David Alaba (Bayern)
AP/Martin Meissner
Fußball

Bayern spürt Dortmund im Nacken

Der FC Bayern München eröffnet am Freitag mit einem Heimspiel gegen Hertha BSC die 57. Saison der deutschen Bundesliga und startet die Jagd auf den 30. Meistertitel der Clubgeschichte. Vizemeister Borussia Dortmund möchte nach sieben Titeln in Folge die Bayern-Regentschaft beenden und hat im Sommer dafür ordentlich investiert. Die neue Spielzeit startet unterdessen mit so vielen ÖFB-Legionären wie noch nie.

Im traditionellen Eröffnungsspiel in der Allianz Arena am Freitagabend (20.30 Uhr) wird sich nun gegen den wieder einmal ambitionierten und mit neuen Investorenmillionen ausgestatteten Hauptstadtclub von Hertha BSC erstmals in der Liga zeigen müssen, wie schnell Trainer Niko Kovac eine neue Hierarchie in das Bayern-Ensemble bekommen kann. Nach den Abgängen von Arjen Robben, Franck Ribery und Mats Hummels gibt es zwangsläufig ein neues Gefüge im Starteam mit ÖFB-Teamspieler David Alaba und Toptorjäger Robert Lewandowski.

„Unsere erst Priorität ist, am Ende ganz oben zu stehen“, sagte Alaba der APA. Bei acht Bayern-Meisterschaften war der Wiener mit von der Partie. Der Weg zum nächsten Meisterschaftsgewinn werde allerdings kein Spaziergang, sagte der 27-Jährige. In diesem Zusammenhang wies er auf die vielen Neuverpflichtungen des Dauerrivalen hin. „Die Dortmunder waren immer schon ein harter Konkurrent, und das wird auch diesmal so sein. Sie haben im Sommer viel getan, und ich rechne damit, dass sie sehr stark sein werden“, sagte Alaba.

Schwieriger Transfersommer

Beim FC Bayern hingegen wurden die jüngsten Transferaktivitäten einigermaßen kritisch bewertet, auch Alaba würde sich zusätzliche Profis wünschen. „Die Saison dauert lange, und bei diesen Belastungen, die wir haben, braucht man nicht nur einen Kader mit hohem Niveau, sondern auch einen großen Kader. Ich denke, dass noch ein, zwei Spieler kommen sollten, um den Konkurrenzkampf zu heben und in der Breite gut aufgestellt zu sein. Die Transferperiode ist aber noch nicht zu Ende. Ich habe Vertrauen in unsere Bosse und denke, dass sich noch etwas tun wird. Jetzt geht es einmal darum, gut in die Saison zu starten.“

Die Bayern holten mit Lucas Hernandez (Atletico Madrid) und Benjamin Pavard (VfB Stuttgart) zwar zwei französische Weltmeister und zahlten für Hernandez die Bundesliga-Rekordsumme von 80 Millionen Euro, doch die vollmundigen Ansagen von Bayern-Präsident Uli Hoeneß („Wenn Sie wüssten, was wir schon alles sicher haben“) bewahrheiteten sich bisher nicht. Zuletzt konnte Kovac-Landsmann Ivan Perisic von Inter Mailand ausgeliehen werden.

Bei der Präsentation des 30-jährigen Offensivspielers antwortete Kovac auf die Frage, ob Perisic verpflichtet worden sei, weil Wunschspieler Leroy Sane (Manchester City) sich am Knie verletzt hatte und lange ausfällt: „Ich war ja auch die B-Lösung – und wir haben das Double geholt.“ Zuletzt stand auch eine mögliche Rückkehr von Mario Mandzukic (Atletico Madrid) im Raum, zudem soll mit Philippe Coutinho (Barcelona) noch ein Star an die Isar gelotst werden.

