Ricarda Haaser
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Ski-WM

RTL-Quartett hat nichts zu verlieren

Österreichs Damen warten bei der alpinen Ski-WM in Aare nach drei Bewerben noch auf eine Medaille. Die Chance, dass sich das im Riesentorlauf am Donnerstag (14.15 bzw. 17.45 Uhr, live in ORF eins) ändert, ist nicht sehr hoch. Denn die Österreicherinnen sind im langen Schatten von Favoritin Mikaela Shiffrin klare Außenseiterinnen.

Neun Tage nach WM-Gold im Super-G geht die Amerikanerin auf ihren zweiten Titel bei der Ski-WM in Aare los. „Es fühlt sich fast wie ein zweiter Start in die WM an“, sagte die Weltcup-Dominatorin. Österreich hofft mit Ricarda Haaser, Katharina Liensberger, Katharina Truppe und Bernadette Schild auf eine handfeste Überraschung.

Der Riesentorlauf ist in Anbetracht der bisherigen Weltcup-Ergebnisse und der Verletztenliste bei den ÖSV-Damen die WM-Disziplin mit den geringsten Medaillenchancen. Mit Stephanie Brunner und Anna Veith, die 2015 unter ihrem Mädchennamen Fenninger Weltmeisterin wurde, fehlen zwei Topläuferinnen mit Kreuzbandrissen. Das beste Resultat des am Donnerstag startenden Quartetts hat Haaser als Siebente auf dem Semmering zu Buche stehen, Liensberger war in Killington Neunte. Schild und Truppe warten noch auf ein Top-Ten-Ergebnis.

ÖSV-Damen wollen überraschen

Im Damen-RTL ist das ÖSV-Quartett Außenseiter. Favoritinnen sind Mikaela Shiffrin, Petra Vlhova und Titelverteidigerin Tessa Worley.

Trotz der Außenseiterrolle gibt man sich im rot-weiß-roten Lager aber kämpferisch. „Ziel ist schon, von oben bis unten einen guten Lauf fahren“, sagte Haaser. „Nur attackieren, dass ich sagen kann, ich bin fünf Tore super gefahren, bringt auch nichts. Aber wie man gesehen hat, muss man richtig stabil sein im Riesentorlauf, dass man ganz, ganz vorne mitfahren kann“, sagte die Tirolerin. „Auf dem Hang muss man sowieso schauen, dass man den Ski auf Zug hält und sehr viel selber dazu Tempo macht, weil er nicht allzu steil ist.“

Teambewerb gibt Selbstvertrauen

Truppe und Liensberger waren am Dienstag bereits im Teamwettkampf im Einsatz und kamen am Abend mit Silber ins Quartier zurück. Bei dem Bewerb blieb Truppe als Einzige der ÖSV-Mannschaft in jedem Duell siegreich. „Ich habe, glaube ich, echt einen guten Tag erwischt“, meinte die Kärntnerin nachher. Das gute Gefühl wollte sie in ihr zweites Rennen mitnehmen. „Meine Erwartung sind jetzt keine Medaillen, weil ich habe noch kein Podest. Ich kann eigentlich nichts verlieren“, so Truppe.

Die 21-jährige Liensberger kannte den Hang schon vor dem Teambewerb, gewann sie doch vor zwei Jahren RTL-Silber bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Aare. „Trotzdem ist es wichtig, sich immer wieder neu darauf einzustellen“, sagte die Vorarlbergerin. Ihre Stärken sehe sie zwar im Slalom, dennoch versprach sie vollen Fokus. „Ich versuche einfach, das zu zeigen, was ich kann, und schnell Ski zu fahren. Was dann rauskommt, werden wir sehen.“

Bernadette Schild, Katharina Truppe, Ricarda Haaser und Katharina Liensberger
GEPA/Wolfgang Grebien
Schild, Truppe, Haaser und Liensberger (v. l.) sollen im Riesentorlauf für eine Überraschung sorgen

Auch in Schild steckt ein größeres Potenzial für den Slalom, den Riesentorlauf nehme sie aber dennoch „sehr ernst“. Allein der Umstand, vor der Hauptdisziplin schon einmal den Hang in einem Wettkampf befahren zu können, nehme viel Stress von ihr. „Man schläft da auch viel besser, weil man einfach sehr, sehr müde ist von dem einen Renntag“, sagte die Salzburgerin, die ohne die Verletzungen von Veith und Brunner wohl keinen Startplatz bekommen hätte. „Aber ich denke trotzdem, ich habe schon ganz gute Leistungen im Riesentorlauf auch gezeigt.“

Shiffrins mit aufgeladenen Akkus

Shiffrin nimmt unterdessen mit aufgeladenen Akkus das nächste Gold ins Visier. „Ich bin wirklich aufgeregt, freue mich auf diese nächsten beiden Rennen, vor allem nach einen paar guten Trainingstagen“, so die 23-Jährige, die am Samstag im Slalom ebenfalls Goldkandidatin Nummer eins ist. „Körperlich geht es mir ziemlich gut.“ Zum Training ging es über die Grenze nach Trysil in Norwegen, weil die Pisten dort mehr ihrem Geschmack entsprachen.

Die Läuferin aus dem US-Bundesstaat Colorado hatte sich in der vergangenen Woche entschieden, auf die Kombination zu verzichten, am Teamwettkampf nahmen die USA gar nicht erst teil. „Es fühlt sich definitiv wie die richtige Entscheidung für mich an“, sagte Shiffrin, die nachher wegen ihres Verzichts auch Kritik einstecken musste.

Mikaela Shiffrin
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Shiffrin zog nach Gold im Super-G Training einem Kombi-Start vor

„Ich bin ein klein wenig ausgeruhter vor diesen Rennen, aber vor allem habe ich wirklich gutes Training gehabt. Das ist wichtig für mich, dass ich bei Riesentorlauf und Slalom im Starthaus stehe und das Gefühl habe, dass mein Skifahren gut ist“, sagte Shiffrin, die im Riesentorlauf zwar Olympiasiegerin ist, aber noch nie Weltmeisterin war.

Worley auf Ligetys Spuren

Die schärfsten Konkurrentinnen um Gold sind vor allem die Slowakin Petra Vlhova, Titelverteidigerin Tessa Worley aus Frankreich, die Italienerin Federica Brignone und die Norwegerin Ragnhild Mowinckel. Vlhova, Brignone und Mowinckel machten die Kombination im Gegensatz zu Shiffrin mit, Vlhova holte Silber und Mowinckel Bronze. Gewinnt Worley nach 2013 und 2017 ein drittes Mal Gold, ist sie die erfolgreichste WM-Athletin im Riesentorlauf. Bei den Männern hat schon der US-Amerikaner Ted Ligety drei RTL-Titel (2011, 2013, 2015).

Das Wetter hat sich im Vergleich zur ersten WM-Woche radikal verändert. Immer wieder regnet es, am Donnerstag werden Temperaturen von bis zu 5 Grad erwartet, dazu starker Wind. „Ganz egal, wie es ist, es heißt, sich gut darauf einzustellen“, sagte Liensberger. „Wir sind es eh schon gewohnt von den letzten Rennen, dass es oft Plusgrade gehabt hat. Ich bin schon gespannt, wie es wirklich am Renntag wird.“