Munas Dabbur
GEPA/Thomas Bachun
Europa League

Stolz überwiegt Salzburgs Enttäuschung

Der FC Salzburg hat sich erhobenen Hauptes aus der Europa League verabschiedet. Das Ausscheiden gegen SSC Napoli sorgte naturgemäß für Enttäuschung, der 3:1-Heimsieg am Donnerstag aber einmal mehr für Stolz. Ein Debütant betrieb Werbung in eigener Sache.

„Neben dem Ärger über das Ausscheiden bin ich schon stolz heute. Es war eine außergewöhnliche Leistung, ein sehr cooles Fußballspiel. Darum geht es mir auch immer, dass es anständig aussieht, dynamisch ist und Spaß macht. Das haben die Jungs auf den Platz gebracht“, sagte Trainer Marco Rose nach dem Duell mit Italiens Vizemeister.

„Wenn man weiß, gegen wen wir gespielt haben, wie viele Chancen wir uns erarbeitet haben, dann ist nur eines nicht perfekt“, sagte Sportchef Christoph Freund und verwies auf den verpassten Aufstieg, der nach dem 0:3 in Neapel in weite Ferne gerückt war. Für ihn war dieser am Ende aber nicht so weit weg: „Wir hätten sogar verdient gehabt, mit 5:1 weiterzukommen, dafür fehlte etwas das Spielglück.“

Salzburg scheidet nach Sieg aus

Der FC Salzburg hat den Aufstieg ins Viertelfinale der UEFA Europa League trotz eines 3:1-Heimsiegs gegen Napoli verpasst.

Gegentor als Dämpfer

Doch auch der Gegner erwies sich als früher Spielverderber. Während Salzburg trotz vieler Möglichkeiten im Hinspiel ein Auswärtstor verpasste, erledigte Napoli das im Rückspiel nach 14 Minuten und sorgte für einen neuerlichen Lerneffekt bei den Österreichern. „Gegen so einen Gegner darf man nicht viel herschenken, sonst klingelt es relativ schnell“, unterstrich Rose. Sein Pendant Carlo Ancelotti hatte freilich genau darauf abgezielt: „Unser Ziel war, gut anzufangen und Mut zu zeigen. Wir waren aggressiv und gingen verdient in Führung.“

Während für den Startrainer das Tor eine Erleichterung darstellte – schließlich hätte Salzburg fünf Treffer für den Aufstieg benötigt -, ließen die Gastgeber den Ärger über den frühen Gegentreffer bald verfliegen. „Wir wollten das Spiel gewinnen, das war die klare Ansage vor dem Spiel. Würde die Tür noch einmal aufgehen, wären wir alle gemeinsam und so schnell wie möglich durch“, schilderte der Deutsche. Die Tür war nach dem 0:1 aber nahezu geschlossen, Salzburg bewies trotzdem Moral und auch erneut, was zu leisten man zu Hause imstande ist.

Ancelotti zollt Respekt

Seit nunmehr 59 Partien sind die „Bullen“ vor eigenem Publikum ohne Niederlage, 18 davon in internationalen Bewerben. Napoli verlor auf europäischer Bühne unter Ancelotti erst ein Spiel, und das mit 0:1 beim Champions-League-Viertelfinalisten Liverpool. Der 59-Jährige zollte dem Gegner abermals Respekt: „Salzburg hat ein tolles Team mit vielen jungen Spielern, die hohe Qualität haben. Sie haben einen sehr guten Rhythmus im Spiel.“

Die beiden Mannschaften beim Einzug
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Die Salzburger Fans hatten mit einem ausverkauften Stadion die nötige Unterstützung für ihre Mannschaft
Spielszene aus Salzburg –  Napoli
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Arkadiusz Milik sorgte für die Führung der Gäste
Spielszene aus Salzburg –  Napoli
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Ein zweites Gegentor konnte gerade noch verhindert werden
Spielszene aus Salzburg –  Napoli
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Munas Dabbur sorgte nur knapp zehn Minuten nach dem Rückstand für den Salzburger Ausgleich
Das Europa League Rückspiel Red Bull Salzburg gegen SSC Napoli in Wals Siezenheim
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Stefan Lainer und Kollegen gaben trotz der nahezu aussichtslosen Situation nie auf
Salzburgtrainer Marco Rose
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Salzburg-Coach Marco Rose trieb seine Mannschaft von der Seitenlinie aus immer nach vorn
Das Europa League Rückspiel Red Bull Salzburg gegen SSC Napoli in Wals Siezenheim
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Nach einer schönen Aktion sorgte Fredrik Gulbrandsen für das 2:1 und ein wenig Hoffnung
Napoli-Trainer Carlo Ancelotti
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Napoli-Coach Carlo Ancelotti musste zusehen, wie sein Team immer mehr in die Defensive gedrängt wurde
Das Europa League Rückspiel Red Bull Salzburg gegen SSC Napoli in Wals Siezenheim
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Hannes Wolf, der sein letztes Europacup-Heimspiel für Salzburg bestritt, musste nach dem Schlusspfiff getröstet werden

Während seine Mannschaft das 1:1 nach der Pause verwalten wollte, gaben die Gastgeber Gas. „Es ist es normal, dass man gegen so starke Teams wie Salzburg ins Hintertreffen kommt, dass die aufkommen und sich wehren. Sie haben dann Stärke gezeigt, deshalb haben wir gegen Ende gelitten“, sagte Ancelotti, für den am Ende der Aufstieg ins Viertelfinale die Hauptsache war.

