Jose Callejon (Neapel) gegen Zlatko Junuzovic (RBS)
GEPA/Florian Ertl
Europa League

Napoli zeigt Salzburg Grenzen auf

Der FC Salzburg hat am Donnerstag das Hinspiel im Achtelfinale der UEFA Europa League beim Traditionsclub SSC Napoli mit 0:3 (0:2) verloren und steht damit vor dem Aus. Dem österreichischen Serienmeister und Vorjahreshalbfinalisten wurden vom italienischen Vizemeister die Grenzen aufgezeigt, die Niederlage hätte auch höher ausfallen können.

Arkadiusz Milik (10.), Fabian Ruiz (18.) und ein Eigentor von Verteidiger Jerome Onguene (58.) besiegelten die höchste Europacup-Niederlage unter Trainer Marco Rose. Es war zudem die vierte Auswärtspleite der „Bullen“ in einem K.-o.-Hinspiel der Europa League in Folge. An einem lauen Abend war teilweise ein Klassenunterschied nicht zu übersehen.

Napoli nützte vor allem in der ersten Hälfte Fehler der Gäste eiskalt aus, während Salzburg trotz einiger Möglichkeiten dieses Mal ohne Tor blieb. Das Rückspiel, bei dem es eines noch größeren Wunders als vor einem Jahr im Viertelfinale gegen Lazio Rom (4:1 nach 2:4) bedarf, findet am kommenden Donnerstag (18.55 Uhr) im ausverkauften Stadion Wals-Siezenheim statt.

Europa League: Salzburg verliert in Neapel

Salzburg musste sich im Achtelfinal-Hinspiel bei Napoli mit 0:3 geschlagen geben. Vor dem Rückspiel nächste Woche sind Salzburgs Hoffnungen auf den Aufstieg ins Viertelfinale auf ein Minimum gesunken.

Rose stellte gegenüber dem 4:0 gegen Club Brügge im Rückspiel des Sechzehntelfinales nur auf einer Position um. Anstelle des verletzten Marin Pongracic kehrte Abwehrchef Andre Ramalho nach Sperre in die Mannschaft zurück. Im Gegensatz zu Pongracic wurden Stefan Lainer, Zlatko Junuzovic und Fredrik Gulbrandsen nach Muskelverletzungen fit, der norwegische Stürmer musste aber auf der Bank Platz nehmen. Patson Daka, Doppelpack-Torschütze gegen die Belgier, durfte auch in Neapel beginnen.

„Live is Life“

Auf der anderen Seite liefen die Gastgeber im weiten Rund des fast 60 Jahre alten Stadio San Paolo zu „Live is Life“ der steirischen Kultband Opus zum Aufwärmen auf – überraschend musste sich Kapitän Lorenzo Insigne mit den Ersatzspielern beschäftigen. Startrainer Carlo Ancelotti ließ in seinem erst dritten Europa-League-Spiel (gegenüber 160 in der Champions League) den belgischen WM-Dritten Dries Mertens im Angriff beginnen. Ansonsten veränderte sich die Startformation im Vergleich zum Hit gegen Serie-A-Tabellenführer Juventus Turin (1:2) am Sonntag nur mit Mario Rui, der für Kevin Malcuit als Außenverteidiger begann.

Rose hatte von seiner Mannschaft einen Tag vor dem Spiel einen mutigen Auftritt gefordert, und seine Truppe kam dem in den Anfangsminuten auch nach. Der Gegner wurde früh gestört, es ergaben sich dadurch auch erste Torchancen: Nach einem guten Vorstoß über links prüfte Hannes Wolf Napoli-Goalie Alex Meret (5.). Bei einem weiteren Salzburger Abschluss durch Munas Dabbur musste sich das 21-jährige italienische Tormanntalent strecken (6.).

Napoli eiskalt

Das Blatt wendete sich aber schnell. Denn auch die Gastgeber wussten die Österreicher zu Fehlern zu zwingen. Unter Druck beging Ramalho am eigenen Sechzehner einen Fehlpass, den der Brasilianer noch selbst ausbesserte, in dem er den Schuss von Ruiz zur Ecke abblockte (8.). Zwei Minuten später nützte aber Napoli einen Stellungsfehler im Zentrum eiskalt aus: Nach Idealpass von Mertens hatte Milik im Sechzehner alle Zeit der Welt, der polnische Stürmer umkurvte Salzburg-Goalie Alexander Walke und schob ins leere Tor ein (10.). Die individuelle Klasse des italienischen Vizemeisters blitzte erstmals auf.

Arkadiusz Milik (Napoli) trifft gegen Alexander Waalke (Salzburg)
Reuters/Ciro De Luca
Napoli-Stürmer Arkadiusz Milik umkurvte Salzburg-Tormann Alexander Walke und schob zum 1:0 ein (10.)

