Quarterback Patrick Mahomes (Kansas City Chiefs) wirft einen Pass
AP/Charlie Riedel
NFL

Senkrechtstarter trägt Hoffnung der Chiefs

Patrick Mahomes hat mit Peyton Manning und Tom Brady eines gemeinsam: Nur diese drei Quarterbacks haben in einem Grunddurchgang der National Football League jeweils 50 oder mehr Touchdownpässe erzielt. Der 23-jährige Mahomes avancierte in seiner ersten vollen Saison bei den Kansas City Chiefs zum NFL-Senkrechtstarter und Hoffnungsträger.

Zum dritten Mal in Folge haben die Chiefs die Western Division in der American Football Conference (AFC) für sich entschieden. Aller guten Dinge sollen drei sein, wenn das Team aus Missouri am Samstag in den Play-offs daheim auf die Indianapolis Colts trifft. In den vergangenen beiden Saisonen war dort jeweils nach dem ersten Spiel Endstation.

Das soll sich mit Mahomes ändern. Der Spielmacher führt die nach Yards und Punkten beste Offensive der Liga an. Zwölf Siege und nur vier Niederlagen bedeuteten Platz eins in der AFC und ständiges Heimrecht in der Postseason. Die Chiefs haben allerdings seit 25 Jahren kein Play-off-Spiel zu Hause gewonnen. Der einmalige Super-Bowl-Sieger will mit Mahomes nach 49 Jahren wieder auf den NFL-Thron.

Auf den Spuren des Vaters

Bei diesem Unterfangen kann Mahomes vor allem seinem Wurfarm vertrauen. Der wurde dem 1,91 Meter großen Spielmacher bereits in die Wiege gelegt. Sein Vater, Pat Mahomes, war jahrelang in der Major League Baseball (MLB) engagiert. Als Werfer spielte der heute 48-Jährige unter anderem für die Minnesota Twins. Der Sohn, der in Texas in die Schule ging, verfolgte die Arbeit seines Vaters genau.

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Happy father’s day to the best pops out there!

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„Ich habe meinem Vater gegen die Besten der Welt zugesehen. Ich habe aus erster Hand erfahren, wie viel Arbeit es täglich benötigt, wenn ich selbst Erfolge in der National Football League haben möchte“, betonte Mahomes, der im College für die Texas Tech Red Raiders auch Baseball spielte. Die Detroit Tigers wählten ihn im MLB-Draft 2014 in der 37. Runde. Unterschrieben hat der 1.120. Pick nie.

Schon auf dem College gibt es Spektakel

Mahomes konzentrierte sich gänzlich auf Football und sorgte auch auf dem College für Spektakel. Am 22. Oktober 2016 verlor Mahomes zwar mit seinem Team gegen die Oklahoma Sooners (mit dem heutigen Cleveland-Quarterback Baker Mayfield), die 59:66-Heimniederlage ging allerdings in die Geschichtsbücher ein. Mahomes stellte mit 819 Yards (734 Yards Passing, 85 Rushing) einen Rekord auf höchstem College-Level auf.

Das letzte Jahr ließ Mahomes sausen und erklärte sich für den NFL-Draft bereit. Die Chiefs hatten zu diesem Zeitpunkt längst ein Auge auf ihn geworfen. Dessen explosive Würfe und Athletik fielen dem heutigen General Manager Brett Veach 2015 auf, als dieser auf der Suche nach einem Tackle war. Die Wachablöse auf der Quarterback-Position der Chiefs nahm ihren Lauf. Zu diesem Zeitpunkt saß Alex Smith fest im Sattel, die erste Wahl San Franciscos im Draft 2005 hatte aber auch ob seines Alters ein natürliches Ablaufdatum in Kansas City.

Nicht nur der Arm überzeugt

Dessen war sich auch Headcoach Andy Reid bewusst, der sich von Mahomes persönlich überzeugen ließ – nicht nur von dessen Arm, der bei einem Probetraining 78 Yards meisterte. Bei einem Treffen vor dem Auswahlverfahren 2017 gab Reid dem Studenten an einem Vormittag Einblicke in die offensiven Schemata der Chiefs. Nach einer Pause bat der langjährige NFL-Trainer Mahomes, ihm die Chiefs-Offense nun näherzubringen. Mahomes gab nahezu alles gleich wieder.

