Frankfurt-Trainer Adi Hütter
GEPA/Witters/Thorsten Wagner
Fußball

Hochschaubahn der Gefühle für Hütter

Adi Hütters erstes Jahr in der deutschen Bundesliga hat es in sich. Der Vorarlberger erlebte in den vergangenen Monaten mit Eintracht Frankfurt eine emotionale Achterbahnfahrt, die der Trainer wohl nicht so schnell vergessen wird.

Zuerst wurde der im Vorjahr als Nachfolger des zu den Bayern abgewanderten Pokalsiegers Niko Kovac geholte Hütter nach einem Fehlstart als erste Trainerentlassung gehandelt, dann spielte er mit den Hessen in der Europa League auf und etablierte das Team auch in der Bundesliga in der Spitzengruppe. „Was wir geleistet haben, hat sehr, sehr große Anerkennung gefunden, nicht nur in Deutschland“, so Hütter.

In der Schlussphase der Meisterschaft droht nun aber der Sturz aus den internationalen Rängen, die Eintracht könnte am Ende mit leeren Händen dastehen. Im Gastspiel bei Bayern München am Samstag benötigen die Frankfurter einen Punkt, um aus eigener Kraft ein weiteres Jahr im Europacup spielen zu dürfen.

Hinteregger hat Lust auf mehr

Nach den Erfolgen dieser Saison will sich die Mannschaft diesen Traum unbedingt erfüllen. „Wir haben alle gesehen, wie geil es ist, durch Europa zu fliegen und internationale Spiele zu bestreiten. Wir wollen das nächstes Jahr unbedingt wieder erleben“, sagte ÖFB-Teamverteidiger Martin Hinteregger.

Fußballspieler Martin Hinteregger (Frankfurt)
APA/AFP/Ben Stansall
Hinteregger kam in dieser Saison mit Frankfurt viel herum in Europa

Nach den Patzern gegen Augsburg (1:3), Hertha (0:0) und Mainz (0:2) müssen die Frankfurter ausgerechnet bei den Bayern, für die es um nichts weniger als den Titel geht, aber noch einmal die letzten Reserven mobilisieren.

„Hätten uns Freifahrschein verdient“

Passend zu dieser Saison ist vor dem letzten Spiel in München zwischen Platz vier (Champions League) und acht (gar nichts) noch alles drin. Der Wunsch von Sportvorstand Fredi Bobic ist daher verständlich: „Wenn es einen Freifahrtschein für die Champions League geben würde, wir hätten ihn uns verdient.“

Doch selbst bei einem Sturz aus den Europacup-Rängen werden Momente dieser Frankfurter Saison im Gedächtnis bleiben. Mehr als 10.000 Fans fuhren mit zum Match bei Lazio Rom, 15.000 Anhänger begleiteten den Verein im Achtelfinale bei Inter Mailand. Und in London feierten die Anhänger ihre Lieblinge noch Minuten nach dem dramatischen Aus im Halbfinale gegen Chelsea voller Stolz. „Ich habe das genossen, es erfüllt mich mit Freude, und ich betrachte es auch als eine Bestätigung unserer Arbeit“, sagte Bobic dem „kicker“.

Real angelt nach Jovic

Im Sommer steht ihm viel Arbeit bevor. Die Stürmer Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic haben mit zahlreichen Toren nicht nur ihren Marktwert auf zusammen etwa 150 Millionen Euro gesteigert, sondern auch Begehrlichkeiten anderer Vereine geweckt. Vor allem Jovic, dem 27 Pflichtspieltore und ein spektakulärer Fünferpack in der Bundesliga gelangen, wird mit seinen 21 Jahren fast bei allen internationalen Topvereinen gehandelt.

Angeblich soll der Wechsel des Serben zu Real Madrid schon in der nächsten Woche fixiert werden – was die Eintracht derzeit dementiert. Bobic räumte aber ein: „Wir müssen immer Transferüberschüsse erzielen, das werden wir tun. Wir werden immer eine Fabrik für die großen Vereine sein. Aber wir bekommen auch einen Gegenwert.“ Im Fall von Jovic soll dieser bei mindestens 60 Millionen Euro liegen.

Zukunft einiger Spieler offen

Spannend wird, wie die Eintracht mit ihren Leihspielern umgeht. Neben Hinteregger (FC Augsburg) haben sich auch Torwart Kevin Trapp (Paris Saint-Germain) und der nun mit einem Knorpelschaden lange Zeit verletzte Sebastian Rode (Borussia Dortmund) ins Rampenlicht gespielt.

Flügelspieler Filip Kostic wäre für 6,5 Millionen Euro recht günstig zu haben, ist aber ohnehin noch bis 2020 vom Zweitligisten Hamburger SV ausgeliehen. Für Hinteregger müsste die Eintracht im Sommer schon zehn Millionen Euro bezahlen, Trapp dürfte kaum günstiger zu bekommen sein. Ohne Europa-Startplatz wird es für die Eintracht bei Spielern dieser Kategorie schwer. Bobic ist um die Zukunft jedoch nicht bang: „Wir werden versuchen, unser Personalbudget zu steigern und den Kader qualitativ noch besser zu machen.“

Deutsche Bundesliga, 34. Runde

Samstag, 18. Mai:
Bayern München Frankfurt 5:1
Mönchengladbach Dortmund 0:2
Bremen Leipzig 2:1
Hertha BSC Leverkusen 1:5
Wolfsburg Augsburg 8:1
Mainz Hoffenheim 4:2
Düsseldorf Hannover 2:1
Schalke 04 Stuttgart 0:0
Freiburg Nürnberg 5:1

Tabelle: