Ansicht des neuen Stadions an der Londoner White Heart Lane
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Fußball

Tottenham weiht seine Prunkstätte ein

Zweieinhalb Jahre nach dem Auszug aus der White Hart Lane und knapp sieben Monate nach der ersten geplanten Eröffnung weiht Tottenham Hotspur am Mittwochabend seine neue Heimstätte in der Premier League ein. Premierengast in der 62.062 Zuschauer fassenden Prunkstätte, die sich die „Spurs“ einiges kosten ließen, ist Crystal Palace.

Mit dem ersten Bewerbsspiel endet nun auch offiziell die lange und nicht immer ohne Nebengeräusche verlaufene Wartezeit auf das Prestigeprojekt von Tottenham-Präsident Daniel Levy, dessen Club das Northumberland Development Projekt, in dessen Zentrum das neue Tottenham Hotspur Stadium steht, laut Medienberichten mittlerweile über eine Milliarde Pfund (1,166 Mrd. Euro) gekostet hat.

Zwei Belastungsproben mit begrenzten Besucherzahlen hat die neue Arena bereits hinter sich. Am 24. März standen sich die U18-Auswahlen von Tottenham und Southampton gegenüber. Am Samstag spielten zwei Legendenmannschaften von Tottenham und Inter Mailand mit ehemaligen Stars wie Jürgen Klinsmann, David Ginola und Robbie Keane. Knapp zehn Minuten auf dem Platz stand beim 5:4-Sieg der Mailänder auch Clublegende Paul Gascoigne.

Multifunktionsarena mit Anlaufschwierigkeiten

Die Idee zur Errichtung eines neuen und modernen Stadions und zum damit verbundenen Abschied von der altehrwürdigen White Hart Lane, die seit 1899 die Heimstätte der „Spurs“ war und schrittweise immer wieder erweitert wurde, wurde im Sommer 2008 geboren. Nachdem der zwischenzeitliche Plan, nach den Olympischen Sommerspielen 2012 in London in das Olympiastadion umzuziehen, verworfen worden war, wurden 2013 konkrete Entwürfe für eine Multifunktionsarena mit Vereinsmuseum, Geschäften, Wohnungen und dem neuen Sitz der Tottenham Hotspur Foundation präsentiert.

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Ansicht des neuen Stadions an der Londoner White Heart Lane
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Alleine die Dachkonstruktion des neuen Tottenham-Stadions wiegt rund 600 Tonnen
Das erste Spiel an der White Heart Lane in London im Jahr 1899
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Das erste Spiel an der „Lane“ gewann Tottenham 1899 vor 5.000 Zuschauern mit 4:1 gegen Notts County
Bau des neuen Stadions an der Londoner White Heart Lane
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Nach der Baubewilligung begannen 2015 die Bauarbeiten rund um die White Hart Lane
Premier-League-Match zwischen Tottenham Hotspur und Wycombe Wanderers an der Londoner White Heart Lane mit im Bau befindlichem neuen Stadion im Hintergrund
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Während im alten Stadion noch gespielt wurde, wuchsen daneben die Tribünen der neuen Arena in den Himmel
Abriss des Stadions an der Londoner White Heart Lane
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2017 begannen die Abbrucharbeiten am alten Kern
Abriss des Stadions an der Londoner White Heart Lane
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Insgesamt fanden im alten Stadion laut Clubangaben 2.533 „Spurs“-Spiele in 118 Jahren statt
Abriss des Stadions an der Londoner White Heart Lane
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Bisher fanden im Stadion 36.300 Zuschauer Platz, in die neue Arena passen 62.062 Fans
Abriss des Stadions an der Londoner White Heart Lane
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Insgesamt verschlingt das Stadionprojekt über eine Milliarde Pfund (1,166 Mrd. Euro)
Ansicht des neuen Stadions an der Londoner White Heart Lane
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Nach mehreren Verschiebungen soll das Tottenham-Stadion nur noch sportlich für Schlagzeilen sorgen
Ansicht des neuen Stadions an der Londoner White Heart Lane
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Unter dem Hybridrasen versteckt sich ein weiteres Spielfeld mit Kunstrasen für NFL-Spiele

