Novak Djokovic (SRB) und Roger Federer (SUI)
GEPA/Alan Grieves
Wimbledon

Gipfeltreffen um Krone von London

Mit fast 38 Jahren hat es Roger Federer noch einmal geschafft: Der 20-fache Rekord-Grand-Slam-Sieger steht nach einem mitreißenden Duell mit French-Open-Sieger Rafael Nadal zum zwölften Mal im Endspiel von Wimbledon und greift dort nach dem neunten Titel. Im Weg steht ihm am Sonntag nun mit Novak Djokovic allerdings der Vorjahressieger.

Für Federer geht es gegen Djokovic auch darum, gegenüber dem topgesetzten Titelverteidiger aus Serbien (15 Major-Titel) und dem Spanier Nadal (18) wieder vorzulegen. Zudem kann der vierfache Familienvater seine Regentschaft auf dem „heiligen Rasen“ zurückholen und mit dem neunten Einzeltitel an der Church Road auch mit Martina Navratilova gleichziehen. Unmittelbar nach dem 16. Sieg im 40. Duell mit dem allein zwölffachen Roland-Garros-Champion Nadal überwog bei Federer aber vorerst die Freude über den Sieg.

In Paris hatte Federer im Halbfinale gegen Sandplatzkönig Nadal noch verloren, auf „seinem“ Terrain schlug er aber zurück. Elf Jahre nach dem als eines der besten Matches überhaupt geltenden Wimbledon-Finale gegen den späteren Champion Nadal gelang Federer auch diesbezüglich eine späte Revanche. Das Semifinale war sein 101. Einzel-Sieg allein im Rasen-„Mekka“ und hat für ihn einen hohen Stellenwert.

Duell gegen Nadal für Federer einzigartig

„Es ist immer sehr cool, hier gegen Rafa zu spielen, vor allem weil das letzte Mal so lange her ist. Wir haben beide sehr gut begonnen, und dann am Schluss dieser Höhepunkt, dieses verrückte letzte Game mit einigen wahnsinnigen Ballwechseln. Die Partie wird mir als eine meiner Lieblingspartien in Erinnerung bleiben, weil es Rafa ist, Wimbledon, die unglaubliche Atmosphäre und das schöne Wetter.“

Federer, der am 8. August 38 Jahre jung wird, hat am Freitag ein verfrühtes Geburtstagsständchen gehört. Der Grund? „Die Kinder haben mir nach dem Match ein Happy Birthday gesungen“, erzählte der Weltranglistendritte, der im Ranking mit einem Finalsieg Nadal überholen könnte, lachend. „Sie haben gewusst, dass ich gewonnen habe, und das ist vermutlich das einzige ‚Happy-Lied‘, das sie kennen.“

Djokovic im Head-to-Head voran

Er hätte wohl nichts dagegen, wenn er es auch am Sonntag nochmals hört. Gegen Djokovic hat Federer noch öfter gespielt als gegen Nadal und mit 22:25 eine leicht negative Bilanz. Von den vergangenen zehn Kräftemessen mit dem 32-jährigen Serben hat Federer nur zwei gewonnen, die vergangenen vier (zuletzt im Semifinale von Paris-Bercy 2018) hatte allesamt Djokovic gewonnen.

Ähnlich wie es auch Österreichs Weltranglistenvierter Dominic Thiem immer wieder ausdrückt: Um einen Grand-Slam-Titel zu holen, muss man meistens zweimal hintereinander einen der „big three“ schlagen. Das gilt nun auch für Federer im Kampf um den mit umgerechnet 2,62 Mio. Euro dotierten Siegerscheck. „Wenn es hier vielleicht noch einen härteren Brocken gibt als Rafa, dann ist es Novak. Er hat wieder ein unglaubliches Jahr gespielt, Wahnsinn!“, sagte Federer und zollte dem Serben Respekt. „Wichtig ist, dass ich mit Selbstvertrauen in die Partie gehe. Ich weiß, dass ich eine gute Leistung bringen muss, aber auch bringen kann.“

Sechstes Wimbledon-Finale für Djokovic

Für Djokovic, der zuvor mit einem Viersatzsieg den Lauf von Roberto Bautista Agut (ESP) in dessen erstem Major-Halbfinale beendet hatte, ist es immerhin auch schon sein sechstes Wimbledon-Endspiel. „Davon habe ich als Kind immer geträumt, dafür habe ich gearbeitet“, sagte der diesjährige Australian-Open-Sieger. Er war in Paris im Halbfinale von Thiem daran gehindert worden, seinen zweiten Karriere-Grand-Slam (vier Majors in Folge) zu schaffen.

Djokovic hatte den etwas leichteren Weg ins Finale, gab außer im Halbfinale auch in Runde drei (gegen Hubert Hurkacz/POL) einen Satz ab. Federer musste dagegen gleich zum Auftakt gegen Lloyd Harris (RSA) sowie im Viertelfinale gegen Kei Nishikori und eben gegen Nadal einen Satzverlust hinnehmen. Djokovic hat gegen Federer zweimal im Wimbledon-Finale gespielt und beide 2014 und 2015 gewonnen. Davor hatte der Schweizer 2012 im Halbfinale an der Church Road die Oberhand behalten. Gewinnt Federer in seinem insgesamt 31. Major-Endspiel, dann ist er mit 37 Jahren und 340 Tagen der älteste Grand-Slam-Sieger der Profiära.