Bayern-Coach Niko Kovac mit Ivan Perisic
APA/AFP/Daniel Kopatsch
Bayern-Trainer Niko Kovac ist von den Qualitäten seines Landsmannes Ivan Perisic überzeugt

Kovac steht trotz Doubles selbst unter Beobachtung, gerade wenn sein Unterstützer Hoeneß tatsächlich im November zurücktritt. „Natürlich sind wir wieder diejenigen, die von vielen gejagt werden“, sagte Kovac über den Titelkampf. Der 47-Jährige hat dabei in seinem zweiten Bayern-Jahr aber nicht nur Dortmund im Blick. Auch Leverkusen und Leipzig zählt er zu den Konkurrenten und hat somit das komplette deutsche Quartett für die Champions League auf dem Meisterzettel.

Dortmunder Kampfansage

Die Kampfansage des ersten Herausforderers ist unterdessen so laut und selbstbewusst wie lange nicht. Dortmund möchte die nationale Bayern-Herrschaft beenden. „Wir wollen Meister werden“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Die Dortmunder fokussierten sich nach dem bitteren zweiten Platz in der Vorsaison auf ihre Meistermission. „Mit unserer neuen Mannschaft ist die Chance gestiegen, dass wir 2020 den Titel holen. Wir müssen sie nur beim Schopf packen“, betonte Kapitän Marco Reus gegenüber dem „kicker“.

Marco Reus (Dortmund)
Reuters/Wolfgang Rattay
Kapitän Marco Reus fordert mit seinen Dortmundern die Bayern ein weiteres Mal heraus

Dortmund sicherte sich im Sommer die Dienste des bisherigen Bayern-Verteidigers Mats Hummels sowie Nico Schulz (Hoffenheim), Thorgan Hazard (Mönchengladbach) und Julian Brandt (Bayer Leverkusen). Dafür gab man die Clubrekordsumme von über 120 Millionen Euro in einem Transfersommer aus. Im Supercup unterstrich die Borussia mit dem 2:0 vor eigenem Publikum ihre Titelambitionen eindrücklich, während der Serienmeister noch so seine Probleme hatte. Am Freitag bzw. Samstag – Dortmund empfängt den FC Augsburg (15.30 Uhr) – folgt die erste Standortbestimmung in der neuen Bundesliga-Saison.

32 ÖFB-Legionäre bedeuten Höchststand

In dieser wird auch Alaba trotz wiederkehrender Gerüchte über ein Interesse des FC Barcelona in München bleiben. Sein Vertrag an der Isar läuft bis 2021, daher steht wohl erst im kommenden Sommer eine Richtungsentscheidung an. „Mein Fokus liegt ganz beim FC Bayern, was im nächsten Jahr passieren wird, weiß ich nicht. Aber ich habe immer betont, dass ich ein Spieler bin, der neue Herausforderungen sucht – ob das beim FC Bayern oder woanders sein wird, kann ich nicht sagen“, so der Verteidiger, der die ÖFB-Legionärsriege anführt.

Grafik zu österreichischen Spielern in der deutschen Bundesliga
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Mit 32 Österreichern bei den 18 Vereinen sind es so viele wie noch nie, die meisten stellen mit je vier Spielern Leipzig und Hoffenheim. Hinzu kommen mit Adi Hütter (Eintracht Frankfurt) und Oliver Glasner (VfL Wolfsburg) auch zwei österreichische Trainer.

Deutsche Bundesliga, erste Runde

Freitag, 16. August:
Bayern München Hertha BSC 2:2
Samstag, 17. August:
Dortmund Augsburg 15.30 Uhr
Leverkusen Paderborn 15.30 Uhr
Wolfsburg Köln 15.30 Uhr
Werder Bremen Düsseldorf 15.30 Uhr
Freiburg Mainz 15.30 Uhr
Mönchengladbach Schalke 18.30 Uhr
Sonntag, 18. August:
Frankfurt Hoffenheim 15.30 Uhr
Union Berlin Leipzig 18.00 Uhr