Jubelnde österreichische Nationalspieler
GEPA/Christian Walgram
EM-Qualifikation

„Joker“ bringt ÖFB-Elf ersten Sieg

Das österreichische Fußballnationalteam hat am Freitag mit einem 1:0-Heimsieg gegen Slowenien den dringend benötigten ersten Sieg im dritten Spiel der EM-Qualifikation erzielt. Vor 19.200 Zuschauern in Klagenfurt ließ „Joker“ Guido Burgstaller die Mannschaft von Teamchef Franco Foda aufatmen, die Chancen auf ein EM-Ticket blieben damit intakt.

Nur drei Minuten nach seiner Einwechslung traf Schalke-Legionär Burgstaller mit einem Abstauber (74.) zum insgesamt verdienten Sieg der Österreicher, die in der ersten Hälfte spielbestimmend, aber auch unglücklich im Abschluss waren. Zudem trug Atletico-Torhüter Jan Oblak dazu bei, dass die Österreicher den Ball vorerst nicht im Tor unterbrachten. Nach einem Leistungsabfall in der zweiten Hälfte sorgte der Kärntner Lokalmatador Burgstaller für rot-weiß-rote Jubelstürme.

Klagenfurt erwies sich trotz Stimmungsboykotts als neuerlich guter Boden, zum vierten Mal in Folge verließ das ÖFB-Team das Wörthersee Stadion als Sieger – angesichts der zuvor angespannten Situation war es ein enorm wichtiger Erfolg. Am Montag (20.45 Uhr, live in ORF1) gilt es, auswärts bei Außenseiter Nordmazedonien nachzulegen.

Siegestreffer von Burgstaller

Kurz nach seiner Einwechslung trifft Guido Burgstaller aus kurzer Distanz.

Debütant Laimer ersetzt Kapitän

Foda brachte gegenüber dem 2:4 in Israel drei neue Spieler in der Startelf. Kapitän Julian Baumgartlinger fiel kurzfristig wegen einer Entzündung im Sprungelenk aus und wird auch in Nordmazedonien nicht dabei sein. An seiner Stelle gab Konrad Laimer sein Debüt als defensiver Part im Mittelfeld. David Alaba kehrte nach Verletzung zurück und trug als Ersatzkapitän auch die Schleife. Neu mit dabei war im 4-2-3-1-System auch Stefan Lainer. Die Erfolgsjahre von Red Bull Salzburg spiegelten sich nun auch endgültig im Nationalteam wider: Sieben Spieler der Startelf spielen oder spielten für den Serienmeister.

Fußballspieler Konrad Laimer
GEPA/David Rodriguez Anchuelo
Nach dem Ausfall von Kapitän Julian Baumgartlinger gab Konrad Laimer sein Debüt für Österreichs A-Nationalteam

Der slowenische Teamchef Matjaz Kek, früher für Spittal und den GAK in Österreich aktiv, musste wie erwartet nur auf Stürmer Benjamin Verbic verzichten, ansonsten bot seine Elf keine Überraschungen. Mit dabei waren Weltklassegoalie Oblak und Bergamo-Stürmer Josip Ilicic. Die einzigen beiden Slowenen, die Alaba in einem ORF-Interview ohne Namen („Ihr Goalie ist ganz gut, und vorne rechts haben sie auch einen“) angesprochen hatte. Der ÖFB-Star zog sich damit den Unmut slowenischer Medien zu, die ihm mangelnden Respekt vorwarfen.

Boykott des harten Kerns

Unmut gab es bei einem Teil der österreichischen Anhängerschaft. Herrschte vor einem Jahr im ausverkauften Wörthersee Stadion gegen den damaligen Weltmeister Deutschland beim 2:1-Testspielsieg trotz Unwetters noch Volksfeststimmung, wurde der vom harten Kern angekündigte Stimmungsboykott vor der Pause umgesetzt – vor allem das Ausweichen vom Ernst-Happel-Stadion in Wien stieß sauer auf. Ganz ruhig war es bei einem Trauermoment für den Ehrenpräsidenten des Europäischen Fußballverbands (UEFA), Lennart Johansson.

Österreich startete, wie es sich nach zwei Niederlagen zum Auftakt einer Qualifikation gehört, engagiert und punktete damit beim restlichen rot-weiß-roten Publikum. Die Slowenen stellten das Foda-Team zwar zu Beginn gut zu, doch nach einem verunglimpften Lainer-Schuss (10.) sorgte Marko Arnautovic für das erste Raunen. Per Ferse bediente Marcel Sabitzer Alaba, der Arnautovic im Strafraum fand. Dessen Direktschuss mit links ging knapp am Tor vorbei (12.). Der auffällige Sabitzer legte selbst mit einem Abschluss aus spitzem Winkel im Sechzehner nach, doch für Oblak stellte dieser kein Problem dar (14.).

