Sebastian Vettel und ein Ferrari-Mitarbeiter
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Formel 1

Ferrari setzt Kampf gegen Vettel-Strafe fort

Ferrari gibt den Kampf um den aberkannten Kanada-Sieg von Sebastian Vettel auch nach dem Verzicht auf einen förmlichen Protest noch nicht auf. Zwar werde das Formel-1-Team den angekündigten Einspruch beim Weltverband (FIA) nun doch nicht einlegen, wie eine Sprecherin am Donnerstag kurz vor Ablauf der Frist sagte. Stattdessen will die „Scuderia“ die Streckenrichter mit frischen Beweisen zu einer Neubewertung der Situation bewegen.

Die Rennkommissare hatten Vettel am Sonntag in Montreal wegen eines harten Manövers gegen Weltmeister Lewis Hamilton mit einer Zeitstrafe von fünf Sekunden belegt. Der Deutsche überquerte die Ziellinie zwar als Erster, rutschte durch die Strafe aber hinter den britischen Mercedes-Piloten auf Rang zwei.

Strittig war, ob nach FIA-Regelwerk überhaupt ein Protest gegen die Sanktion möglich ist. 96 Stunden hatte Ferrari Zeit, förmlich Einspruch einzulegen. Das Team hofft nun offenbar, mit Hilfe des Artikels 14.1.1 im sportlichen Regelwerk doch noch einen Erfolg am grünen Tisch zu erzielen. Demnach könnte die „Scuderia“ mit frischen Beweisen wie Videobildern und Daten aus dem Auto erreichen, dass die Rennkommissare ihr Urteil noch einmal prüfen.

Hamilton nahe an Mauer gedrängt

Vettel war in der 48. Runde des Rennens in Führung liegend nach einem Fahrfehler mit seinem Ferrari durchs Gras gefahren. Als der Deutsche zurück auf die Strecke gekommen war, hatte er den fünfmaligen Champion Hamilton nahe an eine Mauer gedrängt.

Vettel betonte, nicht absichtlich so gefahren zu sein. FIA-Kreisen zufolge soll der Heppenheimer aber in einem Funkspruch ans Team gesagt haben, wenn er nicht nach rechts gelenkt hätte, wäre Hamilton vorbei gewesen. Das würde eine Absicht belegen.

Die Rennkommissare ahndeten sein Manöver als „gefährliche Rückkehr auf die Strecke“. Dabei hätte die Strafe sogar noch höher ausfallen können. Möglich wären auch zehn oder 20 Sekunden oder eine Stop-and-go-Strafe gewesen, sagte der in Montreal zuständige FIA-Sportkommissar Hans-Gerd Ennser der dpa.

Geteilte Meinungen

Vettel hatte nach dem Rennen viel Unterstützung bekommen. Als „sehr peinlich“, hatte der ehemalige Formel-1-Weltmeister Nigel Mansell aus Großbritannien die Strafe bezeichnet: „Zwei Champions fahren brillant, aber es endet mit dem falschen Ergebnis.“

Vettels Landsmann Nico Rosberg indes sah die Strafe als gerechtfertigt an. „Die Regel besagt, dass man nach einem Ausrutscher sicher auf die Strecke zurückkehren muss“, hatte der Champion von 2016 gesagt und von einer „völlig verdienten Strafe“ gesprochen.

Der Rückstand des vierfachen Weltmeisters auf WM-Spitzenreiter Hamilton wuchs durch den aberkannten Sieg um weitere sieben Punkte. Vettel liegt vor dem Grand Prix von Frankreich am 23. Juni mit 100 Zählern auf Rang drei der WM-Wertung hinter Hamilton (162) und dessen Mercedes-Teamkollegen Valtteri Bottas (133).