Salzburg betrieb immerhin Werbung in eigener Sache, vor allem ein junger Mann: Dominik Szoboszlai. Im ersten Europacup-Spiel legte der erst 18-jährige Ungar das 1:1 durch Munas Dabbur auf und leitete das 2:1 durch Fredrik Gulbrandsen ein. Das vielversprechende Talent stellte seine Qualitäten unter Beweis, und das vor vielen Augenzeugen. „Ich bin fast nie nervös. Es gibt mir Energie, wenn ich vor 30.000 Zuschauern spielen kann“, erklärte Szoboszlai seine Abgeklärtheit.

Großes Lob für Szoboszlai

Der Mittelfeldspieler zeigte sich mit seiner Leistung und jener des Teams zufrieden, bedauerte aber freilich das Ausscheiden. Ganz und gar nicht bedauerte es sein Trainer, ihm die Chance gegeben zu haben, nachdem Zlatko Junuzovic (verletzt) und Xaver Schlager (gesperrt) fehlten. „Domi musste heute ins kalte Wasser, aber wir haben das mit vollstem Vertrauen getan. Er hat sich das erarbeitet, verdient und geliefert. Er hat das heute sehr gut gemacht“, lobte Rose seinen Schützling.

Dominik Szoboszlai
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Szoboszlai bestand die Bewährungsprobe gegen Napoli mit Bravour

Noch größeres Lob erntete Szoboszlai von einem Teamkollegen, der möglicherweise sein letztes Europacup-Spiel für Salzburg absolvierte: Christoph Leitgeb. „Er hat das überragend gemacht, überragende Bälle gespielt und mutig agiert. Er hat ein gutes Spielverständnis und super Technik. Er wird seinen Weg machen", sagte der 33-Jährige.

Leitgeb wurde an dessen Stelle eingewechselt und durfte sich selbst noch über ein Highlight freuen. Der Steirer, der seit zwölf Jahren und damit so lange wie kein anderer Spieler in Salzburg unter Vertrag steht, sorgte mit seinem zweiten Europacup-Treffer für den würdigen Schlusspunkt dieser Europa-League-Saison. Nach der dritten perfekten Gruppenphase mit sechs Siegen in sechs Spielen – inklusive zweier prestigeträchtiger Erfolge gegen RB Leipzig – folgte der dritte Einzug ins Achtelfinale. 25.696 Zuschauer waren im Schnitt bei den fünf Heimpartien dabei, erlebten fünf Siege und zeigten sich ebenfalls stolz.

Rose wünscht Napoli den Titel

Auch Rose entging das am Donnerstag nicht. „Wir sind ausgeschieden, aber 27.000 Zuschauer bleiben im Stadion und verabschieden die Jungs anständig. Das sagt alles.“ Der Titeltraum ist für Salzburg geplatzt, geht es nach dem 42-Jährigen, soll sich Napoli den Triumph sichern: „Ich denke, dass Neapel mit ein Favorit auf den Titel ist. Wenn man uns rausschmeißt, dann kann und darf man in diesem Bewerb sehr weit kommen. Ich wünsche Neapel auch den Titel, weil ich das gerne noch länger ansehen würde, was Carlo hier hinzaubert.“

Selbst bleibt Salzburg noch die Chance auf den sechsten Meistertitel in Folge sowie jene auf den Cuptriumph. Geht es nach Rose, soll die Leistung gegen Napoli nun auf nationaler Ebene so oft wie möglich wiederholt werden. „Wir sind raus, aber die Leistung nehmen wir mit, und das ist die Benchmark für die nächsten Wochen. Das wird nicht einfach, weil es sind ja auch Menschen, und es werden nicht immer hier oder auswärts 30.000 Zuschauer da sein. Aber dennoch möchte ich, dass wir versuchen, immer solche Spiele zu machen.“

Ziel Champions-League-Teilnahme

Das ist vor allem in der Meisterschaft wesentlich, soll doch endlich die Teilnahme an der Champions League gelingen. Sollte sich der Sieger der Königsklasse 2019 auch via Liga für die kommende Saison qualifizieren, ist Österreichs Meister in der Gruppenphase der Champions League fix dabei. „Wir wollen uns via Meisterschaft qualifizieren. Das ist die Aufgabe für die nächsten Wochen. Dort legt jeder seine Energie rein, und das wird auch wichtig sein“, sagte Rose. Schließlich ist nach dem Europacup vor dem Europacup.