Sabitzer trifft Stange

Die Slowenen, von rund 2.000 Anhängern angefeuert, waren in der Offensive praktisch abgemeldet. Vor allem Aleksandar Dragovic ließ seinen Worten Taten folgen und störte Sturmspitze Andraz Sporar sehenswert per Tackling (13.). Dessen erster Warnschuss ging weit am Kasten von ÖFB-Tormann Heinz Lindner vorbei (16.). Österreich war aber weiterhin klar spielbestimmend und kam auch zur besten Chance bis dahin: Über die gefährlichere linke Seite beförderte Alaba den Ball präzise auf den Kopf des am Elfer völlig frei stehenden Sabitzer. Dessen Abschluss war zwar wuchtig, aber Oblak stellte seine Klasse unter Beweis und lenkte das Leder im Abtauchen an die Stange (25.).

Sabitzer trifft die Stange

Weltklassegoalie Jan Oblak wehrt einen Kopfball aus kurzer Distanz von Leipzig-Legionär Marcel Sabitzer an die Stange.

Österreich hätte sich spätestens nach 33 Minuten die Führung verdient gehabt. Schlager bekam nach einem energischen Vorstoß samt Fehlpass eine zweite Chance, scheiterte aber vor Oblak mit seinem schwächeren rechten Fuß. Wie auch auf der anderen Seite Domen Crnigoj, der nach einem Faux pas des stark aufspielenden Dragovic aus spitzem Winkel verfehlte (35.). Es ging torlos in die Pause, weil Österreich zwar ab und zu gefällig kombinierte, aber Abschlüsse durch Schlager (40.) und Sabitzer (45.) zu harmlos waren. Jasmin Kurtics abgefälschter Distanzschuss holperte unterdessen knapp vorbei (43.).

Die zweite Hälfte begann wiederum mit einem abgefälschten Schuss von Alaba aus spitzem Winkel (48.). Die nun entschlosseneren Slowenen kamen durch Sporar zu einem Kopfball, der aber Lindner keine Probleme bereitete (50.). Insgesamt entwickelte sich nach der Pause ein mäßiges Spiel mit vielen Fehlern. Österreichs Laufbereitschaft nahm dabei etwas ab, Halbchancen nahmen zu. Zwanzig Minuten vor Schluss schaltete sich Foda schließlich mit dem ersten Wechsel ein und brachte Burgstaller für Sabitzer, der vor der Pause eine seiner besseren Leistungen im ÖFB-Team zeigte, aber dem Teamchef den Handshake bei der Auswechslung verweigerte.

„Joker“ Burgstaller sticht

Foda behielt allerdings recht, denn die Einwechslung erwies sich als wahrer Goldgriff. Der Schalke-Legionär sorgte für die erlösende Führung nur drei Minuten, nachdem er in Minute 71 das Feld betrat. Alabas Flanke fand Arnautovic, der im Strafraum den Ball geschickt abdeckte, und in der Folge auch abschloss. Wieder war Oblak am Boden zur Stelle, doch den Abpraller nützte Burgstaller per Drehung für seinen erst zweiten Treffer im 24. Spiel für das ÖFB-Team (74.).

Der „Joker“ auf der anderen Seite, Ex-Sturm- und Rapid-Spieler Robert Beric, machte es zum Glück für das ÖFB-Team schlechter und verfehlte das Tor zwei Minuten nach seiner Einwechslung nur knapp (80.). Weil auch Sporar das Gehäuse per Kopf nicht traf (89.), jubelte das ÖFB-Team über den ersehnten ersten Sieg in der EM-Qualifikation.

EM-Qualifikation, dritter Spieltag

Gruppe G, Freitag:

Österreich – Slowenien 1:0 (0:0)

Klagenfurt, Wörthersee Stadion, 19.200 Zuschauer, SR Kulbakow (BUL)

Tor: 1:0 (74.) Burgstaller

Österreich: Lindner – Lainer, Dragovic, Hinteregger, Ulmer – Laimer (82./Ilsanker), Schlager – Lazaro, Sabitzer (71./Burgstaller), Alaba (90./Kainz) – Arnautovic

Slowenien: Oblak – Stojanovic, Al. Struna, Mevlja, Jokic – Crnigoj (78./Beric), Bijol (63./Popovic), Kurtic, Zajc (69./Bohar) – Ilicic, Sporar

Gelbe Karten: Lazaro, Burgstaller bzw. Crnigoj