Munas Dabbur
Reuters/Ammar Awad
EM-Qualifikation

Israels Goalgetter favorisiert ÖFB-Elf

Für Munas Dabbur steht am Sonntag (18.00 Uhr, live in ORF eins und im Livestream) am zweiten Spieltag der Fußball-EM-Qualifikation ein besonderes Spiel auf dem Programm. Der Salzburger Torjäger, der bei Teamchef Andreas Herzog im Sturm gesetzt ist, soll Israel zu Hause zum Sieg gegen das Land seines Arbeitgebers schießen.

Ein Sieg gegen Österreich wäre nach dem 1:1 gegen Slowenien am Donnerstag ein weiterer Schritt Richtung erster EM-Teilnahme Israels. „Wir wissen, dass es keine einfache Gruppe ist. Wir sind nicht die Favoriten. Aber es sind auch nicht die ganz großen Namen in der Gruppe“, sagte Dabbur.

Der 26-jährige Stürmer baut auf den Heimvorteil: „Wir glauben, dass wir zu Hause jedes Spiel in dieser Gruppe gewinnen können. Das werden wir versuchen“, sagte Dabbur der APA. „Wir wissen aber, dass Österreich ein sehr starkes Team hat. Sie sind auch in diesem Spiel Favorit, doch wir haben Chancen.“

Aufschwung dank Herzog

Der Teamstürmer, der bisher in 13 Einsätzen dreimal für sein Land getroffen hat, sieht alle Teams auf „mehr oder weniger demselben Level“. „Österreich und Polen sind ein wenig im Vorteil. Aber wir glauben, dass wir es diesmal schaffen können“, gab sich Dabbur zuversichtlich. Unter Teamchef Herzog habe sich Israel „stark verbessert“, so der Angreifer.

Munas Dabbur
APA/AFP/Jack Guez
Unter Teamchef Herzog gehört Dabbur (l.) auch im israelischen Nationalteam zu den Stammspielern

Neben Herzog sind mit Willi Ruttensteiner als Sportdirektor, Klaus Lindenberger als Tormanntrainer, Heinz Hochhauser und Gerhard Schweitzer als Scouts sowie Ex-Schwimmer Markus Rogan als Mentalcoach fünf weitere Österreicher beim israelischen Verband engagiert. „Es wird auf jeden Fall etwas Spezielles – für mich, aber auch für unseren ganzen Betreuerstab“, sagte Dabbur vor dem Duell mit dem ÖFB-Team.

Religion spielt keine Rolle

Erst seit der Amtsübernahme des Wieners im Sommer ist Dabbur auch gesetzt. „In den letzten Jahren habe ich nicht wirklich eine Chance bekommen“, erklärte Dabbur im Gespräch mit der APA. „Er hat mir das Vertrauen gegeben. Er weiß, dass ich dem Team helfen kann. Ich tue alles, um zurückzuzahlen, was er mir gegeben hat.“ Über die Vergangenheit will Dabbur nicht zu viele Worte verlieren. „Jeder hat darüber geredet, warum ich nicht spiele, viele haben die Gründe nicht verstanden. Aber die Trainer haben andere Spieler einberufen.“

Ob Juden oder Muslime – für Herzog spielen Herkunft und Religion keine Rolle. „Er wählt einfach die besten elf Spieler aus, und das ist wichtig“, sagte Dabbur. Mittlerweile sind eine Handvoll Araber im Team. „Wir sind stolz darauf, das ist ein wichtiger Schritt für den israelischen Fußball“, erklärte der Torjäger aus Nazareth. „Die besten Spieler sollten spielen. Es geht um Fußball, und wir spielen alle für das gleiche Team.“

Israel will drei Punkte

Israel ist gegen Slowenien nicht über ein 1:1 hinausgekommen. Die Mannschaft hat nun gegen die ÖFB-Auswahl drei Punkte im Visier.

Diese Entwicklung anzustoßen, sei für einen ausländischen Trainer möglicherweise etwas leichter gewesen, meinte Dabbur. Allerdings hätten es auch die Österreicher um Sportdirektor Willi Ruttensteiner nach deren Amtsantritt beim israelischen Verband schwer gehabt. „Von den Medien gab es Gegenwind. Aber nach den letzten Spielen haben alle gesehen, dass es in die richtige Richtung geht.“

„Wir lernen viel von ihm“

Mittlerweile herrsche eine sehr positive Stimmung rund um das Team. „In der Kabine ist alles gut – das hat viel mit ihm zu tun“, sagte Dabbur über Herzog. „Er ist ein netter Mensch und ein guter Trainer. Wir lernen viel von ihm, er weiß viel über Fußball.“ Auch als zu Beginn seiner Amtszeit die Ergebnisse ausgeblieben waren, habe Österreichs Rekordspieler die Mannschaft aufgebaut. „Er ist sehr positiv und auch lustig.“

Taktisch habe Herzog sehr klare Ideen nach Israel mitgebracht. „Wir haben einen Plan und wissen genau, was er von uns verlangt“, schilderte Dabbur. Er selbst spielt in den Überlegungen eine zentrale Rolle. Herzogs Spielweise zielt auch darauf ab, den Salzburg-Star in Szene zu setzen. Dabbur: „In den Spielen unter ihm habe ich zumeist gut gespielt, war immer viel involviert. Das gibt mir Selbstvertrauen.“

Insiderwissen für Israel

Der Israeli wird Herzog seine persönlichen Eindrücke über die Salzburg-Profis in der österreichischen Auswahl schildern. „Andi kennt ihre Stärken gut. Ich werde ihm aber auch meine Meinung über meine Freunde sagen.“ Der im Sommer zum FC Sevilla wechselnde Angreifer schätzt Marko Arnautovic („Ein wichtiger und großartiger Spieler“) und David Alaba als Schlüsselkräfte in Österreichs Auswahl ein. Großen Respekt bekundete der 26-Jährige auch vor seinem früheren Salzburg-Kollegen Valentino Lazaro, der mittlerweile bei Hertha BSC sein Geld verdient.

Im Gegensatz zu Dabbur hat es der zweite in der Bundesliga engagierte Israeli nicht in Herzogs Aufgebot geschafft. Das ändert aber nichts daran, dass Austrias Alon Turgeman seinen Landsleuten am Sonntag fest die Daumen drückt. „Es kann ein gefährliches Spiel werden, Österreich ist ein gutes Team. Aber natürlich wollen wir das Spiel gewinnen und werden alles dafür tun, um als Sieger vom Platz zu gehen“, sagte der Stürmer.