Quaterback Patrick Mahomes (Chiefs) und Head Coach Andy Reid (Chiefs)
AP/Ed Zurga
Mahomes (l.) überzeugte Reid nicht nur mit dem Arm, sondern auch mit dem Kopf

„Das Erinnerungsvermögen, das er hat, ist verrückt“, meinte Offensive Coordinator Eric Bieniemy. „Man hatte das Gefühl, dass Patrick okay sein würde“, sagte Reid mit Untertreibung. Ihm gefiel Mahomes so gut, dass dieser schließlich an die zehnte Stelle des Drafts gewählt wurde. Die Chiefs bezahlten zwei Erstrundenpicks und einen Drittrundenpick an Buffalo, um von der 27. an die zehnte Position zu gelangen. Seit 1983 hatte Kansas City keinen Quarterback mehr in Runde eins gezogen.

„Wenn du einen Spieler willst, machst du das. Die Kosten? Ach. Du kannst die Kosten so oft evaluieren, wie du willst, aber du evaluierst so lange, bis du keinen Quarterback hast“, erzählte Spielmacherexperte Reid in einem TV-Interview. Der Plan mit Mahomes sah vor, ihn zunächst hinter Routinier und Vorzeigeprofi Smith als Ersatzmann fungieren zu lassen. Zum Ende des Grunddurchgangs gab Mahomes 2017 schließlich sein ersehntes NFL-Debüt beim 27:24 gegen Denver.

Raketenstart in die erste volle Saison

Smith wurde in der folgenden Pause nach Washington abgegeben, Mahomes übernahm das Ruder der Offensive und startete wie eine Rakete in seine erste volle Saison. In den ersten beiden Spielen warf er zehn Touchdownpässe, wurde der jüngste Spielmacher, der sechs in einer Partie erzielte, um kam am schnellsten zu 4.000 Passing Yards und 40 Touchdownpässen (13 Spiele) – allesamt neue NFL-Bestmarken.

Am Ende des Grunddurchgangs standen dank des „Raketenarms“ 5.097 Yards zu Buche, diese Marke übertrafen zuvor nur sechs Spieler. Mahomes, der auch als Persönlichkeit mit positiver Ausstrahlung punktet, steht für Spektakel. Das unterstreichen die Würfe bei den Spielzügen, die er mit seiner Athletik verlängert und dennoch die Präzision dabei bewahrt. Selbst ein akkurat geworfener „No-Look-Pass“ gehört zum Repertoire von Mahomes, wie beim 27:24-Overtimesieg gegen die Baltimore Ravens bezeugt werden konnte.

Dieses Spektakel wird auch in den Play-offs vonnöten sein. Denn so stark die Offensive mit Anspielstationen wie Wide Receiver Tyreek Hill und Tight End Travis Kelce ist, so anfällig präsentierte sich die Defensive, die die zweitmeisten Yards in der Regular Season zuließ.

„Du willst auf der größten Bühne gewinnen“

Mit Andrew Luck gastiert am Samstag in Kansas City jener Spielmacher, der die zweitmeisten Touchdownpässe im Grunddurchgang warf (39). Der Colts-Quarterback hat auch besondere Erinnerungen an die Chiefs, führte der heute 29-Jährige doch Anfang 2014 das zweitgrößte Comeback der Play-off-Geschichte an, als die Chiefs einen Vorsprung von 28 Punkten in der zweiten Hälfte noch aus der Hand gaben und 44:45 unterlagen.

Die Chiefs haben zwar dieses Mal Heimrecht, doch in der jüngeren Geschichte zog Kansas City in den Play-offs vor eigenem Publikum sechsmal in Folge den Kürzeren – trotz des imposanten Arrowhead Stadiums, in dem die Anhänger 2014 einen Lautstärkenrekord (142,2 Dezibel) aufgestellt hatten. Mahomes will die Negativserie beenden.

„Wenn du älter wirst, willst du Profi sein und auf der größten Bühne gewinnen“, sagte der Kandidat für die Auszeichnung als wertvollster Spieler vor seinem Play-off-Debüt. In der Postseason haben die Chiefs gegen die Colts noch nie gewonnen und bisher viermal verloren. Auch das soll sich mit Senkrechtstarter Mahomes ändern.

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