Georg Preidler
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Doping

Nächster Radprofi legt Geständnis ab

Einen Tag nach dem Geständnis des Tirolers Stefan Denifl im Sog des Dopingskandals bei der nordischen Ski-WM in Seefeld hat ein weiterer heimischer Radprofi verbotene Praktiken zugegeben. Der Steirer Georg Preidler bestätigte der „Kronen Zeitung“ und „Kleinen Zeitung“ seine Selbstanzeige in Sachen Blutdoping bei der Staatsanwaltschaft.

„Ich habe ein Doping-Geständnis abgelegt“, wird der 28-Jährige etwa in der „Kronen Zeitung“ zitiert. Grund für seine Selbstanzeige seien die Aufdeckungen der jüngsten Tage gewesen, so Preidler. „Die letzten Tage waren ein Albtraum. Ich habe nicht mehr geschlafen, nicht mehr gegessen. Ich weiß nicht, ob ich überführt worden wäre. Ich weiß nicht, wie und ob dieser Doping-Arzt alles verschlüsselt hat. Aber ich konnte mit diesem Geheimnis nicht mehr leben.“

Preidler ist der bereits vierte österreichische Spitzensportler, der im Zusammenhang mit den Ermittlungen um das Netzwerk eines deutschen Sportmediziners Blutdoping gestanden hat. In Seefeld waren vergangenen Mittwoch die Langläufer Max Hauke und Dominik Baldauf im Zuge einer Polizeirazzia erwischt worden.

Georg Preidler
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Bei der Straßen-WM in Tirol vergangenen Herbst vertrat Preidler Österreichs Farben, jetzt erstattete er Selbstanzeige

Zwei Tage später legte auch Radprofi Stefan Denifl nach vorrübergehender Festnahme ein Geständnis ab. Nachdem die Staatsanwaltschaft am Sonntag die Identität des Verdächtigen nicht bestätigen wollte, wurden am Montag die Ermittlungen gegen den Tiroler offiziell gemacht. Auch die Esten Andreas Veerpalu und Karel Tammjarv sowie der Kasache Alexej Poltoranin waren unter den Festgenommenen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Nächstes Dopinggeständnis

Der steirische Radprofi Georg Preidler bestätigte am Montag seine Selbstanzeige in Sachen Blutdoping bei der Staatsanwaltschaft.

Blut abgenommen, aber nicht rückgeführt

Preidler entschied sich aufgrund der Enthüllungen zur Selbstanzeige. Der 28-Jährige, der mehrfach an Giro d’Italia und Tour de France teilgenommen hatte, gestand die Abnahme von Blut. Dieses soll aber nicht rückgeführt worden sein, wird Preidler, seines Zeichens dreifacher Staatsmeister im Zeitfahren, zitiert.

„Aber alleine der Gedanke und die betrügerische Absicht sind schon ein Delikt“, so der geständige Sportler. Er fühle sich zwar als Betrüger, aber nicht als Krimineller, wie der Radprofi gegenüber der „Kleinen Zeitung“ sagte: „Ja. Ich hatte betrügerische Absichten oder Gedanken. Ich fühle mich aber nicht als Verbrecher.“

Der Steirer sei laut eigener Aussage erst vor Kurzem „schwach“ geworden. „Du hast immer den Leistungsdruck, fährst um Verträge und hast Sorgen um den Job. Und dann hörst du, dass es ohnehin viele machen. Irgendwann fällt die Hemmschwelle weg“, so Preidler, „Diese Ärzte geben dir die Sicherheit, dass du nie auffliegst. Es ist wie beim Hütchenspiel. Du weißt, dass es Betrug ist. Aber du spielst mit.“

„Gesellschaftlich bin ich unten durch“

Der Kontakt sei von Leuten des Dopingnetzwerkes aufgebaut worden, so der 28-Jährige: „Diese Leute kommen auf einen zu, suchen dich aus. Alle meine Erfolge, etwa beim Giro, waren sauber. Ich war ohne Doping gut, habe nie etwas getrickst. Das macht einen interessant.“ Die Aussicht auf größeren Erfolg sei letztendlich die Triebfeder für den versuchten Betrug gewesen: „Du trainierst Tag für Tag, aber bist nie vorne. Irgendwann willst du mehr. Das Blutdoping ist auch nicht viel Aufwand. Sie kommen zu dir und ziehen das durch.“

Preidler gab sich in den Zeitungsinterviews zumindest als reuiger Sünder, der sich der Konsequenzen seiner Tat bewusst ist: „Es war sicher der größte Fehler meines Lebens. Ich muss mich bei jedem, der sich jetzt betrogen fühlt, entschuldigen. Es tut mir leid. Gesellschaftlich bin ich unten durch. Die kommenden Wochen werden hart für mich.“ Als möglicher Kronzeuge für die Ermittlungen sieht sich der 28-Jährige aber nicht. „Ich weiß aber keine Namen von anderen Athleten. Ich kann mir aber vorstellen, dass es ein internationales Erdbeben geben wird“, wird Preidler in der „Kronen Zeitung“ zitiert.

Rennstall über Rücktritt informiert

Preidler informierte am Sonntag auch seinen Arbeitgeber, das französische Rad-Team Groupama-FDJ, über seine Selbstanzeige und die Verwicklung in den Dopingskandal. In der Stellungnahme zu dem Fall schrieb der Rennstall am Montag, dass Preidler erklärt habe, er habe sich am Jahresende 2018 zweimal Blut abnehmen lassen. Der Anfang 2018 zum WorldTour-Team gewechselte Steirer hat laut der Stellungnahme am Sonntag „über seinen sofortigen Rücktritt wegen der unentschuldbaren Verwicklung in die ‚Seefeld-Affäre‘ informiert“.

Der Rennstall teilte mit, dieser schwerwiegende Fall stünde im völligen Gegensatz zu den ethischen Prinzipien des Rennstalls und seiner Sponsoren. „Groupama-FDJ bedauert diesen individuellen Fehler zutiefst und arbeitet mit allen Instanzen zusammen“, hieß es in dem Statement. Das Team habe u. a. den Weltverband UCI informiert.