Die Hausherren nützten vor 35.000 Zuschauern, darunter rund 700 mitgereiste Salzburger, die Unsicherheit der Gäste weiter aus. Zunächst traf Daka auf der anderen Seite im Abseits stehend ins Tor (16.), zwei Minuten später zählte es auf der anderen Seite. Nach einer Ecke bekam Napoli über links neuerlich die Chance, Jose Callejon legte nach unzureichender Klärung durch Andreas Ulmer auf Ruiz ab, der am Sechzehner mit links volley ins Eck vollendete (18.) – nach nicht einmal 20 Minuten lief Salzburg in Neapel bereits einem 0:2 nach.

Etwas Beruhigung

Napoli stieg vom Gaspedal, Salzburg konnte das Spiel danach etwas für sich beruhigen – zumindest wurden keine weiteren Topchancen zugelassen. Lainer, im Sommer Wunschspieler der Neapolitaner, meldete Salzburg sogar mit einem Distanzschuss in der Offensive zurück – bezeichnend, dass ein Rechtsverteidiger dafür verantwortlich zeichnete (21.). Bei den Gästen war zu diesem Zeitpunkt nur die Gelbe Karte für Abwehrchef Kalidou Koulibaly ärgerlich, denn damit fehlt der Senegalese (wie auch Innenverteidiger-Kollege Nikola Maksimovic) im Rückspiel. Die Ancelotti-Elf, die in der Defensive auch nicht immer sattelfest wirkte, wartete weiterhin geduldig auf Salzburger Fehler.

Die gab es ob schlampiger Zuspiele und Ballannahmen nahe dem eigenen Sechzehner auch. Dem 21-jährigen Innenverteidiger Jerome Onguene war die Nervosität bei einem der vielen Walke-Zuspiele an den Sechzehner anzusehen – er beförderte das Spielgerät völlig unbedrängt ins Toraus und schenkte Napoli eine weitere Ecke. Offensiv ging bei den Salzburgern in der ersten Hälfte dann nur noch wenig, Napoli kontrollierte die Partie und ließ nur einen Schuss von Zlatko Junuzovic vom Sechzehner ins Außennetz zu (41.). Salzburg ging den weiten Weg in die Kabine, um sich für die zweite Hälfte neu zu ordnen.

0:3 statt Anschlusstreffer

Wie in der ersten Hälfte begann Salzburg auch den zweiten Abschnitt mutig und hatte die bis dahin beste Chance auf den Auswärtstreffer. Nach Vorarbeit von Ulmer und Wolf kam Dabbur in guter Position im Sechzehner an den Ball, doch seinen Abschluss parierte Meret per Fuß. Der Umschwung klappte nicht, es sollte vielmehr schlimmer kommen.

Zunächst verlängerte Milik nach einem Einwurf zu Mertens, der im neuerlich ungeordneten Zentrum plötzlich freie Bahn hatte, aber in Walke seinen Meister fand (52.). Nach einer Gelben Karte für Xaver Schlager, der ebenfalls im Rückspiel gesperrt ist, traf dann zwar ein Salzburger, allerdings ins falsche Tor. Der an diesen Abend überforderte Onguene hatte in dieser Situation Pech und köpfelte eine Flanke von Rui zwischen zwei Neapolitanern in die Maschen (58.).

Jerome Onguene mit einem Eigentor
APA/AFP/Andreas Solaro
Salzburgs Innenverteidiger Jerome Onguene beförderte den Ball ins eigene Tor

Eine noch höhere Niederlage konnte Ramalho mit einer Abwehr auf der Linie nach einem weiteren Angriff der Gastgeber, die unter Mithilfe des nun begeisterten Publikums leichtfüßig ihre Angriffe vortrugen, verhindern. Callejon drehte nach einem Aufsetzer bereits zum Jubeln ab, ehe der Brasilianer per Kopfball klärte (69.). Wenig später setzte Milik, dieses Mal nach einem Fehler Ramalhos, den Ball vorbei (75.).

Salzburg kam im Finish aber noch einmal auf und hatte dank des eingewechselten Gulbrandsen noch gute Chancen auf den wichtigen Auswärtstreffer, der das Rückspiel zumindest etwas einfacher gestaltet hätte. Die beste seiner insgesamt drei Möglichkeiten vergab der Angreifer aber mit einem zu schwachen Abschluss im Sechzehner (82.).

Europa League, Achtelfinale

Hinspiel, Donnerstag:

Napoli – Salzburg 3:0 (2:0)

Neapel, Stadio San Paolo, 35.000 Zuschauer, SR Kubalkow (BLR)

Torfolge:
1:0 Milik (10.)
2:0 Ruiz (18.)
3:0 Onguene (58./Eigentor)

Napoli: Meret – Hysaj, Maksimovic, Koulibaly, Rui – Callejon, Allan, Ruiz, Zielinski (66./Diawara) – Milik (81./Ounas), Mertens (72./Insigne)

Salzburg: Walke – Lainer, Ramalho, Onguene, Ulmer – X. Schlager (76./Minamino), Samassekou, Wolf, Junuzovic (61./Mwepu) – Daka (61./Gulbrandsen), Dabbur (76./Minamino)

Gelbe Karten: Koulibaly, Maksimovic (beide im Rückspiel gesperrt), Ounas bzw. Schlager (im Rückspiel gesperrt)

Rückspiel am 14. März in Salzburg