Frankfurt-Trainer Adi Hütter umarmt Spieler Ante Rebic
AP/Michael Probst
Europa League

Hütter bejubelt seinen größten Erfolg

Der Jubel bei Eintracht Frankfurt über den erstmaligen Einzug in ein Europacup-Halbfinale seit 1980 war grenzenlos. „Ich bin absolut stolz. Beeindruckend. Es gibt nichts Schöneres als diesen Moment, es ist auch für mich mein größter Erfolg“, sagte Trainer Adi Hütter, nachdem seine Mannschaft mit einem 2:0-Sieg im Viertelfinal-Rückspiel der Europa League gegen Benfica Lissabon am Donnerstag das 2:4 aus dem Hinspiel wettgemacht hatte.

Der Vorarlberger war begeistert – sowohl von der Atmosphäre im mit 48.000 Zuschauern ausverkauften Stadion als auch vom Auftritt seiner Spieler, die seine Vorgaben weitgehend umsetzten. „In Summe haben wir verdient gewonnen. Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, und sie ist zu Recht da, wo sie ist“, sagte Hütter. „Es war ein perfektes Spiel und ein perfekter Abend.“

Dass Filip Kostic vor dem Führungstor klar im Abseits stand, sei freilich glücklich gewesen. „Das ist aber auch etwas, was man braucht in so einem Spiel“, sagte der ehemalige Salzburg-Coach nach dem bereits neunten Erfolg der nun noch weitergehenden Europacup-Saison.

„Die ganze Arena hat gebebt“

Hütter und seine Schützlinge genossen den süßen Moment des Erfolges in vollen Zügen. Denn der bis dato letzte Europacup-Halbfinal-Einzug der Eintracht liegt immerhin 39 Jahre zurück. Damals hatten die Hessen danach den Titel im UEFA-Cup erobert. Entsprechend groß war die Euphorie bei den Protagonisten und den Zuschauern, von denen einige nach dem Abpfiff vor Freude fast den Rasen gestürmt hätten.

Frankfurt-Trainer Adi Hütter umarmt Spieler David Abraham
APA/dpa/Arne Dedert
Nicht nur bei Kapitän David Abraham und Trainer Adi Hütter herrschte nach dem Schlusspfiff großer Jubel

„Es ist ein überragendes Gefühl, für diesen Verein und diese Fans zu spielen“, sagte Kapitän David Abraham. Sebastian Rode, der nach der Führung durch Kostic (37.) in der 67. Minute das entscheidende 2:0 erzielt hatte, meinte: „Die Stimmung war unglaublich. Die ganze Arena hat gebebt.“

Frankfurts Helden ließen sich noch 30 Minuten nach dem Schlusspfiff von ihren Fans feiern, eine rauschende Partynacht gab es aber nicht. „Jetzt können wir nichts trinken, denn es ist Karfreitag“, stellte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann fest. Die völlig ausgelaugten Profis sehnten sich nach dem Coup gegen Portugals Rekordmeister aber ohnehin eher nach einer Couch als einem Clubbesuch.

Vorfreude auf Chelsea

In der Vorschlussrunde wartet nun Chelsea. „Ich habe vor 15 Jahren mal davon geträumt, in einem Pflichtspiel an der Stamford Bridge anzutreten“, sagte Hellmann. Für Hütter sind die Londoner, derzeit Tabellenfünfter der englischen Premier League, in den Duellen am 2. und 9. Mai der Favorit. „Aber wir können immer für eine Überraschung sorgen. Wir freuen uns auf Chelsea. Mal sehen, was da rauskommt.“ Es werden die größten internationalen Spiele für ihn als Coach.

Hütter steht als erster österreichischer Trainer seit Rapids Ernst Dokupil 1996 in einem Europacup-Halbfinale. Dieser hatte die Wiener vor 23 Jahren im Cup der Cupsieger ins Endspiel geführt. Zwei Jahre davor stand Hütter selbst als Spieler mit Austria Salzburg im UEFA-Cup-Finale. Nach nationalen Meistertiteln als Trainer mit Red Bull Salzburg (2015) und Young Boys Bern (2018) sorgt er nun international für Furore. In Frankfurt träumen manche nach dem DFB-Pokal-Sieg im Vorjahr gar bereits vom Europacup-Triumph, dem zweiten nach jenem 1980 mit Libero Bruno Pezzey im UEFA-Cup.

Rebic im Halbfinale gesperrt

Im bereits ausverkauften Halbfinal-Hinspiel am 2. Mai muss Gestgaber Frankfurt allerdings auf Stürmer Ante Rebic verzichten, laut Hütter gegen Benfica „der beste Mann auf dem Platz“. Der kroatische Vizeweltmeister ist nach seiner dritten Gelben Karte im Bewerb gesperrt. Dafür dürfte ÖFB-Teamspieler Martin Hinteregger nach seiner Oberschenkelblessur bis dahin wieder zur Verfügung stehen.

Das Europa-League-Finale steigt am 29. Mai im Nationalstadion von Baku. Im Kampf um das zweite Endspielticket trifft Arsenal auf Valencia. „Wir sind vielleicht der am wenigsten erwartete Halbfinalist“, meinte Hütter. Sein Team hat mit Schachtar Donezk, Inter Mailand und Benfica aber bereits drei Umsteiger aus der Champions League ausgeschaltet. Hütter: „Die Reise geht weiter.“