Nach der Baubewilligung begannen 2015 die Bauarbeiten rund um die alte Wirkungsstätte. Während die „Spurs“ ihre Heimspiele zunächst noch im alten Stadion austrugen und nach insgesamt 2.533 absolvierten Pflichtspielen an der alten White Hart Lane erst mit Beginn der Saison 2017/18 ins 90.000 Zuschauer fassende Wembley-Stadion umzogen, wurden rundherum bereits die neuen Tribünen hochgezogen. 2017 begannen schließlich die Abbrucharbeiten des alten Kerns, die den noch benötigten Platz für den Neubau schufen.

Ursprünglich sollte die neue Heimstätte im September 2018 mit dem ersten Premier-League-Heimspiel der neuen Saison gegen Liverpool eingeweiht werden, der Eröffnungstermin musste unter anderem aufgrund von Koordinationsproblemen der Bauarbeiten und Mängeln beim Brandschutz jedoch insgesamt siebenmal verschoben werden. Betroffen war auch das Gastspiel der National Football League (NFL) im Oktober zwischen den Oakland Raiders und den Seattle Seahawks, das ins Wembley-Stadion verlegt werden musste.

Würdige Bühne für Fußball, Rugby und NFL

Am Mittwoch hat das lange Warten nun aber ein Ende, das Tottenham Hotspur Stadium ist bereit für die Feuertaufe in der Premier League. Nur sechs Tage später folgt bereits der erste Bewährungstest in der Champions League, wenn die „Spurs“ im Viertelfinale auf Manchester City treffen. Das Stadion, das unter dem Hybridrasen (Naturrasen verstärkt mit künstlichen Fasern) auch mit einem Kunstrasenspielfeld aufwarten kann, soll allerdings nicht nur dem Fußball eine würdige Bühne bieten. Pro Jahr sollen zwei NFL-Partien stattfinden, ab 2020 wird auch der Rugby-Club Saracens in Tottenham gastieren.

Für das millionenschwere Stadionprojekt musste allerdings auch viel geopfert werden. Nicht zuletzt auch aufgrund einer Verdoppelung der ursprünglich geplanten Baukosten präsentierte sich der Club auf dem Transfermarkt zuletzt mehr als knausrig. Vor Saisonbeginn war Tottenham etwa der erste englische Club, der seit Einführung des Transferfensters 2003 keinen einzigen neuen Spieler verpflichtet hatte. Und das, obwohl die Premier League im Sommer 2018 insgesamt über eine Milliarde Euro für neues Personal ausgegeben hatte.

Brauerei und längste Bar Englands

Mit der Eröffnung des Stadions, das nach dem Old Trafford in Manchester die zweitgrößte Clubheimstätte in England und die größte in London ist, soll diese Zurückhaltung nun aber der Vergangenheit angehören. Zahlungskräftige wie -willige Kundschaft soll künftig viel Geld in die Tottenham-Kassa spülen und mithelfen, die Arena neben dem Erlös aus dem Verkauf des Stadionnamens und der TV-Rechte sowie aus dem Merchandising und dem Sponsoring zu refinanzieren.

Dem betuchten Fan wird allerdings auch einiges geboten. Neben einem Sky Walk, einer hauseigenen Brauerei und der mit rund 87 Metern längsten Bar Englands soll auch das Catering-Angebot alle bisherigen Angebote in den Schatten stellen. Außerdem wird der Komplex auch ein Hotel mit insgesamt 180 Betten beherbergen. Die Preise der Dauerkarten für den „normalen“ Fan sollen sich laut Medienberichten zwischen 795 Pfund (926 Euro) und 2.200 Pfund (2.563 Euro) bewegen. Eine Mitgliedschaft im elitären H-Club kostet 15.000 Pfund (17.445 Euro) pro Saison – aber ohne Einschreibgebühr.

Premier League, Nachtragsspiele

Dienstag, 23. April:
Tottenham Brighton & Hove 1:0
Watford Southampton 1:1
Mittwoch, 24. April:
Wolverhampton Arsenal 3:1
Manchester United Manchester City 0:2

Tabelle