkonzentrierte und dann müde Spartak-Defensive mit einer Vorlage und dem Siegestor, bei dem Schwab assistierte.

„Es ist natürlich nie falsch, wenn man zwei Spieler in der Hinterhand hat, die ein Upgrade sind“, sagte Kühbauer. „Man kann sagen, dass der Trainerstaff das richtig gemacht hat.“ Den Burgenländer freute aber auch, dass einige zuletzt unter Kritik stehende Spieler, wie etwa Mateo Barac, ihre Chance genützt hätten. „Es war das Schönste für mich, dass auch Spieler, an die man vielleicht nicht so glaubt, eine gute Leistung erbracht haben.“

Besonders positiv aus Sicht der Grün-Weißen: Schobesberger ist die fehlende Matchpraxis nach fünfmonatiger Wettkampfpause nach einer Hüft-OP nicht anzusehen. „Er hat extreme Ruhe reingebracht, die Bälle gesichert und hat auch nie einen Spieler in Stress gebracht. Er bringt uns Qualität“, befand Kühbauer. „Er denkt in Wahrheit nicht zu viel nach“, meinte Kühbauer lächelnd, angesprochen auf die Besonderheit seines Stürmers. „Er wird noch das eine oder andere schlechte Spiel machen, aber seine Mentalität als Fußballspieler werden wir nicht ändern können, und das ist nicht allzu schlecht.“

Nach der Europa League ist vor der Bundesliga

Auf der guten Leistung in Russland dürfe man sich allerdings nicht ausruhen. Schon am Sonntag bei Wacker Innsbruck muss das gleiche Niveau abgerufen werden. „Das wird natürlich ein ganz anderes Spiel“, sagte Schwab. „Gegen Spartak war die Erwartungshaltung außen gleich null.“ In der Liga stehen die Hütteldorfer als Tabellenachte massiv unter Druck. Schwab versprach vor dem Rückflug eine gewissenhafte Regeneration der ganzen Mannschaft: „Wir wissen, was dort für uns auf dem Spiel steht.“ Gegen Innsbruck könnten mit Andrei Ivan und Thomas Murg zwei Flügelspieler zurückkehren.

Europa League, Gruppe G, fünfter Spieltag

Donnerstag:

Spartak Moskau – Rapid 1:2 (1:0)

Moskau, Otkritije Arena, 20.739 Zuschauer, SR Gil (POL)

Torfolge:
1:0 Ze Luis (20.)
1:1 Müldür (80.)
1:2 Schobesberger (91.)

Spartak: Rebrow – Jeschtschenko, Kutepow, Dschikija, Kombarow – Melgarejo (82./Popow), Gluschakow, Timofeew, Hanni (72./Samedow) – Ze Luis, Luiz Adriano

Rapid: Strebinger – Müldür, Hofmann, Barac, Potzmann – Martic, D. Ljubicic (65./Schwab) – Berisha (81./Thurnwald), Knasmüllner, Bolingoli – Alar (65./Schobesberger)

Gelbe Karten: Gluschakow bzw. Barac, Martic, Hofmann

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