Cori Gauff
APA/AFP/Adrian Dennis
Wimbledon

Zukunftsversprechen einer erst 15-Jährigen

Die 15-jährige Cori Gauff hat in Wimbledon bisher einen bemerkenswerten Erfolgslauf hingelegt. Mit ihrer Unbekümmertheit, Coolness und spielerischen Klasse sorgte sie als Qualifikantin für Verwunderung beim prestigeträchtigsten Tennisturnier der Saison. Für die Zukunft verspricht Gauff jedenfalls Großes. In Runde drei geht es für sie am Freitag gegen die Slowenin Polona Hercog weiter.

Schnell wurden Erinnerungen wach an einstige „Wunderkinder“ wie ihre US-Landsfrau Jennifer Capriati und die Schweizerin Martina Hingis. „Ich denke, ich kann jede schlagen, die auf der anderen Seite des Netzes steht“, sagte Gauff, als sie nach ihrem Zweitrundensieg gegen Magdalena Rybarikova (SVK) am Mittwoch gerade den zweitgrößten Court der altehrwürdigen Anlage an der Londoner Church Road verließ.

Tränen wie zwei Tage zuvor nach ihrem Sensationssieg über ihr Idol Venus Williams flossen nach dem Erfolg gegen Rybarikova nicht. Berührt aber war die jüngste Teilnehmerin im Feld schon: „Es passiert so viel, ich bin immer noch schockiert, dass ich hier bin“, sagte sie. Auch Rybarikova hatte zu spüren bekommen, wie erstaunlich weit die Weltranglisten-313. in jungen Jahren in ihrer sportlichen Entwicklung schon ist.

Momentan listet die Weltrangliste die Slowakin zwar nur auf Position 139 auf, vor zwei Jahren stand Rybarikova in Wimbledon aber sogar im Halbfinale. Die unbeschwert aufspielende Gauff (Spitzname „Coco“) ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, trat mit einer überraschenden Selbstsicherheit auf und erlaubte ihrer Gegnerin nicht einmal einen einzigen Breakball.

„Ich will die Größte werden“

Andere Talente in Gauffs Alter spielen bei Jugendturnieren, sie dagegen misst sich auf höchstem Niveau erfolgreich mit ihren Vorbildern. Wie andere Jugendliche entspannt Gauff allerdings auch gern mit Hilfe Sozialer Netzwerke, schaut YouTube-Videos und lenkt sich vor einem Match manchmal sogar mit Schminktipps ab.

Insgesamt vermittelt Gauff den Eindruck, sich auf der großen Bühne wohlzufühlen. Sportlich setzt sie sich keine Grenzen, viel mehr verkörpert sie das Motto, wonach mit harter Arbeit alles möglich sei. „Ich will die Größte werden“, sagte sie schon nach ihrem Auftakterfolg: „Ich will den Titel gewinnen.“ Dafür wären noch fünf Siege notwendig.

Als jüngste Spielerin überhaupt hatte die 15-Jährige aus Delray Beach die Qualifikation für Wimbledon überstanden, marschierte in insgesamt fünf Partien ohne Satzverlust durch. „Wimbledon wird verrückt nach Coco“, titelte die „Daily Mail“ am Donnerstag. Nur ihre Landsfrau Capriati war mit 14 Jahren und 90 Tagen einst noch jünger als Gauff, als sie erstmals in Wimbledon antrat.

In den letzten Tagen war viel auf den Teenager eingeprasselt. Etliche Stars hätten sich bei ihr nach ihrem Erfolg über die fünffache Wimbledon-Siegerin Venus Williams gemeldet, erzählte Gauff. So viele, dass sie sie gar nicht alle aufzählen könne: „Ich könnte lügen und sagen, ich habe mich normal gefühlt. Es war echt schwer, mich auf mein nächstes Match zu konzentrieren.“

Der frühere US-Star John McEnroe glaubt jedenfalls , dass Gauff an den Topstars wie Australian-Open- und US-Open-Siegerin Naomi Osaka und der Weltranglistenersten Ashleigh Barty sehr bald vorbeiziehen wird. „Wenn sie mit 20 nicht die Nummer eins der Welt ist, wäre ich absolut schockiert“, sagte der 60-Jährige. Nach Wimbledon wird Gauff im WTA-Ranking in die Top 200 vorstoßen.